Vorbereitungsgruppe Taizé 2017 in Basel | © Georges Scherrer
Schweiz
Vorbereitungsgruppe Taizé 2017 in Basel | © Georges Scherrer

Europäisches Jugendtreffen von Taizé in Basel nimmt Gestalt an

Basel, 7.11.17 (kath.ch) Bruder Richard stammt aus dem Kanton Bern. 1978 zog er nach Taizé, wo er heute als Bruder lebt. Seit Anfang Oktober wohnt er mit zwei anderen Brüdern in einem Haus in Kleinbasel, das bis Anfang Jahr eine Schwesterngemeinschaft beherbergte. Von dort aus bereitet er das Europäische Jugendtreffen der Gemeinschaft vor, das vom 28. Dezember bis 1. Januar stattfindet.

Georges Scherrer

Ende Jahr werden in Basel über 15’000 junge Menschen zum Treffen erwartet. Fabian Dinkel, der seit Anfang Jahr im Auftrag der Basler Kirchen als lokaler Koordinator für das Treffen im Einsatz ist, weist darauf hin, dass all diese Leute untergebracht werden müssen, dies am besten in Gastfamilien. Ideal wäre es, wenn sich am Schluss 120 Gemeinden für die Unterbringung der Teilnehmenden zur Verfügung stellten, sagt Fabian Dinkel.

Auch der ehemalige Gemeindeleiter Martin Gadient ist seit Monaten für Taizé unterwegs. Dank seiner vielen Kontakte als ehemaliger Animator für kirchliche Berufe im Bistum Basel kann er den Zugang zu vielen Pfarreien ebnen. Als Anfang Oktober die vorbereitende Taizé-Delegation in Basel eintraf, war darum schon viel Arbeit geleistet worden.

Zwölf junge Taizé-Boten

Das ehemalige Ordenshaus in Kleinbasel ist nun bis Ende Jahr das Nervenzentrum des Taizé-Treffens. Unterstützt werden die Taizé-Brüder um Bruder Richard in Basel von zwei St. Andreas-Schwestern. Diese aus Belgien stammende Gemeinschaft ist seit 1966 in Taizé präsent. Sie gehören auch zum festen Bestandteil der Endjahres-Treffen von Taizé und begleiten vor allem die Frauen, welche bei der Organisation mithelfen. Denn die Kerngruppe wird von zwölf Freiwilligen unterstützt. Diese jungen Menschen stammen aus ganz Europa.

Es braucht zwei Quadratmeter Bodenfläche, vier Morgenessen und ein Mittagessen.

Diese Jugendlichen besuchen vor allem die Pfarreien und Kirchgemeinden im Einzugsgebiet der Stadt am Rheinknie. Dieses reicht über Laufenburg, Brugg, Zofingen, Aarau, Delsberg bis nach Mühlhausen in Frankreich und Zell im Wiesental in Deutschland. Die Orte müssen von Basel aus mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in 45 Minuten erreicht werden können.

Zwei Quadratmeter Bodenfläche

In den «Gastpfarreien» sucht die Taizé-Gemeinschaft nun genügend Unterbringungsmöglichkeiten für die Teilnehmer des Basler Treffens. «Um jemanden aufzunehmen, braucht es zwei Quadratmeter Bodenfläche, vier Morgenessen und ein Mittagessen», sagt Fabian Dinkel verschmitzt. Die Leute reisen mit Schlafsack und Schlafmatte an und sind sich eine einfache Unterbringung gewohnt. Gastfamilien sollen wenn möglich mindestens zwei Personen aufnehmen.

Sowohl katholische wie reformierte Kirchgemeinden können als Gastgeberinnen auftreten. Gemäss Bruder Richard sind es aber meistens ökumenische Initiativen, die für die Unterbringung der Gäste sorgen. Auch verschiedene andere christliche Gemeinschaften bemühen sich um Unterkünfte.

Wir bemühen uns, Teams in den Gemeinden aus Menschen zu bilden, die anpacken wollen.

Zu den Einladenden gehören denn auch orthodoxe Kirchen und die Evangelische Allianz, die  Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (AGCK) oder Freikirchen wie etwa eine brasilianische Baptisten-Gemeinde. «Uns ist es wichtig, dass alle christlichen Kirchen, auch Freikirchen und Migrationskirchen nach Wunsch teilnehmen können», sagt Bruder Richard. Die Idee «Taizé» beinhalte, dass alle Christen gemeinsam eine Plattform finden. Andere Religionen wie die Sikhs, Juden oder Muslime können durchaus an Workshops teilnehmen, die während des Treffens Ende Jahr jeweils nachmittags in Basel stattfinden.

Basler Vielfalt der Religionen

Basel biete aufgrund der zugezogenen Menschen eine enorme Spannweite an Religionsgemeinschaften, sagt Bruder Richard. Eine derartige Vielfalt an Religionen habe «Taizé» bisher erst 2011 in Berlin angetroffen. «Es ist gut, dass Christen nicht einfach untereinander bleiben, sondern auch zu Angehörigen anderer Religionen gehen», sagt Bruder Richard. «Das bewegt mich sehr.»

