Verhandlungen mit Spitälern, Spardruck, weniger Personal. Die Spitalseelsorge ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert. An der Nationalen Konferenz «Seelsorge im Gesundheitswesen» zeigt sich Bischof Beat Grögli dennoch zuversichtlich, dass die Kirche weiterhin in diesem Gebiet aktiv ist.
Barbara Ludwig
In Luzern hat am Freitag die zweite nationale Konferenz für Seelsorge im Gesundheitswesen stattgefunden. Sie war dem Thema Qualität in der Spitalseelsorge gewidmet, mit einem besonderen Fokus auf die Aus- und Weiterbildung. Mit dabei war auch der St. Galler Bischof Beat Grögli, der innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz für das Ressort Pastoral zuständig ist.
Er habe auch einen persönlichen Bezug zum Spital, bekannte Grögli, der das Eingangsreferat hielt. Seine Mutter sei Krankenschwester gewesen, sein Vater Krankenpfleger – «dä Toni vom OP». Unregelmässige Arbeitszeiten und Piquet-Dienste, die Konflikte in der Spital-Familie eines überschaubaren Regionalspitals. «Das alles gehörte zu den Erfahrungen meiner Kindheit und Jugendzeit.»
Von den Seelsorgerinnen und Seelsorgern im Gesundheitswesen könne die Kirche viel lernen, sagte der Bischof vor rund 70 Delegierten der evangelisch-reformierten Landeskirchen, der katholischen Körperschaften und der Schweizer Bistümer. Und zwar im Umgang mit den Menschen und ihren sehr unterschiedlichen spirituellen Bedürfnissen; in den Fragen «nach dem, was trägt und Hoffnung gibt, was tröstet und stärkt»; in der Zusammenarbeit mit anderen Berufen und «in einem System, das nicht wir gestalten, sondern in das wir gestellt sind».
Grögli ermutigte die Anwesenden, ihre Erfahrungen in der Spitalseelsorge auch in die Kirche einzubringen. Anschliessend umriss er anhand einiger Stichworte das Umfeld, in dem sich Spitalseelsorge heute bewegt, aktuelle Entwicklungen, tippte Fragen an, die die Spitalseelsorge umtreiben.
Er schaue auf «die finanziellen Verteilkämpfe» und den Spardruck in den Kirchen und bei den Kantonen, auf die «Pensionierungswellen bei den Seelsorgerinnen und Seelsorgern», auf die kleine Zahl jener, die nachkommen, so Grögli. «Ich schaue auf die Diskussionen um Seelsorger und/oder Spiritual Care, um Ausbildungen und Berufsbilder.»
Allerdings frage er sich nicht, wie lange die Kirche angesichts der Herausforderungen noch dabei sei. Die Kirche werde dabei sein – so oder anders, betonte der St. Galler Bischof. Und nannte auch den Grund seines Optimismus: «Wir werden dabei sein, weil wir eine dienende Kirche sind, weil wir eine Kirche sein wollen, die dient – den Menschen, der Gesellschaft, dem Evangelium.» Die Sorge um die Kranken gehöre für die Kirche dazu ebenso wie das sich Einbringen in die ethischen Fragen.
Auch Claudia Kohli, Geschäftsleiterin des Kompetenzzentrums für Seelsorge im Gesundheitswesen (KSIG), hatte die Mitverantwortung der Kirchen im Feld der Spitalseelsorge in ihrer Begrüssung erwähnt. Denn sie finanzieren Stellen, sind häufig Anstellungsbehörden, verantworten die Beauftragung und sind zentrale Ansprechpartnerinnen für Politik und Gesundheitsinstitutionen.
Organisiert hatte die Tagung das KSIG. Dieses wird getragen von der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, der Schweizer Bischofskonferenz und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz.
Kirche Schweiz – katholisch, aktuell, relevant