Thomas Reschke, Universitätsseelsorger an der Hochschule St. Gallen

Uni-Seelsorger Thomas Reschke über die Generation Z an der HSG

Er ist seit 25 Jahren katholischer Seelsorger und Lehrbeauftragter für Theologie an der Hochschule St. Gallen (HSG). Wie hat sich die Kaderschmiede verändert, und wie erlebt Thomas Reschke die Studierenden der Generation Z? Ein Gespräch über Höhepunkte und Tiefschläge, über Vorurteile und Lebensrealitäten.

Die Themen:

  • Ende Jahr geht Thomas Reschke in Frühpension: Hat er genug von seiner Arbeit als Uni-Seelsorger?
  • Zu Beginn seiner Tätigkeit hatte die HSG exakt 4701 Studierende. Heute sind es mehr als doppelt so viele: Was heisst das für seine Arbeit?
  • Was ist dran an der Aussage, dass an der HSG vor allem sogenannte «Rich Kids» studieren?
  • Das Umfeld ist sehr kompetitiv: Wie schwer fällt es den Studierenden, bei Problemen das Gespräch mit einem Seelsorger zu suchen?
  • Wie unterscheiden sich die Sorgen der Generation Z von den Sorgen früherer Generationen?
  • Kriege, Klimakrise und künstliche Intelligenz: Wie stark ist Zukunftsangst auch an der HSG spürbar?
  • Früher hat es an der HSG kein Care-Team gegeben. Das hat sich vor ein paar Jahren geändert: Was war der Auslöser?
  • Arbeits- und Wohnort fallen bei Reschke zusammen: Wie grenzt er sich ab?
  • Neben der Tätigkeit als Seelsorger sind Vorlesungen ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit: Wie frei ist er in der Wahl seiner Themen?
  • Mit dem neuen Jahr beginnt für Thomas Reschke ein neuer Lebensabschnitt: Wie wird er ihn gestalten?
Transcript
Speaker:Thomas Reschke [:Speaker:

väterliche Rolle offenbar. Und wenn  die dann hierherkommen und dann eine

Speaker:

Auslegerordnung machen und sich überlegen, ja,  was berührt mich eigentlich, was möchte ich?

Speaker:

Und wenn sie dann auch lernen, dass  vieles von dem Kompetitiven auch,

Speaker:

dass man das auch etwas spielerisch sehen kann,  unverkrampft sehen kann und dass das Leben nicht

Speaker:

verloren ist, wenn man jetzt eine Prüfung nicht  bestanden hat, sondern dass es weitergeht und dass

Speaker:

man so viele Chancen noch hat und dass man sowieso  privilegiert ist, hier an der Uni zu studieren.

Speaker:Sandra Leis [:Speaker:

Das sagt Thomas Reschke. Er ist katholischer  Universitätsseelsorger und Lehrbeauftragter für

Speaker:

Theologie an der Hochschule St. Gallen. Ende  Dezember geht er nach 25 Jahren in Pension.

Speaker:

Im Podcast «Laut und Leis» fragen wir, wie sich  das Lebensgefühl der Studierenden in dieser Zeit

Speaker:

verändert hat und was es heisst, in einem sehr  kompetitiven Umfeld auch Schwäche zu zeigen.

Speaker:

Ich bin Sandra Leis und treffe meinen Gast auf  dem Universitätsgelände im Akademikerhaus, das

Speaker:

er leitet und wo er auch wohnt. Thomas Reschke,  ganz herzlich willkommen zu unserem Gespräch.

Speaker:Thomas Reschke [:Speaker:

dass Sie gekommen sind.

Speaker:Sandra Leis [:Speaker:

haben Sie genug nach 25 Jahren  von der Arbeit als Uni-Seelsorger?

Speaker:Thomas Reschke [:Speaker:

die unser Bistum überhaupt zu  vergeben hat, aus meiner Sicht.

Speaker:

Und ich denke, 25 Jahre ist  jetzt für mich so eine gute Zeit.

Speaker:

Und ich habe wunderbare Abschiede mit allen.  Also für mich ist das wirklich so stimmig.

Speaker:

Es gibt ja so dieses Stufengedicht von Hermann  Hesse. Für mich ist es jetzt so die Zeit.

Speaker:Sandra Leis [:Speaker:

manchmal auch sehr anspruchsvoll. Gerade gestern  waren Sie beispielsweise im tiefsten Graubünden.

Speaker:Thomas Reschke [:Speaker:

oder. Ich war gestern im Graubünden, weil wir  den Jahrestag hatten von einem Studenten, den ich

Speaker:

vor einem Jahr beerdigt habe. Und dann habe ich  wieder die Eltern besucht. Und man merkt, daraus

Speaker:

entstehen auch Beziehungen, auch Freundschaften.  Und es tut so gut zu spüren, was denen das

Speaker:

bedeutet, dass man da am Grab miteinander betet,  dass man einfach füreinander da ist, dass sie

Speaker:

merken, ja, da sind Menschen da und auch andere  Studenten. Und das ist so was Wunderbares, wenn

Speaker:

man als Eltern spürt, mein Kind wird geliebt oder  wird immer noch geliebt, auch wenn es tot ist.

Speaker:Sandra Leis [:Speaker:

tätig an der Universität St. Gallen. Gibt es eine  Erfahrung, die Sie ganz besonders geprägt hat?

