GCL-Familiengruppe: «Wir pflegen das geistliche Gespräch – wie die Weltsynode»
Am Sonntag trifft sich eine Familiengruppe der Gemeinschaft Christlichen Lebens in den Räumen des Vereins Erfahrbar im Kloster Fahr. Den Kern des Treffens bilde das geistliche Gespräch, sagt Mitbegründerin Patricia Kayser. Sie war bereits als Studentin im von Jesuiten geführten Aki in Zürich aktiv.
Regula Pfeifer
Die Familiengruppe der Gemeinschaft Christlichen Lebens (GCL) in der Schweiz trifft sich am 27. September zu einem Austausch im Areal des Kloster Fahr. Die Eltern und ihre Kinder werden aber nicht im Kloster zu Gast sein, sondern bei der Wohngemeinschaft des Vereins Erfahrbar, der einen Trakt des Klosters bewohnt. Diese pflegt christliches gemeinschaftliches Mehrgenerationenwohnen.
Kinderfreundlicher Ort
«Diese Menschen haben selber Kinder und dementsprechend die richtige Infrastruktur für Kinder», sagt Patricia Kayser. Dies war ein wichtiges Kriterium, als die Familiengruppe einen neuen, gut erreichbaren Ort für ihre Treffen suchte. Zuvor war das Lassallehaus im zugerischen Bad Schönbrunn ihr Ankerplatz gewesen. Dieses musste am 1. Juli 2025 schliessen, nach Pfingsten 2026 verliessen auch die dort lebenden Jesuiten den Bildungsort.
Der Familientag am nächsten Sonntag beginnt mit Kaffee und Gipfeli und ersten Informationen. Um 10 Uhr leitet der Jesuit Martin Föhn einen kinderfreundlich gestalteten Gottesdienst. Danach folgt ein Impuls, an dem jene Eltern teilnehmen, die sich in dem Moment von ihren Kindern lösen können.
Das geistliche Gespräch
Nach dem gemeinsamen Mittagessen folgt der «Kern» des Treffens, wie Kayser sagt. Da trifft sich die Hälfte der Eltern zu einem geistlichen Gespräch, während die andere die Kinder betreut. Später kehren sich die Rollen um.
Beim geistlichen Gespräch liest die Gruppe meist einen Text aus dem Evangelium, geht dann sie im Kreis in die Stille und kommt später in den Austausch. Dies passiert in drei Runden und dauert etwa eine Stunde.
Sie sei von der Methode des Geistlichen Gesprächs überzeugt, sagt Kayser. Nicht ohne Stolz weist sie darauf hin, dass das Geistliche Gespräch im laufenden synodalen Prozess eine aktuelle Bedeutung erlangt hat.
«Alles, was einen innerlich bewegt, kann man in der Stille wahrnehmen und nachher mit den anderen teilen.»
Indem man einen Bibeltext in die Stille mitnehme, verbinde man diesen automatisch mit dem eigenen Leben. «Alles, was einen innerlich bewegt, kann man in der Stille wahrnehmen und nachher mit den anderen teilen», so Kayser. Dabei lasse man sich innerlich vom Geist bewegen. Das geistliche Gespräch lasse sich nicht mit einer Diskussion vergleichen, die zu Lösungen führen soll. Vielmehr kann man «nach einem solchen Prozess gewisse Sachen in einem neuen Licht sehen.»
Ignatianische Wurzeln
Die Familiengruppe ist nicht von ungefähr mit den Jesuiten verbunden. Die Gemeinschaft Christlichen Lebens ist der Spiritualität des Ignatius von Loyola (1491-1561) verpflichtet – gleich wie der Jesuitenorden, den Loyola begründet hat. Laut historischen Informationen von Jesuiten Zentraleuropa reichen die Wurzeln der GCL rund 450 Jahre zurück – zur 1560 gegründeten Marianischen Kongregation. Diese bestand weiter, auch als der Jesuitenorden von Ende 18. bis Anfang 20. Jahrhundert aufgelöst war. 1967 gab sich die Vereinigung den neuen Namen Gemeinschaft christlichen Lebens.
Weltweit ist die GCL in 53 Ländern präsent, in der Schweiz mit rund 14 bis 16 Gruppen, wie GCL Schweiz schreibt. Die Familiengruppe der GCL ist noch jung. Das Ehepaar Patricia Kayser und Antonius Armanious hat sie Anfang 2024 gegründet. Um die zehn Familien sind aktuell dabei, einige davon sind reformiert. «Wir sind in der Schweiz ökumenisch unterwegs», sagt Kayser dazu.
In Schweden auf Gemeinschaft gestossen
Ihre Familie lebte einige Jahre in Schweden, wo Antonius Armanious eine Stelle hatte. 2020 zurück in der Schweiz, suchte Patricia Kayser Anschluss. In Schweden war sie in einer GCL-Kleingruppe aktiv gewesen, deren ignatianische Ausrichtung ihr gefiel. Als Studentin hatte sie sich im Aki in Zürich engagiert, dem Akademikerhaus der Katholischen Hochschulgemeinde. Da wirken bis heute Jesuiten in der Leitung und der Seelsorge.
«Für mich ist die GCL ein wertvoller Ort, um mich mit Menschen zu vernetzen, die mit ignatianischer Spiritualität unterwegs sind», sagt Kayser. Ihr gefällt auch, dass die GCL eine Weltgemeinschaft ist.
Von der Erziehungswissenschaft zur Pfarreiarbeit
Beruflich ist Patricia Kayser in der Pfarrei Küssnacht am Rigi in der Familienpastoral und Geistlichen Begleitung tätig. Ihr privates Engagement bei GCL und ihre Aufgabe in der Pfarrei würden sich gegenseitig bereichern, sagt sie.
Die Katholikin hat ursprünglich Erziehungswissenschaften studiert, danach Heilpädagogik. Zurück aus Schweden gelang ihr der Quereinstieg in die Pfarreiarbeit. Parallel dazu absolvierte sie einen MAS in Ignatianische Exerzitien und Geistliche Begleitung an der Universität Freiburg (Schweiz) und im damaligen Lassallehaus.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




