Rauchzeichen

Samichlaus, Ehe für alle, Gesangsverbot: Was diese Woche wichtig wird

«Ehe für alle», Horrorclown, #DomkapitelLeaks: Nicht allen gefällt die Berichterstattung von kath.ch. Heute kommt der Samichlaus nach Zürich-West, um den kath.ch-Journalisten die Leviten zu lesen. Der Nikolaus ist auf Ihr Feedback angewiesen.

Die einen sind von mir als neuem Redaktionsleiter begeistert, andere irritiert. «Der Blutdruck der Bischöfe ist gestiegen, seit Sie Redaktionsleiter sind», sagte mir vor Wochen der Chef einer Landeskirche. Meine Antwort: «Ich hoffe, die Bischöfe haben einen guten Kardiologen.»

Ein Journalist nimmt eine konträre Haltung ein

In letzter Zeit habe ich viel Kritik einstecken müssen. Konstruktive Kritik ist mir am liebsten. Polemische ist bisweilen amüsant. Es gab aber auch fremdenfeindliche – im Stil von: «Gehen Sie doch zurück nach Deutschland.»

Bundesrätin Karin Keller-Sutter im Gespräch mit kath.ch-Redaktionsleiter Raphael Rauch (links). In der Mitte ist ihr Sprecher Christoph Nufer zu sehen.

Was viele nicht verstehen: Als Journalist spielt man eine Rolle. Die Fragen, die ich als Interviewer stelle, sind nicht immer die Fragen, die mich als Privatmann umtreiben. Im Gegenteil: Ein Journalist nimmt bevorzugt eine konträre Haltung ein, ohne Ansehen von Person und Partei. Egal ob es um «Pax Christi» oder die Piusbrüder geht.

Stachel im Fleisch sein

Als Journalist möchte ich auch nicht geliebt, sondern gelesen werden. Katholisch, aktuell und relevant zu sein bedeutet, Stachel im Fleisch zu sein – und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Auch wenn sie unbequem ist.

Lob und Tadel bekommen wir heute vom Samichlaus persönlich. Sie haben die Möglichkeit, Ihr Feedback dem Nikolaus mitzuteilen. Er kommt heute in einer coronakompatiblen Variante zur kath.ch-Redaktion. Was stört Sie? Was soll sich ändern? Der Samichlaus nimmt bis 16 Uhr Ihr Feedback entgegen: nikolaus@kath.ch.

Zwischen Nikolaus und Unbefleckter Empfängnis

Heute ist ein Sandwich-Tag. Der 7. Dezember kommt zwischen dem 2. Advent, dem Heiligen Nikolaus und Mariä Empfängnis etwas blass daher. Für Martin Werlen, Ex-Abt von Einsiedeln, ist der heutige Tag dennoch besonders. Nach Wochen der Entbehrung darf er im österreichischen St. Gerold wieder eine Messe in Gemeinschaft feiern. Warum er den Begriff «Geistermesse» nicht mag, sagt er im kath.ch-Interview.

Martin Werlen

Übers Wochenende gab die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) eine Erklärung zur «Ehe für alle» heraus. Ich habe bis heute nicht verstanden, wann sich die Bischöfe öffentlich äussern – und wann nicht. Die Relevanz des Themas ist dabei nicht entscheidend.

Mitteilung fällt intellektuell etwas dürftig aus

In den letzten Wochen hatte ich den Eindruck, dass ausser kath.ch und den Piusbrüdern sich niemand über die massive Einschränkung der Religionsfreiheit in Schweizer Kantonen aufregte.

Manch Berner Kirchenfunktionär sieht die Beschränkung auf 15 Gottesdienstplätze auch nicht einmal als Einschränkung. Während die französischen Bischöfe gegen zu drastische Massnahmen erfolgreich klagen, bringen die Schweizer Bischöfe nicht einmal ein Lippenbekenntnis auf eine Medienmitteilung.

Eine einschneidende Begegnung: Der Vater einer Regenbogenfamilie trifft auf Papst Franziskus.