Speaker:Thomas Reschke [:Speaker:

Ich kann das kaum so kategorisieren und sagen, die  überragt alle anderen. Aber schön sind natürlich

Speaker:

Erfahrungen, wo man merkt, dass das Leben denn  doch die Aufgabe des Studenten ist, ist ja zu

Speaker:

leben. Natürlich, die Uni würde sagen, ist es zu  studieren. Aber ich sage erstmal, deine Aufgabe

Speaker:

ist, zu leben und zum Leben zu kommen. Das ist  eigentlich auch unsere christliche Aufgabe, das

Speaker:

weiterzugeben. Und für mich ist das eins immer der  prägendsten. Elemente, wenn ich spüre, da kommt

Speaker:

jemand wieder zum Leben. Da ist jemand z.B. sehr  depressiv und hat dann nachher wieder Hoffnung,

Speaker:

kommt zum Leben. Eine Studentin, die jahrelang  immer jede Woche da war und nachher merkt, ja,

Speaker:

ich kann doch mit meinem Leben was bewirken, ich  kann zum Beispiel in eine NGO gehen und da etwas

Speaker:

Tolles machen, also das ist so erfreulich. Und ich  habe da so viele solche erfreulichen Erlebnisse.

Speaker:Sandra Leis [:Speaker:gab es gut:Speaker:

diese Zunahme Ihre Arbeit verändert? Doppelt so  viel Arbeit ,oder wie muss ich mir das vorstellen?

Speaker:Thomas Reschke [:Speaker:

ich nicht sagen. Es ist umfangreicher geworden.  Man hat natürlich eine größere Internationalität.

Speaker:

Das hatten wir früher nicht so. Und die Uni ist  relativ schnell gewachsen in den letzten Jahren.

Speaker:

Im Verhältnis zu afrikanischen Universitäten  übrigens langsam. Da hat man in zwei Jahren

Speaker:

von null auf 20’000 Studenten. Das haben wir hier  nicht so. Eigentlich sind wir sehr lange organisch

Speaker:

gewachsen in den letzten Jahrzehnten. Genau zu  der Zeit, wo ich war, sind wir langsam gewachsen

Speaker:

und da merke ich, dass dadurch, dass es gewachsen  ist, braucht es auch stärkere Regelungen. Es gibt

Speaker:

eine größere Verrechtlichung, das muss klar sein.  Früher haben die Studierenden studiert und am

Speaker:

Schluss haben sie eine Prüfung gemacht, sozusagen  und waren dann fertig, hatten den lic. oec. Und

Speaker:

jetzt haben sie ganz viele so Prüfungen,  und es ist sehr, sehr stark alles geregelt.

Speaker:Sandra Leis [:Speaker:Thomas Reschke [:Speaker:

Bologna-Reform zu tun. Da haben wir hier,  genau in dem Zimmer, wo wir jetzt hier sitzen,

Speaker:

damals gesprochen, mit dem Sascha Spoun,  Professor in Lüneburg bzw. der Rektor dort,

Speaker:

wie wir diese Bologna-Reform so machen bei uns an  der Uni, dass sie möglichst einen großen Impact

Speaker:

hat. Und zwar haben wir da noch eingeführt  Reflektionskompetenz und Kulturkompetenzen,

Speaker:

dass man das hineinnimmt. Die Idee von der Uni war  früher immer ein T. Der untere Balken ist quasi so

Speaker:

das Fachwissen, aber dass man oben auch einen  breiten Horizont hat. Im Moment geht das ein

Speaker:

bisschen in Richtung I, weil diese ganzen  Kulturfächer und Reflektionskompetenz-Fächer,

Speaker:

die werden zwar noch gelehrt, aber man merkt, wir  können im Bereich von KI, müssen wir uns sehr,

Speaker:

sehr stark auf die Kennkompetenzen fokussieren,  damit wir eine Chance haben, dass unsere

Speaker:

Absolventen auch gute Arbeitsplätze bekommen. Aber  ich selbst bedauere das schon. Das T ist für mich

Speaker:

wirklich das große Vorbild eigentlich. Dieser  breite Horizont. Und als Theologe habe ich auch

immer gelitten:

Ich habe auch noch Germanistik  studiert, Pädagogik und Philosophie. Und dass

immer gelitten:

zum Beispiel die Theologen nie mit den Germanisten  gesprochen haben. Also die Exegeten zum Beispiel.

immer gelitten:

Wir machen beide das Gleiche. Wir tun Texte  interpretieren. Und da kann man doch voneinander

immer gelitten:

lernen. Und dieses Interdisziplinäre, das  habe ich immer wahnsinnig wichtig gefunden.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

vielleicht Vorurteil zu tun, vielleicht ist  es ein Vorurteil, vielleicht auch nicht,

immer gelitten:

sagen wir die Aussage, dass hier an der  HSG vor allem junge Menschen aus sehr

immer gelitten:

wohlhabenden Familien kommen, also sogenannte  Rich Kids. Stimmt das oder stimmt das nicht?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

weil wir haben Studenten, die arbeiten am  Wochenende noch, die arbeiten noch in der Woche,

immer gelitten:

weil sie ihre Eltern nicht belasten wollen. Es  hat einige wenige Rich Kids, das gibt es sicher,

immer gelitten:

aber ich kann das wirklich nicht so bestätigen.  Oder es gibt, aber was ich bestätigen kann,

immer gelitten:

wir haben Studierende, die wirklich etwas  aus ihrem Leben machen wollen, die 120

immer gelitten:

Meter statt 100 Meter laufen, die wirklich  wissen, was sie wollen in ihrem Leben. Und ich

immer gelitten:

habe mal einen Studentenschaftspräsidenten  gehabt, der hat mit 24 gesagt, so jetzt

immer gelitten:

will ich Präsident sein von dem Verein, mit 25  Studentschaftspräsident, mit 30 will ich heiraten.

immer gelitten:

Und das hat alles geklappt. Und ich hab ihn dann  verheiratet auch. Also der hat eine ganz klare,

immer gelitten:

ganz klare Vorstellung gehabt. Für mich ist das  ein typisches Bild vom HSG-ler. Der hat wirklich

immer gelitten:

sehr klar sein Leben strukturiert. Sie  lernen das schon im ersten Semester,

immer gelitten:

wie man so einen ganzen Wochenplan macht,  dass man überhaupt 60 Stunden arbeiten kann.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

bis 40 Prozent der Studierenden durchfallen.  Das muss man sich schon sehr bewusst sein.

immer gelitten:

Das heißt also, das Umfeld hier  ist ja sehr, sehr kompetitiv.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

sehr glücklich darüber. Weil nämlich in der Zeit  vorher, wo ich angefangen habe, hatten wir das so,

immer gelitten:

dass manche 12, 13, 14 Jahre studiert haben  und am Schluss kein lic. oec. gehabt haben.

immer gelitten:

Die hatten nichts und standen dann da. Dann habe  ich mit den Eltern sprechen müssen usw. Oder die

immer gelitten:

Eltern haben mich angerufen, ich soll doch immer  mal ein bisschen was tun, damit der was tut.

immer gelitten:

Wenn die Eltern dann 10, 15 Jahre jemanden  finanziert haben, und der macht gar nichts,

immer gelitten:

ist das für die Eltern sehr enttäuschend.  Das ist jetzt ein bisschen traurig,

immer gelitten:

aber es hat dann natürlich auch Suizide  gegeben, die dann mitbedingt waren dadurch,

immer gelitten:

dass jemand sagt, jetzt kann ich  meine Lebensziele nicht erreichen. . .

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

fallen überhaupt statistisch gar nicht auf, also  wir sind ganz normal. Es ist jetzt nicht, dass wir

immer gelitten:

da groß was anderes hätten wie woanders, aber ich  finde das vernünftig, dass man sagt, ja, dann geht

immer gelitten:

man nach einem Jahr, als wenn man nach zehn Jahren  geht. Und dann wieder etwas Neues anfangen muss.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

man muss eben kompetitiv sein. Wie schwer  fällt es denn da den heutigen Studierenden,

immer gelitten:

sich auch zu öffnen und mal über Schwierigkeiten

immer gelitten:

mit Ihnen beispielsweise zu sprechen,  in einer Welt, wo man ja cool sein muss?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Also zu mir haben sie das Vertrauen, die kommen  zu mir. Das ist der einzige Ort, wo sie sagen,

immer gelitten:

da können wir sein, wie wir sind. Oder ich habe  da irgendwie so eine väterliche Rolle offenbar.

immer gelitten:

Oder auch die Mädchen, die sagen, ja zu  Weihnachten ist die einzige Zeit, wo ich

immer gelitten:

mal meine Emotionen zeigen kann. Man ist sehr,  sehr diszipliniert, oder. Sehr diszipliniert.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

damit man das Ganze schaffen kann.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

hierherkommen und dann eine Auslegerordnung  machen und sich überlegen, ja was

immer gelitten:

berührt mich eigentlich, was möchte ich und wenn  sie dann auch lernen, dass man das auch etwas

immer gelitten:

spielerisch sehen kann, unverkrampft sehen kann.  Und dass das Leben nicht verloren ist, wenn man

immer gelitten:

jetzt eine Prüfung nicht bestanden hat, sondern  dass es weitergeht und dass man so viele Chancen

immer gelitten:

noch hat und dass man sowieso privilegiert  ist, hier an der Uni zu studieren. Oder? Das

immer gelitten:

ist, also das gelingt nur den wenigsten. Und für  die deutschen Studenten ist das wie ein Sechser im

immer gelitten:

Lotto, wenn sie hier an der HSG angenommen werden.  Weil sie müssen ja auch noch eine Prüfung machen.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Studierenden müssen eine Prüfung haben.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

25 Prozent, die Maximum hier anfangen dürfen  als ausländische Studierende. Das haben die

immer gelitten:

Bürger mal so bestimmt, die Stimmbürger, und die  sind total happy, wenn sie das geschafft haben.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

viele solche Gespräche führen Sie pro Tag jetzt  mit Studierenden, wo es wirklich um was geht?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

wo es wirklich um was geht.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

die trauen sich, also man darf natürlich nicht  ein goldenes Schild an die Tür machen und sagen

immer gelitten:

ich bin der so und so und kommt, sondern man  muss hineingehen in diese ganzen Vereine,

immer gelitten:

wir haben 120 Vereine. Man muss da  mitmachen, die müssen einen kennen,

immer gelitten:

die müssen einen niederschwellig kennenlernen,  dass sie Vertrauen gewinnen und dann ist

immer gelitten:

das Mund-zu-Mund-Propaganda. Also ich  habe so viel Studenten unten im Saal,

immer gelitten:

ich darf gar nicht mehr Werbung machen,  weil da passen nicht mehr Leute rein.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Sie beraten auch Menschen, die jetzt nicht  römisch-katholisch sind, sondern alle, nicht?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

die dann zum Beispiel, wo der Mann fremd  gegangen ist, oder irgendwie so, oder.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:Studenten plus noch diese:immer gelitten:

Und das ist eine wunderbare Sache, eine wunderbare  Aufgabe. Ich bin so dankbar, dass ich das

immer gelitten:

so viele Jahre machen durfte. Das ist ja auch  nicht selbstverständlich. Aber das ging auch nur,

immer gelitten:

weil die haben sich ja immer. .  . Da gab es ja immer wieder neue,

immer gelitten:

oder. Und in der Pfarrei bleiben  immer die gleichen. Und dann ist

immer gelitten:

die Gefahr, dass man irgendwie die  Pfarreientwicklung stören könnte.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

erreicht ja nie immer alle, und hier  ist das eine andere Voraussetzung.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

können auch die Studierenden beobachten, wie  Sie sich verhalten, wie, Ihrer Meinung nach,

immer gelitten:

wie unterscheiden sich die Sorgen der Generation  Z von den Sorgen früherer Generationen?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

nicht hatten. Zum Beispiel haben sie heute das  Handy. Und jetzt kann es ja passieren, dass selbst

immer gelitten:

beim Vaterunser das Handy klingelt. Und man muss  eigentlich immer erreichbar sein. Man muss immer

immer gelitten:

in Kontakt sein. Und der Nachteil ist, der Mensch  hat Schwierigkeiten, sich zu fokussieren. Wir

immer gelitten:

haben viele Leute, die müssen Ritalin nehmen und  so was. Weil der Mensch sucht immer neue Reize.

immer gelitten:

Und wenn sie scrollen, das geht immer schneller.  Man hat einen Reiz nach dem anderen. Und das ist

immer gelitten:

ja eigentlich wirklich bewusst gewollt von Social  Media, dass man immer wieder einen neuen Reiz

immer gelitten:

sucht und immer in seiner Bubble bleibt, die  dann immer noch verstärkt wird und wo man auch

immer gelitten:

in seinen Dingen, wo man ja einseitig wird, immer  verstärkt wird. Und das finde ich eben so gut,

immer gelitten:

wenn man in Vereinen ist oder auch, wo  ich hier nach St. Gallen gekommen bin,

immer gelitten:

bin ich in den Kiwanis-Club und verschiedene Clubs  reingekommen, wo auch politisch andere Meinungen

immer gelitten:

hat. Und nicht nur unter Theologen ist oder so,  sondern dass man wirklich andere Positionen hört,

immer gelitten:

darüber diskutiert, ja, wie stimmst du ab,  warum und so weiter, finde ich total spannend.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Studierenden mit der Sorge zu  Ihnen, ich hänge zuviel am Handy?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

ich will jetzt Digital Detox machen. Das gibt es  immer mal wieder. Das geht aber meist immer nur

immer gelitten:

sehr, sehr kurz. Also das schaffen die nicht  lange. Und wichtig ist eben, dass sie merken,

immer gelitten:

in der Tradition der Kirche gibt es sowas wie  Kontemplation, oder. Die Mönche oder die Nonnen,

immer gelitten:

die wirklich verweilen können bei etwas. Und  das ist eigentlich auch eine tiefe Sehnsucht,

immer gelitten:

einfach mal zur Ruhe kommen. Und ich habe  eine Studentin, die hat mir mal gesagt,

immer gelitten:

es gibt zwei Momente, wo sie so ganz zur Ruhr  kommt. Ich weiß nicht, ob man das auf dem Podcast

immer gelitten:

so sagen kann, aber einfach sagen darf. Aber  sie sagt beim Gottesdienst oder beim Orgasmus

immer gelitten:

da ist sie ganz bei sich sozusagen und  kommt zur Ruhe. Weil sonst sind so viele

immer gelitten:

Reize, die auf einen einfluten und wo man  ständig irgendwie etwas erreichen muss.

immer gelitten:

Das ist sicher eine Situation, in  der unsere heutige Jugend so lebt.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Autoritäten? Ich erinnere mich natürlich an  die eigene Studentinnenzeit, wo wir auch gegen

immer gelitten:

Autoritäten, auch gegen Eltern angekämpft  haben. Auch politisch natürlich. Wie ist

immer gelitten:

das heute? Ist das heute auch noch  ein Kampf oder ist das viel weniger?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Autoritäten der Eltern, da  wird immer noch angekämpft.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

immer wieder in das Leben hineinregieren, und  da müssen manchmal auch die Eltern loslassen,

immer gelitten:

und das ist ein Lernprozess für beide,  der manchmal ein bisschen schmerzhaft ist,

immer gelitten:

oder. Was ich wenig erlebe, ist, dass man,  also dass man irgendwas in Frage stellt,

immer gelitten:

was Professoren sagen oder Professorinnen.  Also da würde ich mir mehr wünschen. Ich bin

immer gelitten:

noch damals auch auf die Straße gegangen. Ich  habe auch gegen den Iran-Krieg protestiert.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

eher selten vorstellen. Bei uns ist aber, wir  machen es anders, wir machen es durch Dialog.

immer gelitten:

Wir haben zum Beispiel das St. Gallen-Symposium,  wo dann 600 Führungskräfte kommen, 400 Studenten.

immer gelitten:

Und da diskutiert man die aktuellen  Fragen nicht gewalttätig, sondern wirklich

immer gelitten:

auf Augenhöhe auch, das finde ich ganz spannend.  Und ist nämlich entstanden zur Zeit der

immer gelitten:

68er-Jahre dieses Symposium als Gegenbewegung zu  dem, dass man auf die Straße geht. Aber trotzdem,

immer gelitten:

ich würde mir manchmal ein bisschen mehr Mut  wünschen, aber die haben oft nicht den Mut,

immer gelitten:

weil sie denken, ja, meine Karriere ist  kaputt, wenn ich jetzt etwas sage gegen

immer gelitten:

den Doktorvater oder so, oder. Also  man ist da doch sehr, sehr vorsichtig.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Zukunftsangst an der HSG? Von der kann man  immer wieder lesen, aber ich weiss nicht, ob das

immer gelitten:

auch an der HSG ein Thema ist. Aber sonst, junge  Menschen, es ist ja nicht mehr so, dass man denkt,

immer gelitten:

es geht mir dann besser als meinen Eltern, dieses  Lebensgefühl. Wie erleben Sie das an der HG?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Wolken aufziehen. Und ganz früher, wo ich  angefangen habe, hat jeder mindestens zwei Stellen

immer gelitten:

bekommen von Firmen. Die sind auf die Leute  zugegangen, dann zehn Jahre später vielleicht

immer gelitten:

einer, und jetzt ist es manchmal schwierig.  Manche hangeln sich von Praktikum zu Praktikum.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

nicht ganz einfach, eines zu kriegen.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

einfach. Man schafft es nur, wenn man auch während  des Studiums Praktika macht. Und das beißt sich so

immer gelitten:

ein bisschen, dass man auch noch arbeitet dabei  oder. Es ist noch anstrengend, die werden in der

immer gelitten:

