Bischof Markus Büchel anlässlich der Neujahransprache | © Sabine Rüthemann
Schweiz
Bischof Markus Büchel anlässlich der Neujahransprache | © Sabine Rüthemann

Bischof Büchel will im Wahljahr 2019 mitreden

St. Gallen. 9.1.19 (kath.ch) Im aktuellen Wahljahr müssen die Kirchen für die Benachteiligten reden, die ohne Lobby sind, forderte der St. Galler Bischof Markus Büchel am Montag bei seinem Neujahrsempfang. Am kommenden 20. Oktober wählt das Schweizer Stimmvolk ein neues Parlament.

Rund 150 Personen waren der Einladung des Bischofs gefolgt, wie das Bistum mitteilt. Am Empfang nahmen Gäste aus der lokalen und kantonalen Politik und Vertreterinnen und Vertreter anderer Konfessionen und Religionen teil. Geladen waren auch der Administrationsrat und die Seelsorgenden des Dekanats St. Gallen.

Der Bischof beklagte die Flüchtlingskrise und wies auf den zunehmenden Antisemitismus und die Islamophobie hin. Er kam auch auf das zurückliegende Reformationsgedenken in St. Gallen zu sprechen. Dieses habe gezeigt, «dass wir als christliche Kirchen nur noch gemeinsam eine Stimme in der Gesellschaft haben, die auch gehört und ernstgenommen wird». Das habe im Bistum und im Kanton «eine innerkirchliche Frischzellenkultur» bewirkt.

Themen ins Zentrum gerückt

Dies habe dazu geführt, dass Themen wie die Achtung jedes Menschen oder eine gute Dialogfähigkeit, bei welcher die Menschen wirklich aufeinander hörten, «aus einem Nischendasein wieder ins Zentrum» der Gesellschaft fanden. Der Bischof betonte weiter: " Ich finde es grossartig, wenn Menschen verschiedenster Kulturen und Religionen zu gemeinsamem Engagement sich zusammentun in Herausforderungen, die alle betreffen.»

Büchel verwies dabei auf die beispielhafte Botschaft, mit der sich im vergangenen Jahr der «Rat der Religionen» für die Migranten und Flüchtlinge einsetzte.

Kultur des Miteinanders fördern

Eine solche Kultur des Miteinanders wünscht sich der Bischof auch «in unserem Staat und in den Kantonen» und dies «ganz besonders auch für die Politik im kommenden Wahljahr». Der politische Schlagabtausch der Kandidaten für Nationalrat und Ständerat dürfe nicht auf Kosten der Schwächsten gehen, «die unsere Aufmerksamkeit am dringendsten nötig hätten». Der Bischof nannte Flüchtlinge, Heimatlose, Arme – Menschen also, die keine Stimme und keine Lobby hätten.

Die Kirchen und Religionen könnten sich nicht davon dispensieren, «gerade in diesen Fragen eine kritische Stimme zu erheben – auch mit der Gefahr, sich der kirchlich ungehörigen politischen Einmischung schuldig zu machen».

Saubere Streitkultur anstreben

Fürs Wahljahr wünscht sich der St. Galler Bischof eine gute Streitkultur, «die auf Verständigung und gute Antworten aus ist und die sich nicht in gehässigen Scheindebatten genügt». Diese kritischen Worte würden auch für die Kirche gelten, betonte Büchel.

Der Entfremdungsvorgang zwischen kirchlichem Christentum und allgemeiner Lebenswelt sei rasant. Die zivilreligiöse Gestalt des kirchlichen Christentums sterbe, die Kirche verliere immer mehr Privilegien in Staat und Gesellschaft. Aber auch das eurozentrische Christentum und das konfessionalistische Christentum schwinde.

Vertrauen in Pfingstkraft

Die Kirche müsse sich heute nicht zuletzt aufgrund der verschiedenen Missbrauchsskandale in der gesellschaftlichen Realität neuen Herausforderungen stellen. Der Bischof rief dazu auf, «darauf nicht nur mit Verlustangst und Abwehr zu reagieren». Es bedürfe vielmehr eines «grossen Vertrauens in die Pfingstkraft, die über allem wirkt und aus Sterben Neues werden lässt». (gs)

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