Dafür gibt es aber eine frische Medienmitteilung zur «Ehe für alle». Sie fällt intellektuell etwas dürftig aus. Die Bischöfe verweisen weniger auf das Naturrecht als auf die Menschenrechte. Gut so. Aber: Haben die Bischöfe nicht mitbekommen, was Papst Franziskus im Film «Francesco» sagt? Warum wird diese Aussage des Papstes nicht zitiert?

Sind die Bischöfe für die Samenspende – wenn der Spender bekannt ist?

Auch ist die Argumentation der Bischöfe nicht konsistent. Sie sind gegen die Samenspende – weil jedes Kind ein Recht habe, seinen biologischen Vater und seine biologische Mutter zu kennen. Demzufolge müsste das Evangelium umgeschrieben werden. Im Theologie-Studium habe ich zumindest gelernt, dass Jesus seinen biologischen Vater nicht kannte.

Pride-Parade in Freiburg

Die Argumentation setzt die Bischöfe unter Zugzwang. Manche Länder verbieten die anonyme Samenspende. Demzufolge müssten die Bischöfe eine Samenspende dann gutheissen, wenn die Spender bekannt sind.

Human Rights Film Festival

Wie wenig christlich das Familienbild des Biedermeiers ist, zeigt der Film «Das Neue Evangelium» von Milo Rau. Flüchtlinge, darunter auch Muslime, schlüpfen in die Rolle der Jünger Jesu. Im wunderschönen Matera, der ehemaligen europäischen Kulturhauptstadt.

Zu sehen ist der Film heute Abend (ausverkauft) beim Human Rights Film Festival in Zürich. Für die Aufführung am Dienstag (18 Uhr) gibt es noch Karten. Toll, dass die Katholische Kirche in Zürich dieses Nischenfestival unterstützt.

Yvan Sagnet wandelt als Jesus über das Wasser. Szene aus "Das neue Evangelium" von Milo Rau.

Besonders nahe gegangen ist mir der Film «The Cave». Vor lauter Corona-Pandemie haben wir vergessen, dass in Syrien nach wie vor ein furchtbarer Krieg herrscht – unterstützt von Iran und Russland.

Die angehende Kinderärztin Dr. Amani hat das Zeug zu einer modernen Heiligen. Zwischen zerbombten Ruinen hilft sie, Leben zu retten. Vielleicht sollten die Zürcher Kirchen künftig mehr ins Human Rights Film Festival und weniger ins kommerzielle ZFF investieren.

Wie entscheidet der Bundesrat?

Was wird diese Woche noch wichtig? Alle Augen richten sich auf Bundesrat Alan Berset. Nimmt er die Zügel bei den Corona-Einschränkungen selbst in die Hand? Was ihn in den letzten Monaten bewegt hat, erfahren wir in einem Buch, das am Mittwoch erscheint.

Gemeinsam für den Podcast unterwegs: Andrea Meier, Valentin Beck, Martin Föhn SJ und Raphael Rauch

Sicher ist: Kirchenmusiker und Chor-Liebhaber sind frustriert über das Gesangsverbot. Hierzu gibt es viele Fragen, die Bersets Sprecher am Wochenende nicht beantworten konnte. So auch die Frage, ab wann das Gesangsverbot in Kraft tritt. In so mancher Zürcher Gemeinde wurde am Sonntag noch fleissig gesungen.

Das «Rauchzeichen» als Podcast

Falls Sie unseren neuen Podcast noch nicht kennen: Den Anfang bei «Rauchzeichen – das theologische Quartett» macht das Thema Advent in Krisenzeiten. «Fröhliche Weihnachten trotz Corona?» – diese Frage diskutiere ich mit Andrea Meier aus Bern, Valentin Beck aus Luzern und Martin Föhn aus Basel. Die Fachstellenleiterin, der Jubla-Bundespräses und der frisch geweihte Jesuitenpriester haben unterschiedliche Vorstellungen einer gelungenen Advents- und Weihnachtszeit. Und ganz konkrete Tipps.

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche und eine gesegnete Adventszeit. Ich freue mich auf Ihr Feedback – und auf Hinweise, was nächste Woche wichtig wird: rauchzeichen@kath.ch.

Herzlich

Ihr

Raphael Rauch


Raphael Rauch | © Elisabeth Real
7. Dezember 2020 | 05:00
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