Regel kaum bezahlt. Das macht denen schon Sorge.  Also diese berufliche Unklarheit, vor allem auch

immer gelitten:

mit der KI. Oder wenn man sagt, jetzt habe  ich zwei Jahre was gelernt und die KI kann

immer gelitten:

das jetzt auch. Warum lern ich das? Die können  das vielleicht sogar genauer und besser. Und

immer gelitten:

das ist etwas, wo die Studierenden sehr am Fragen  sind, wo ist jetzt unser Alleinstellungsmerkmal,

immer gelitten:

wo kann man uns einsetzen? Die ganzen  typischen Anfängerjobs gibt es nicht mehr.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Riesenunterschied zu vor 25 Jahren.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

sie auch nicht so, ja, ich merke es, ist so ein  bisschen gedrückt. Und aber eben die HSG-ler sind

immer gelitten:

schlau genug, sie machen dann also Networking,  oder. Sie sprechen ja alles auf Englisch aus,

immer gelitten:

Workload und Networking und so. Und das ist  total wichtig in der Wirtschaft oder auch in

immer gelitten:

der Juristerei, dass man einander kennt, dass man  Beziehungen hat, dass man einander vertrauen kann.

immer gelitten:

Dann hat man auch viel mehr  Chancen, angenommen zu werden.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

zu Ihnen kommt und wirklich mal offen von  seiner beruflichen Zukunftsangst spricht,

immer gelitten:

die man nicht einfach vom Tisch wegwischen kann,  wie reagieren Sie da? Als Theologe meine ich.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

ernst nehmen. Und natürlich kann  ich als Theologe auch immer sagen,

immer gelitten:

du hast einen Wert auch ohne jetzt den beruflichen  Auftrag. Und in der Regel kommt es immer gut. Also

immer gelitten:

als Theologe tue ich ihn ermutigen, und dann habe  ich auch ein Netzwerk, oder. Dann weiß ich auch,

immer gelitten:

wen ich da mal wieder fragen kann, wem ich den  empfehlen kann. Und da kommen auch Studenten,

immer gelitten:

ja, können Sie mir nicht eine Empfehlung  schreiben und so. Und das tue doch sehr gerne.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Cusanuswerk, also von der Deutschen  Bischofskonferenz. Die Begabten kriegen ein

immer gelitten:

Stipendium, da kommt ja auch alles zu mir. Und  ich finde vor allem, dass das ermutigen soll und

immer gelitten:

das wird sehr, sehr gern angenommen.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

weiblich. Hat sich das Miteinander unter  den Geschlechtern verändert in Ihrer Zeit?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

weiblich bei der Juristerei,  ich glaube 60 oder 70 Prozent.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Ganze gesehen. Ich habe das  in Ihren Unterlagen gelesen.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

ist doch ganz toll. Früher hat man doch immer bei  diesen ganzen Veranstaltungen, da sieht man nur

immer gelitten:

lauter Männer. Und das Bild ändert sich langsam.  Nicht ganz schnell, aber langsam. Und jetzt an der

immer gelitten:

Uni ist das jetzt sehr viel stärker geworden, dass  Frauen wirklich präsent sind. Und ich hab's auch

immer gelitten:

bei mir unten im Saal. Fast ein Viertel sind immer  Frauen oder ein bisschen mehr. Und es ist schon,

immer gelitten:

schon ganz anders. Wenn ich daran denke, dass  früher die erste Frau, die ein Doktorat gemacht

immer gelitten:

hat, die Hanny Thalmann war, die hier, also die  Nationalrätin, die in diesem Haus gelebt hat.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

auch unterwegs und stellen die HSG vor.  Deshalb habe ich vorhin gesagt, in Ihren

immer gelitten:

Unterlagen. Sie haben mir freundlicherweise  eine Powerpoint-Unterlage geschickt, die

immer gelitten:

Sie bei den Rotariern vorgestellt haben. Und da  gibt es eine Folie, die nennen Sie Dark Secrets.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

intern. Aber wir können darüber reden.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

ich will nur einen herausgreifen,  da sagen Sie, dass doch circa 500

immer gelitten:

Studierende krank seien während oder pro  Prüfungsphase. Es ist doch eine hohe Zahl,

immer gelitten:

dass 500 Menschen dann so Stress haben  pro Prüfungsphase, es gibt ja da sicher

immer gelitten:

auch verschiedene Krankheitsgrade. Krank ist ja  nicht gleich krank. Wie unterscheiden Sie da?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

natürlich nicht unterscheiden.  Wir haben den Attest.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

die zu Ihnen kommen, nicht?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

die haben dann zum Beispiel Prüfungsängste. Dann  kann man an diesen Prüfungsängsten arbeiten. Man

immer gelitten:

kann sagen, okay, also was kannst du vielleicht  machen? Du kannst zum Beispiel Atemübungen machen.

immer gelitten:

Also es gibt gewisse Atemübungen, um zur Ruhe zu  kommen. Man kann auch ermutigen und sagen, du ...

immer gelitten:

Du kannst das, oder. Also man selbst ist ja immer  der größte Kritiker von sich selber und sagt,

immer gelitten:

ich kann das nicht. Und wenn du sagst, du kannst  das. Also oft kommen die dann zu mir und erwarten,

immer gelitten:

dass ich wahnsinnig viel Verständnis habe und  wahnsinnig lieb bin. Und stattdessen gebe ich oft

immer gelitten:

so einen Tritt in den Hintern und sage, du machst  das jetzt. Und nachher sind die mega dankbar, dass

immer gelitten:

sich dann so hart war mit denen. Sie haben das  geschafft. Das braucht es ja auch machmal, oder?