Vorerst geht es aber noch darum, die Teilnehmenden unterzubringen. Die verschiedenen Orte in der weiteren Umgebung von Basel nehmen bis zu 250 junge Menschen für die Dauer des Treffens auf. «Wir sind jetzt daran, diese Gemeinden und Gemeinschaften kennenzulernen. Wir bemühen uns, Teams in den Gemeinden zu bilden, die im Idealfall nicht aus Hauptamtlichen bestehen, sondern aus Menschen, die anpacken wollen», sagt Fabien Dinkel. Die Zusammenarbeit mit den Pfarrern oder Gemeindeleitenden wird angestrebt. Diese sollen aber nicht die Hauptlast der Verantwortung tragen, denn sie hätten schon genug zu tun. Das Taizé-Treffen wolle man ihnen nicht auch noch aufbürden.

Administrieren, beten, begleiten und reden

Das Organisationsteam, das nun bereits mehrere Wochen im Einsatz ist, wird von den Taizé-Brüdern eng begleitet. Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Gebet kurz vor neun Uhr in der Hauskappelle in Kleinbasel. «Das ist etwas spät, aber die freiwilligen Helferinnen und Helfer müssen oft am Abend Veranstaltungen in den Gemeinden besuchen und kommen dann spät zurück», sagt Bruder Richard. Der restliche Morgen ist für die administrativen Arbeiten bestimmt. Nach dem Mittagsgebet in der nahen Matthäus-Kirche bereitet man sich auf den abendlichen Besuch von Gastgemeinden vor.

Die Begegnung steht im Vordergrund. So entstehen viele Kontakte. Das ist ebenso wichtig wie das Treffen selber.

Der Montagabend ist für ein gemeinsamen Gebet in der Marienkirche unweit vom Bahnhof reserviert. Zu diesem Gebet sind auch Vertreter und Vertreterinnen der Gastgemeinden eingeladen. Danach trifft man sich im Pfarreisaal. «Uns ist es wichtig, dass diese Treffen nicht einfach stattfinden, um sich zu organisieren. Die Begegnung steht im Vordergrund. So entstehen viele Kontakte. Das ist ebenso wichtig wie das Treffen selber», betont Bruder Richard.

Platz für Kurzentschlossene

Ein grosser Teil der Vorbereitungen wird nicht in Basel geleistet. Die Gemeinschaft im burgundischen Taizé sorgt dafür, dass die Wegleitungen, welche in Basel an die Teilnehmenden abgegeben werden, in rund zwanzig Sprache übersetzt werden. «Die Sprache war noch nie ein Problem», erklärt Bruder Richard. Man verständigt sich in den Gastfamilien notfalls mit Zeichen. Über die notwendigen Englisch-Kenntnisse für einfache Gespräche verfügten heute die meisten Leute.

Eingeladen zu einem Besuch des Basler Treffens sind auch Interessierte aus der Schweiz, die nicht im Einzugsgebiet der Stadt Basel wohnen und zwar nicht als Helfer, sondern als Teilnehmer. Die Teilnahme ist möglich, auch wenn man nur einen Tag lang mit dabei sein möchte. Diese Anmeldung erfolgt nicht über die Internetseite zum Basler Anlass, sondern über den Internetseite von Taizé in Frankreich. Man kann sich am Jahresende aber auch beim Empfangszentrum in Basel melden und dort eine Tageskarte erhalten.

Interessierte Helfer können sich direkt in der eigenen Kirchgemeinde melden. So werden etwa für den Empfang der Gäste am 28. Dezember oder für die Vorbereitung der Morgengebete in den Ortschaften Helfer gesucht.

Infos zum Basler-Treffen

Anmeldung zum Basler-Treffen

 

Europäisches Taizé-Treffen in Basel ist eine grosse Chance für Kirche Schweiz

Bruder Richard | © Georges Scherrer
Bruder Richard | © Georges Scherrer
Fabian Dinkel | © Georges Scherrer
Fabian Dinkel | © Georges Scherrer
Modell der Stadt Basel am Rhein | © Georges Scherrer
Modell der Stadt Basel am Rhein | © Georges Scherrer

Teures Schweizer Pflaster

Ein wichtiger Faktor bei dem Treffen sind auch die Kosten. Die Taizé-Gemeinschaft geht jeweils davon aus, dass das Treffen von den Teilnehmenden mitfinanziert wird. Die Preise für die Teilnahme wird der Situation in den Herkunftsländern angepasst. «In der Schweiz haben wir das Problem, dass alles viel teurer ist als in anderen Ländern», hält Bruder Richard fest. Die Teilnehmenden sollen aber nicht mehr als üblich zahlen.

Der Schweizer Koordinator Fabian Dinkel ist bei der schweizerischen Lotteriegesellschaft «Swisslos» fündig geworden, die relativ grosse Beiträge gesprochen habe. Verschiedene Stiftungen und Kirchgemeinden, die zum Teil nicht aus der Region sind, aber helfen wollen, haben zudem ihre Unterstützung angesagt.

Die Basler Organisatoren wollen kein «Sponsoring» aus der Privatwirtschaft. Die Kantonalkirchen in der Region tragen insofern finanziell zum Treffen bei, als sie die benützten Räume und die Arbeitsstunden der Seelsorgenden und Sigriste gratis zur Verfügung stellen. «Und das bildet eine grosse Entlastung für das Budget», präzisiert Dinkel. (gs)

 

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