Bischof Beat Grögli an der Nationalen Konferenz «Seelsorge im Gesundheitswesen»
Schweiz

Bischof Grögli zur Spitalseelsorge: «Die Kirche wird dabei sein – so oder anders»

Verhandlungen mit Spitälern, Spardruck, weniger Personal. Die Spitalseelsorge ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert. An der Nationalen Konferenz «Seelsorge im Gesundheitswesen» zeigt sich Bischof Beat Grögli dennoch zuversichtlich, dass die Kirche weiterhin in diesem Gebiet aktiv ist.

Barbara Ludwig

In Luzern hat am Freitag die zweite nationale Konferenz für Seelsorge im Gesundheitswesen stattgefunden. Sie war dem Thema Qualität in der Spitalseelsorge gewidmet, mit einem besonderen Fokus auf die Aus- und Weiterbildung. Mit dabei war auch der St. Galler Bischof Beat Grögli, der innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz für das Ressort Pastoral zuständig ist.

Nationalen Konferenz «Seelsorge im Gesundheitswesen» am 30. Oktober 2026 in Luzern
Nationalen Konferenz «Seelsorge im Gesundheitswesen» am 30. Oktober 2026 in Luzern

Er habe auch einen persönlichen Bezug zum Spital, bekannte Grögli, der das Eingangsreferat hielt. Seine Mutter sei Krankenschwester gewesen, sein Vater Krankenpfleger – «dä Toni vom OP». Unregelmässige Arbeitszeiten und Piquet-Dienste, die Konflikte in der Spital-Familie eines überschaubaren Regionalspitals. «Das alles gehörte zu den Erfahrungen meiner Kindheit und Jugendzeit.»

Lernen von den Seelsorgenden im Spital

Von den Seelsorgerinnen und Seelsorgern im Gesundheitswesen könne die Kirche viel lernen, sagte der Bischof vor rund 70 Delegierten der evangelisch-reformierten Landeskirchen, der katholischen Körperschaften und der Schweizer Bistümer. Und zwar im Umgang mit den Menschen und ihren sehr unterschiedlichen spirituellen Bedürfnissen; in den Fragen «nach dem, was trägt und Hoffnung gibt, was tröstet und stärkt»; in der Zusammenarbeit mit anderen Berufen und «in einem System, das nicht wir gestalten, sondern in das wir gestellt sind».

Am Krankenbett: Ein Spitalseelsorger spricht mit einer Patientin.
Am Krankenbett: Ein Spitalseelsorger spricht mit einer Patientin.

Grögli ermutigte die Anwesenden, ihre Erfahrungen in der Spitalseelsorge auch in die Kirche einzubringen. Anschliessend umriss er anhand einiger Stichworte das Umfeld, in dem sich Spitalseelsorge heute bewegt, aktuelle Entwicklungen, tippte Fragen an, die die Spitalseelsorge umtreiben.

«Finanzielle Verteilkämpfe» und «Pensionierungswellen»

Er schaue auf «die finanziellen Verteilkämpfe» und den Spardruck in den Kirchen und bei den Kantonen, auf die «Pensionierungswellen bei den Seelsorgerinnen und Seelsorgern», auf die kleine Zahl jener, die nachkommen, so Grögli. «Ich schaue auf die Diskussionen um Seelsorger und/oder Spiritual Care, um Ausbildungen und Berufsbilder.»

Allerdings frage er sich nicht, wie lange die Kirche angesichts der Herausforderungen noch dabei sei. Die Kirche werde dabei sein – so oder anders, betonte der St. Galler Bischof. Und nannte auch den Grund seines Optimismus: «Wir werden dabei sein, weil wir eine dienende Kirche sind, weil wir eine Kirche sein wollen, die dient – den Menschen, der Gesellschaft, dem Evangelium.» Die Sorge um die Kranken gehöre für die Kirche dazu ebenso wie das sich Einbringen in die ethischen Fragen.

Claudia Kohli, Geschäftsleiterin des Kompetenzzentrums für Seelsorge im Gesundheitswesen
Claudia Kohli, Geschäftsleiterin des Kompetenzzentrums für Seelsorge im Gesundheitswesen

Kirchliche Mitverantwortung für Spitalseelsorge

Auch Claudia Kohli, Geschäftsleiterin des Kompetenzzentrums für Seelsorge im Gesundheitswesen (KSIG), hatte die Mitverantwortung der Kirchen im Feld der Spitalseelsorge in ihrer Begrüssung erwähnt. Denn sie finanzieren Stellen, sind häufig Anstellungsbehörden, verantworten die Beauftragung und sind zentrale Ansprechpartnerinnen für Politik und Gesundheitsinstitutionen.

Organisiert hatte die Tagung das KSIG. Dieses wird getragen von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, der Schweizer Bischofskonferenz und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz.

Spitalseelsorge mit Stand an Luzerner Messe

Am Donnerstag und Freitag findet in Luzern eine Fachmesse zum Thema Abschied statt. Es geht um Vorsorge, Palliative Care, Bestattung und Trauer. Laut Messe-Programm stellen mehr als 80 Aussteller ihr Angebot vor. Auch die kirchliche Spitalseelsorge informiert dort an einem kleinen Stand interessierte Besucherinnen und Besucher der Messe

Dafür gesorgt hat der Steuerungsausschuss des Kompetenzzentrums für Spitalseelsorge im Gesundheitswesen (KSIG), wie Sabine Stalder, Generalsekretärin der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ), gegenüber kath.ch sagt. «Der Steuerungsausschuss hat entschieden, dass die beiden Kirchen an dieser Messe, an der es um das Lebensende geht, präsent sind.»

Anik Sienkiewicz (2.v.l.) am Stand der Spitalseelsorge an der Fachmesse "Abschied" in Luzern, am 30. Oktober 2026
Anik Sienkiewicz (2.v.l.) am Stand der Spitalseelsorge an der Fachmesse "Abschied" in Luzern, am 30. Oktober 2026

Den Stand betreuen das KSIG und Vox Ethica, die Dienststelle der katholischen Kirche für Ethik, gemeinsam. Das Interesse sei gross, sagt Anik Sienkiewicz, wissenschaftliche Mitarbeiterin von Vox Ethica. «Wir sind den ganzen Tag mit Besucherinnen und Besucher der Messe im Gespräch.» Das Logo «Wenn das Leben brüchig wird» spreche die Leute an, meint Sienkiewicz. Ebenso das Video, in dem fünf Seelsorgende über ihren Arbeitsalltag im Spital, im Pflegeheim und in der Psychiatrie berichten.

Auf der Theke liegt auch ein Gästebuch. Messebesucherinnen und -besucher könnten darin festhalten, was sie sich aus der Perspektive der Patientin bzw. des Patienten von der Spitalseelsorge wünschen, sagt Sienkiewicz. Die Leute hätten viele Fragen gestellt, etwa, inwiefern die Spitalseelsorge mit Religion und Kirche verbunden sei. (bal)

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Bischof Beat Grögli an der Nationalen Konferenz «Seelsorge im Gesundheitswesen» | © Barbara Ludwig
30. Oktober 2026 | 17:15
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