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Aber wie spüren Sie denn, Sie  sind ja Theologe. Wenn Sie merken,

immer gelitten:

das ist wirklich eine harte Nuss, braucht  vielleicht sogar psychiatrische Unterstützung,

immer gelitten:

dann müssen Sie ein richtig  sensibles Gefühl dafür haben.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

mit der Zeit. Eben, das  meine ich mit dieser Triage.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

auch Psychologen an der Uni, und das ist auch  gewachsen, und es gab früher keine Psychologin

immer gelitten:

an der Uni, es gab nur die Seelsorger und dann  ist so ein Seelsorger hin. Inzwischen haben wir

immer gelitten:

glaube ich vier, fünf Psychologinnen, das  wächst und die können natürlich dann in

immer gelitten:

solchen Fällen auch sehr gut eingreifen, und zu  denen kann man sich wenden. Wobei man sagen muss,

immer gelitten:

die Studenten haben eher Angst ein bisschen  dahin zu gehen manchmal, weil sie sagen,

immer gelitten:

die sind ja vom System bezahlt, oder von der  Uni, und ich werde von der Kirche bezahlt.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

dass man da einen Tolggen im Reihenheft hat  oder so. Da haben sie ein bisschen Angst vor.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

das muss alles top aussehen. Und nein, und da  greife ich auch durchaus ein, wenn ich auch merke,

immer gelitten:

dass es jetzt wirklich ganz hart kommt. Habe  ich zum Beispiel auch jemand mal vom Hier ist er

immer gelitten:

direkt ab, also das war ein schwieriger Student.  Da ist, der hatte einen Psychiater gehabt,

immer gelitten:

und der Psychiater traute sich nicht allein mit  dem. Der hatte immer noch zwei Psychologen dazu

immer gelitten:

eingeladen. Aber der Student war allein mit  mir, oder. Zu einem Gespräch, wo er ganz viel

immer gelitten:

Mist gebaut hat, der hat das  Zeugnis verändert. Der hat. . .

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Und dann habe ich dann von hier aus dem

immer gelitten:

Psychiater angerufen und gesagt, was muss noch  passieren? Und daraufhin hat der Psychiater

immer gelitten:

mir dann zwei Polizisten geschickt und die  haben ihn nach Wil gebracht, den Studenten.

immer gelitten:

Und das Schöne ist, nach einem Monat kam der  Student wieder mit einer Magnumflasche Sekt,

immer gelitten:

oder. Und wollte sich bedanken, weil er war so in  so einem Wahn drin, und da musste er rausgeholt

immer gelitten:

werden. Manchmal muss das halt ein bisschen  gewaltsam auch erfolgen. Nicht ganz freiwillig,

immer gelitten:

aber. . . Es ist schön, wenn dann auf krummen  Zeilen nachher wieder gerade geschrieben

immer gelitten:

wird. Und der hat nachher weiter studiert in  London und so, und das Leben ist gut gegangen.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

ein sogenanntes Care-Team, das hat jetzt die  HSG auch, hatte sie lange Jahre aber nicht.

immer gelitten:

Was war der Auslöser, damit man jetzt  dieses Care-Team installiert hat?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

wo ich angefangen habe, da haben wir Seelsorger  eigentlich immer in so Situationen wie im

immer gelitten:

Todesfall an der Uni reagiert. Und es sind  ja aber immer relativ viele von betroffen,

immer gelitten:

und dann gibt es ja noch andere Krisen. Und dann  haben wir uns vor so ungefähr zehn Jahren alle

immer gelitten:

zusammengesetzt, die Psychologen und der  reformierte Kollege Markus Anker und ich,

immer gelitten:

und wir haben überlegt, was könnte es alles für  Krisen geben? Wir haben eine Riesenliste gemacht.

immer gelitten:

An alles haben wir gedacht, Pandemie nicht  übrigens, und genau geschrieben, wer für was

immer gelitten:

zuständig ist. Die Zuständigkeiten sind ja wichtig  und wie wir vorgehen, wie wir kommunizieren.

immer gelitten:

Wir haben auch eine App, wo wir gegenseitig sofort  in Kontakt sind mit dem Rektorat und so weiter.

immer gelitten:

Aber früher war eben der Gedanke von der Uni,  ja, wir haben nur die besten Schüler, also wenn

immer gelitten:

man nur die besten Schüler und Schülerinnen hat  oder Studierende, dann hat man keine Probleme,

immer gelitten:

oder? Wir sind die Weltmeister, um uns selbst  auf die Schultern klopfen. Und dann. . .

