Allerheiligen und Allerseelen

Glasfenster Allerheiligen | © pixabay geralt CC0

Allerheiligen und Allerseelen

Allerheiligen: 1. November

Allerseelen: 2. November

Allerheiligen ist der Gedenktag aller bekannten und unbekannten Heiligen und wird in der Kirche als Hochfest gefeiert. Die liturgische Farbe an Allerheiligen ist weiss.

Am Tag nach Allerheiligen begeht die katholische Kirche den Totengedenktag, das Fest Allerseelen. Durch Gebet und Fürbitte wird der Verstorbenen gedacht.

Gedenken an Heilige und Verstorbene

Allerheiligen

Die Heiligen Petrus und Paulus | © pixabay.com

An Allerheiligen bekennt die Kirche, dass es eine grosse Schar von Menschen gibt, deren Leben für immer geglückt ist. Die Verkündigung ist vom Glauben geprägt, dass viele Verstorbene wie Heilige verehrt werden können. Von diesen Menschen nimmt die Kirche an, dass sie die höchste Vollendung ihres Lebens in Gemeinschaft mit Gott erreicht haben. Allerheiligen ist also nicht nur das Fest der offiziell von der Kirche Heiliggesprochenen.

Weil die Christen in den ersten Jahrhunderten immer mehr Märtyrer und Heilige verehrten, war es schon bald unmöglich, jeden einzelnen an einem bestimmten Tag im Jahr zu feiern. Deshalb begann die östliche Kirche schon Anfang des 4. Jahrhunderts, Allerheiligenfeste zu feiern, um aller Menschen zu gedenken, die nach ihrer Auffassung bereits in Gemeinschaft mit Gott leben. In der abendländischen Kirche wird Allerheiligen seit dem neunten Jahrhundert am 1. November gefeiert. Als Initiator des Festes gilt der mittelalterliche Theologe Alkuin.

Ursprünglich war der 1. November jedoch kein Tag des Totengedächtnisses, sondern ein österliches Fest, an dem sich die Kirche der unbekannten Heiligen erinnert. Eigentlicher Totengedenktag ist der 2. November, Allerseelen.

Allerseelen

Grabkerze | © pixabay.com CC0

Der am 2. November begangene Allerseelentag etablierte sich rund 200 Jahre danach, er ging vom französischen Benediktinerkloster Cluny aus. An Allerseelen wird jener Toten gedacht und für sie gebetet, die sich, so der Glaube der katholischen Kirche, in einem Reinigungszustand befinden und die volle Gemeinschaft mit Gott noch nicht erreicht haben. – Nach alter Tradition wurde dieser Ort Fegefeuer genannt.

Dass sich das Totengedenken mehr und mehr auf Allerheiligen verschoben hat, hat vor allem praktische Gründe: Allerheiligen ist in katholischen Gegenden vielerorts ein Feiertag. Aber auch theologisch stehen beide Feste in einem engen Zusammenhang. So gründen Allerheiligen und Allerseelen in der christlichen Überzeugung, dass durch Jesus Christus eine Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten besteht. Der Blick weitet sich vom irdischen Leben hin zur himmlischen Vollendung. (sys/ms)

Mehr Informationen zu Allerheiligen und Allerseelen finden sich auf der Seite des Liturgischen Instituts.

Brauchtum

Kerze | © pixabay.com

Anfang November werden die Gräber auf den Friedhöfen von den Angehörigen geschmückt. Die Angehörigen Verstorbener entzünden das sogenannte Seelenlicht als Symbol für das Ewige Licht, das den Verstorbenen leuchtet. Allerheiligen und Allerseelen gründen in der Überzeugung, dass durch Jesus Christus eine Verbindung zwischen Lebenden und Toten besteht. In vielen katholischen Kantonen ist Allerheiligen ein dem Sonntag gleichgestellter Feiertag.

In den letzten Jahren wird am Vorabend von Allerheiligen auch in der Schweiz “Halloween” gefeiert.Bei diesem ursprünglich keltischen Brauch wurde einmal im Jahr mit Lichtern den Geistern der Toten der Weg zurück zur Erde gewiesen. Später wurde der Brauch christianisiert. Der Der Name leitet sich aus “All Hallows Eve”, dem Abend vor Allerheiligen, ab. (sys/ms)

Gebete

Fürbitte

Du, Heiliger Gott. An diesem Festtag danken wir Dir für das Leben aller heiligen Frauen und Männer, die sich aus Liebe zu Dir in diese zerbrechliche Welt haben rufen lassen. Mit ihrem Leben haben sie dich bezeugt. Mit ihrem Engagement haben sie Deiner Güte eine Gestalt gegeben. Mit ihrer Hingabe im Leben und im Sterben haben die Heiligen ein Zeichen dafür gesetzt, dass Du diese Welt nicht aufgegeben hast.

Wir bitten dich: Lass uns ihr Vorbild achten und ihnen nacheifern. Hilf uns zum achtsamen Hinhören, wenn Du uns rufst und sagst: “Ich bin heilig und auch Ihr sollt heilig sein!” (Buch Levitikus 19,2)

(Text Andrea Richter)

Tagesgebet an Allerheiligen

Allmächtiger, ewiger Gott,

du schenkst uns die Freude, am heutigen Fest die Verdienste aller deiner Heiligen zu feiern.

Erfülle auf die Bitten so vieler Fürsprecher unsere Hoffnung und schenke uns dein Erbarmen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Tagesgebet an Allerseelen

Allmächtiger Gott,

wir glauben und bekennen, dass du deinen Sohn als Ersten von den Toten auferweckt hast.

Stärke unsere Hoffnung, dass du auch unsere Brüder und Schwestern auferwecken wirst zum ewigen Leben.

Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Allerheiligen-Litanei

Die Litanei funktioniert nach dem Prinzip der Wiederholung: die Namen der Heiligen werden durch den Vorbeter gesungen, die Gemeinde antwortet mit “bitte(t) für uns”. Diesen Anrufungen geht ein “Kyrie eleison”, ein “Herr, erbarme dich” voraus. Mit der Litanei zeigt sich die Gemeinde mit den Heiligen verbunden. Zum Abschluss der Litanei wird Christus wiederum in zahlreichen Anrufungen um Barmherzigkeit und Befreiung gebeten. (Katholisches Kirchengesangbuch Nummer 802)

Heilige und ihr Leben und Wirken

Heilige werden in der römisch-katholischen und in den orthodoxen Kirchen verehrt und angebetet oder um ihre Fürsprache bei Christus angerufen. In den lutherischen und anglikanischen sowie den christ- oder altkatholischen Kirchen gelten Heilige und deren Leben als Vorbilder im Glauben und Orientierungshilfe. Eine Anbetung aber ist in den Kirchen der Reformation allein Jesus Christus vorbehalten.

Die Seite Schweizer Heilige und ihr Leben bietet vielseitige Informationen über die hierzulande verehrten Heiligen. Dabei gibt es neben den bekannten Namen wie Niklaus von Flüe, Gallus oder Verena auch manche unbekannte Geschichten zu entdecken. Die Heiligspechung von Marguerite Bays durch Papst Franziskus am 13. Oktober 2019 bildet einen aktuellen Höhepunkt der Schweizer Heiligengeschichte.

Einen leichten Überblick über die Tausenden von Heiligen in der Kirche bietet das Ökumenische Heiligenlexikon. (ms)

Der heilige Eligius, Wandtteppich in Beaune, 15. jahrhundert | © Barbara Camenzind