Totengedenken auf dem Friedhof in Appenzell
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Heilige, Gräber, Seelenbrezeln – Von Allerheiligen und Allerseelen

Zwei Tage für die Ewigkeit: An den ersten Novembertagen erinnert die Kirche an Heilige und Verstorbene. Warum sich das Totengedenken verschoben hat, welche Bräuche gepflegt werden und was Halloween damit zu tun hat.

Gottfried Bohl

(KNA) An Allerheiligen, dem 1. November, besuchen viele Menschen die Gräber ihrer Angehörigen. Dabei gehörte das Totengedenken ursprünglich zum 2. November, dem sogenannten Allerseelentag. Das Brauchtum verändert sich, wie aktuelle Umfragen zeigen. Ausserdem kennen viele Menschen heute nicht mehr die Bedeutung der Feiertage.

Was wird an Allerheiligen gefeiert?

An Allerheiligen erinnert die katholische Kirche an alle Menschen, die ein heiligmässiges Leben geführt haben. Dabei lenkt sie den Blick auf die Tatsache, dass nach Lehre der Kirche jede und jeder zur Heiligkeit berufen ist. Entsprechend können – neben den offiziell heiliggesprochenen Menschen – auch viele andere Verstorbene wie Heilige verehrt werden.

Wie bekannt sind die Hintergründe des Festes heute noch?

Knapp ein Drittel der Deutschen (31 Prozent) kennt die Bedeutung von Allerheiligen nicht. In einer 2025 veröffentlichten Umfrage für das Portal «Web.de News» gaben dagegen 41 Prozent an, die Bedeutung «auf jeden Fall» zu kennen, während 19 Prozent mit «Eher ja» antworteten.

Bei den Menschen über 65 kannten noch 64 Prozent die Hintergründe, bei den 50- bis 64-Jährigen waren es noch 63 Prozent. Von den 18- bis 29-Jährigen konnte die Hälfte nicht erklären, was an Allerheiligen gefeiert wird.

Was bedeutet Allerseelen?

An Allerseelen gedenkt die katholische Kirche der Toten. Nach alter Tradition beten die Hinterbliebenen vor allem für die «Seelen im Fegefeuer», also für jene, die noch eine Art Reinigung brauchen, bevor sie die volle Gemeinschaft mit Gott erreichen.

Seit wann gibt es diese Feste?

Bereits im 4. Jahrhundert ist in Antiochien ein «Herrentag aller Heiligen» belegt, der damals am Sonntag nach Pfingsten gefeiert wurde. Im Zuge der Christenverfolgungen war die Zahl der Märtyrer rasant angestiegen, so dass es ratsam erschien, einen Festtag für all jene Heiligen einzuführen, denen im kirchlichen Kalender kein eigener Gedenktag eingeräumt werden konnte. Papst Gregor IV. war es schließlich, der dieses Fest 835 verbindlich für die Gesamtkirche auf den 1. November legte. Orthodoxe Christen feiern das Fest weiterhin am Sonntag nach Pfingsten.

Der Allerseelentag geht auf Abt Odilo von Cluny zurück. 998 führte er diesen Gedenktag für die Verstorbenen in allen ihm unterstellten Klöstern ein. Schnell verbreitete sich die Idee, auch wenn die offizielle Festsetzung des Gedenktages erst im Jahr 1915 durch Papst Benedikt XV. erfolgte.

Was verbindet beide Tage?

Es hat vor allem pragmatische Gründe, dass sich das Totengedenken mehr und mehr auf den Allerheiligentag verschoben hat. Theologisch stehen beide Feste in einem engen Zusammenhang. So gehen Allerheiligen und Allerseelen auf die christliche Überzeugung zurück, dass durch Jesus Christus eine Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten besteht. Der Blick weitet sich vom irdischen Leben hin zur himmlischen Vollendung nach dem Tod.

Welches Brauchtum rankt sich um diese Tage?

An diesen Tagen besuchen viele Menschen die Gräber ihrer Angehörigen, die zu diesem Anlass festlich geschmückt wurden. Vor allem in katholisch geprägten Regionen gibt es Gräberumgänge und Gräbersegnungen. Oft kommen hierzu Familienmitglieder aus nah und fern zusammen.

In einer 2025 veröffentlichten Yougov-Umfrage für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) sagte fast jeder Zweite, er wolle in diesen Tagen einen Friedhof besuchen – 13 Prozent an Allerheiligen, 3 Prozent an Allerseelen, 7 Prozent an beiden Tagen und rund 25 Prozent an einem anderen Tag rund um die beiden Feiertage.

Welche Bräuche gibt es noch?

Im süddeutschen Raum werden in diesen Tagen süsse Seelenzöpfe oder Seelenbrezeln gebacken. Diese werden aus Hefe- oder Blätterteig hergestellt und mit Mandeln oder Zucker bestreut.

Vor allem Kinder verbinden mit Allerheiligen auch das Halloween-Brauchtum am Vorabend, das seit einiger Zeit aus dem englischen Sprachraum nach Europa geschwappt ist. Der Ursprung dieses Festes ist in der Tat eng mit dem christlichen Allerheiligentag verbunden. So geht der Name auf die englische Bezeichnung «All Hallows eve», also den Vorabend des Allerheiligenfestes zurück.

In Mexiko wird rund um Allerheiligen der «Dia de los muertos» gefeiert, ein farbenprächtiges Volksfest zu Ehren der Toten, bei dem sich indigene und christliche Traditionen vermischt haben.


Totengedenken auf dem Friedhof in Appenzell | © Vito Assalve
1. November 2026 | 09:00
Lesezeit : ca. 3  Min.
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