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

man natürlich zugeben, man hat natürlich immer  mal wieder Suizide, und die sind natürlich schwer

immer gelitten:

zu verarbeiten. Die sind schwer zu verarbeiten,  weil dann oft auch viel Unverdautes rauskommt.

immer gelitten:

Zum Beispiel, wenn das ist in der Prüfungsphase,  dann fragt man sich als Uni auch, haben wir

immer gelitten:

was falsch gemacht? Und es ist gut, wenn man  merkt, oh nee, der Student hatte super Noten.

immer gelitten:

Und das Schöne ist auch, in  einem Fall erinnere ich mich,

immer gelitten:

habe ich auch einen Studenten. Mit den Eltern bin  ich dann hierhergegangen in seine Wohnung, wo er

immer gelitten:

sich dann aufgehängt hat. Und dann haben wir – ja,  irgendeiner muss die Eltern ja begleiten, oder-

immer gelitten:

Und das Schlimme ist noch, von der Polizei ist  ganz schiefgelaufen, die Polizei sind zur Mutter

immer gelitten:

hin, die Mutter ist selbst Stadträtin, aber von  einer anderen Stadt gewesen und haben ihr das

immer gelitten:

benachrichtigt und sind wieder gegangen.  Man darf so eine Person nicht allein lassen.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

und die hat sich fast umgebracht, oder. Und  dann hab ich die dann begleitet hierher, und

immer gelitten:

wir sind noch in die Kirche gegangen nachher.  Und das Schöne ist, dass nachher die Schwester

immer gelitten:

bei mir geheiratet hat. Ich habe gedacht,  mit mir hat sie nur alles Dunkle verbunden,

immer gelitten:

alles Traurige die Schwester von diesem Studenten.  Aber nachher habe ich noch das Kind getauft.

immer gelitten:

Also, man merkt es, auch aus solchen Momenten  kann doch Kirche Kraft geben. Und wir sind da,

immer gelitten:

wenn niemand da ist. Wir fragen nicht  nach Zeit. Wenn jetzt ein Todesfall ist,

immer gelitten:

dann bin ich dafür da. Dann ist  das für mich Priorität eins.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

dem Unigelände, da sind wir jetzt auch. Das  heisst, bei Ihnen ist Wohn- und Arbeitsort

immer gelitten:

ziemlich identisch. Wie  grenzen Sie sich eigentlich ab?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Ja, das ist eigentlich wirklich ein bisschen  schwierig. Ich muss ehrlich sagen, also das

immer gelitten:

ist für mich immer das Schwierigste gewesen, weil  ich eben im gleichen Haus wohne, wo ich auch die

immer gelitten:

Gespräche führe, wie jetzt mit Ihnen und so, oder?  Aber eben ich habe so viel Geborgenheit gespürt

immer gelitten:

von der Familie, ich habe vom Glauben oder auch  dadurch, dass Menschen, denen man helfen konnte,

immer gelitten:

einem positive Verstärkung gegeben haben,  wie zum Beispiel dann die Hochzeit von. . .

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

so befriedigend, und das gibt dann  einem doch wirklich Kraft und Freude.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Semesterferien, da haben Sie vielleicht  auch ein bisschen ruhigere Zeiten.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Momente mit den Studenten. Ich bin ja nicht nur  hier im Haus, ich bin ja auch bei den Vereinen.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

haben Sie mir im Vorgespräch gesagt, da  würden Sie mal eine Vorlesung halten,

immer gelitten:

weil die Jugendlichen ja heute sehr  viel Zeit gerne im Gym verbringen.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

früher Vorlesungen gehalten.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

sind wirklich präsent hier auf dem Campus. Wir  sind beim Thema Vorlesung: Das ist ja das andere

immer gelitten:

Standbein, das Sie sehr intensiv betreiben.  Wenn man auf die Webseite schaut, sieht man,

immer gelitten:

dass Sie da diverse Vorlesungen gehalten haben.  Zum Beispiel Faszination Engel, sieben Todsünden

immer gelitten:oder auch:immer gelitten:

mit den Themen beschäftigen. Sind Sie da  vollkommen frei in der Wahl Ihrer Themen?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

absprechen mit meinen Kollegen oder mit meinen  reformierten Kollegen nicht, dass wir nicht alle

immer gelitten:

beide über Engel machen, das wäre schlecht,  die katholischen und die evangelischen oder so,

immer gelitten:

das geht nicht. Aber grundsätzlich bin  ich da ganz frei. Ich nehme natürlich

immer gelitten:

auch Gedanken auf von den Hörerinnen  und Hörern, wenn die mir was sagen

immer gelitten:

und nehme das gerne auf. Was immer  sehr gut ankommt, sind natürlich so

immer gelitten:

Dinge mit Lokalbezug oder wie Insel Reichenau,  wo sehr eng mit St. Gallen zusammen war.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Wiborada. Da haben Sie, glaube  ich, auch was gemacht, oder?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Und das ist wirklich sehr, sehr hilfreich, wenn  man da so einen Bezug hat. Und auf der anderen

immer gelitten:

Seite gibt es so diese Klassiker. Über Engel  habe ich die Vorlesungsreihe gemacht und dann

immer gelitten:

habe ich etwas gewagt. Da haben sogar die  Professoren gesagt, wow, das ist ja ein tolles

immer gelitten:

Thema. Und dann habe ich gedacht, ja, eigentlich  müsstest du die Hörerinnen und Hörern auch mal

immer gelitten:

reden lassen. Und dann haben die von ihren  Geschichten erzählt. Und das braucht ja Mut,

immer gelitten:

oder? Da sind da so 120 Leute, der Saal ist  voll. Dass man nach vorne geht und sagt ja.

immer gelitten:

Zum Beispiel so eine Psychiatriefachfrau war  da irgendwie bedroht worden von jemandem.

immer gelitten:

Und dann kam zu einer Zeit, wo sonst nie einer  kam und hat sie praktisch da gerettet, dass der

immer gelitten:

andere mit dem Messer sie nicht angriff und so.  Ganz viele Geschichten haben die erzählt, und die

immer gelitten:

waren nicht irgendwie albern. Also wirklich ganz  tief. Und da war ich richtig begeistert, was so

immer gelitten:

der normale Christ, der jetzt nicht Theologie  studiert hat. In der Theologie ist mir das

immer gelitten:

kaum vorgekommen, die Engel. Ich habe ein Seminar  gemacht bei Herbert Vogrimler. Nach einem Semester

immer gelitten:

wusste ich immer noch nicht, gibt es jetzt Engel  oder nicht? Das war so dogmatisch und so überhöht.

immer gelitten:

Aber hier merke ich, es gibt Menschen, die  glauben und da hilft mir etwas und begleitet mich.

immer gelitten:

Und der eine brachte es mir, ein Appenzeller  war noch da, ein ehemaliger Redaktor übrigens.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

die Leute kommen von überall  her. Und er hat dann erzählt, ja,

immer gelitten:

im Leben geht einem der Engel hinterher,  und im Tod kommt er einem gegenüber

immer gelitten:

und trägt einen dann auch, selbst wenn man ganz  allein ist, das ist auch ein schönes Bild vom Tod.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

zu Gott, oder? Also auch wenn ich alleine  sterbe, da ist jemand, das ist ja auch so

immer gelitten:

was Befreiendes. Und solche Dinge erzählen  Menschen mit sehr viel Lebenserfahrung. Und

immer gelitten:

das ist für mich auch ein mega Geschenk gewesen.  Oder sie schreiben mir auch ganz viel, die

immer gelitten:

Hörerinnen und Hörern. Also sie sind  auch selber Sprecher und Sprecherinnen.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

dass Sie auch Resonanz haben und Feedback  und so. Ende Jahr geht diese Zeit zu Ende,

immer gelitten:

werden Sie das nicht auch vermissen? Sie haben ja  so begeistert von den Vorlesungen erzählt und auch

immer gelitten:

von Ihren Gesprächen mit den Studierenden.  Was bedeutet das für Sie, dieser Schritt?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

mit Dankbarkeit zurückblicken auf die ganze Zeit.  Also ich bin auch dankbar für die ganze Zeit,

immer gelitten:

und natürlich bin ich auch ein bisschen traurig,  aber traurig kann man ja nur sein über etwas,

immer gelitten:

was man geliebt hat, oder? Und  ich hab das wirklich geliebt.

immer gelitten:

Und ich möchte auch so auf dem Höhepunkt  eigentlich gehen, oder, und merken, ja.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

das merkt man, wenn man mit Ihnen spricht.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

erlebe auch immer wieder, das  Leben ist ja nicht unendlich,

immer gelitten:

es gibt eine Endlichkeit. Und dann bin ich in  sehr vielen Vereinen und Clubs drin, und ich

immer gelitten:

könnte also zweimal am Tag warm essen. Also ich  muss nicht verhungern, den Freundeskreis pflegen

immer gelitten:

und ich habe weiter Kontakt mit denen, wo ich  so viel schon erlebt habe. Das schließt sich ja

immer gelitten:

nicht ab. Aber ich möchte natürlich den Neuen,  meinen Nachfolgern, nicht in der Sonne stehen.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Und ich hoffe, dass die sich genauso wohlfühlen  wie ich. Und das ist für mich wirklich eine große

immer gelitten:

Freude, dass das so schnell ging und wir eine  große Auswahl hatten. Also das ist richtig toll.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

wie Sie zu Beginn unseres Gesprächs gesagt haben.  Aber wird Ihnen diese öffentliche Bühne, die Sie

immer gelitten:

hatten – Leute kamen eben zu Ihnen und wollten  Sie hören –, werden Sie das nicht vermissen?

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

zu sagen, man ist nicht unverzichtbar. Und ich  finde, auch andere müssen die Chance haben, so

immer gelitten:

etwas machen zu können. Und mein Motto ist immer,  dass ich jeden Tag einen neuen Anfang mache.

immer gelitten:

Es gibt ja von jedem Leben, gibt es irgendwie  manchmal einen Satz. Und der einzige Satz,

immer gelitten:

der einmal von einem Wüstenvater übriggeblieben  ist, war, er machte jeden Tag einen neuen Anfang.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

für Ihre Ausführungen und alles  Gute für den neuen Lebensabschnitt.

immer gelitten:Thomas Reschke [:immer gelitten:

Frau Leis, für diese Möglichkeit,  hier mit Ihnen sprechen zu dürfen.

immer gelitten:Sandra Leis [:immer gelitten:

Das ist die 79. Folge des Podcasts  «Laut + Leis». Zu Gast war Thomas

immer gelitten:

Reschke. Der Universitätsseelsorger  der Hochschule St. Gallen geht nach 25

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Jahren in Frühpension. Über Feedback freuen wir  uns. Schreibt gerne per Mail an podcast@kath.ch

immer gelitten:

oder per WhatsApp auf die Nummer 078 251 67 83.

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Und abonniert den Podcast  und bewertet ihn positiv,

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wenn er euch gefällt. In der nächsten Folge  von «Laut + Leis» spreche ich mit der deutschen

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Schriftstellerin und Bestsellerautorin Nora  Bossong. In ihrem soeben erschienen Buch

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«Welt mit anderen Mitteln. Für mehr Glauben  in erschöpften Zeiten» plädiert die studierte

immer gelitten:

Theologin und praktizierende Katholikin  für eine Wiederentdeckung spiritueller

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Ressourcen. Bis in zwei Wochen und  bleibt laut und manchmal auch leise.

Thomas Reschke, Universitätsseelsorger an der Hochschule St. Gallen | © Sandra Leis
30. Oktober 2026 | 05:30
Lesezeit : ca. 24  Min.
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