Benediktinerinnen des Klosters St. Gallenberg sind in ihr neues Zuhause umgezogen
Seit November letzten Jahres ist es bekannt: Die fünf Benediktinerinnen aus dem Kloster St. Gallenberg, Glattburg in Oberbüren, werden zu ihren benediktinischen Mitschwestern ins Kloster St. Lazarus in Seedorf im Kanton Uri umziehen. Der Umzug ist nun jüngst über die Bühne gegangen.
Wolfgang Holz
«Abschied tut weh und gleichzeitig freuen wir uns auf den Neustart in Seedorf», sagte Äbtissin M. Ancilla Zahner nach dem vollzogenen Umzug. Zuvor hatte Sankt Gallens Bischof Beat Grögli beim Abschiedsgottesdienst Ende Juni noch den gemeinsamen Weg der Schwestern gewürdigt: «Jede von euch ist auf diesem gemeinsamen Weg auch ihren ganz persönlichen Weg gegangen. Jede von euch hatte und hat in diesem gemeinsamen Suchen und Ringen auch um ihren eigenen Weg gerungen.»
Ausgeräumt und aussortiert
In den vergangenen Wochen wurde im Kloster Glattbrugg nun geräumt, aussortiert und organisiert. Gleichzeitig traf man zahlreiche Absprachen mit dem Kloster Seedorf, wie es in einem Communiqué des Bistums St. Gallen heisst. Sprich: Es wurden Arbeitsräume vorbereitet und die zukünftigen Zimmer der Schwestern aufgefrischt.
«Wir möchten, dass sich die neuen Schwestern von Anfang an wohlfühlen», sagte Schwester M. Imelda Zehnder, Äbtissin im Kloster St. Lazarus. «Da fühlt man sich gleich daheim», meinte Äbtissin M. Ancilla Zahner. Mitte Juli ist es dann für sie und ihre Mitschwestern so weit gewesen: Der gemeinsame Umzug ging über die Bühne. Auch die Katze Onyx ist mitgekommen. Ebenso ist die Hostienbäckerei mit nach Seedorf umgezogen. Die bisherigen Kundinnen und Kunden sollen von dort aus weiterhin beliefert werden.
Gemeinsamer Aufbruch
Die Schwestern verstehen den Umzug nicht in erster Linie als Abschied, sondern vor allem als gemeinsamen Aufbruch. Begleitet wird der Zusammenführungsprozess mit den Schwestern in St. Lazarus von Pater Guido Muff, der ein Einführungskonzept für das Zusammenleben der beiden Gemeinschaften entwickelt hat. Dieses wurde gemeinsam besprochen und soll den Übergang für alle Beteiligten erleichtern.
Was künftig mit den Gebäuden und dem Land des Klosters St. Gallenberg geschieht, ist derzeit noch ungeklärt. Interessierte, die sich eine zukünftige Nutzung vorstellen können, können sich mit konkreten Konzepten ans Bistum St. Gallen wenden (kanzlei@bistum-stgallen.ch; Vermerk: Kloster St. Gallenberg).
Klosterkirche geschlossen
Die Klosterkirche ist seit dem Abschiedsgottesdienst für die Öffentlichkeit geschlossen. Sie wird künftig für Gottesdienste oder besondere kulturelle Veranstaltungen auf Anfrage geöffnet. Bischof Beat Grögli hat Generalvikar Sebastian Wetter zum Kirchenrektor der Klosterkirche ernannt.
*Wer Erinnerungsstücke oder andere Raritäten aus dem Kloster erwerben möchte, hat dazu am Samstag, 12. September, von ab 8.30 bis 16 Uhr auf der Glattburg dazu Gelegenheit. Beim Klostermarkt werden unter anderem Möbel aus den Schwesternzellen, Geschirr, Küchenutensilien – teilweise antik – Inventar aus der Schneiderei, dem Krankenzimmer, der Küche und der Backstube sowie zahlreiche weitere Gegenstände verkauft. Eine Festwirtschaft mit Grill und Getränken lädt zum Verweilen ein.
Die Gemeinschaft der Benediktinerinnen, die heute auf der Glattburg leben, wurde 1754 mit dem Zweck der «Ewigen Anbetung des Altarsakramente»s vom St. Galler Weltpriester Josef Helg in Libingen gegründet. Ab 1760 hatte der Fürstabt des Klosters St. Gallen, Cölestin Gugger, ein fürsorgliches Auge auf die Gemeinschaft und prägte diese benediktinisch. Unter dem nachfolgenden Abt Beda Angehrn erfolgte 1781 der Umzug der Schwestern aus dem Toggenburg in das äbtische Schloss Glattburg bei Oberbüren. Nach den Kriegs- und Revolutionsjahren im ausgehenden 18. Jahrhundert führten die Schwestern bis 1968 eine Arbeits- und Hauswirtschaftsschule für Mädchen der umliegenden Gemeinden. Die kontemplativ lebenden Schwestern pflegen bis heute, mit Hilfe vieler Gläubiger, die Anbetung, öffnen ihre Türen regelmässig, um Erstkommunikanten mittels Hostienbackvorführungen auch Klostereindrücke zu vermitteln und führen ein kleines Chlosterlädeli. Mit dem Umzug ins Kloster St. Lazarus in Seedorf setzt die Gemeinschaft ihren Weg fort: verwurzelt in der benediktinischen Tradition und zugleich offen für die Zukunft. Das Kloster St. Lazarus in Seedorf wurde im 12. Jahrhundert als Kloster des Lazariterordens erbaut, der sich Pilgern und Aussätzigen annahm; nachdem das Lazaritenkloster um 1526 infolge der Pest ausstarb, wurde das Kloster 1559 mit Benediktinerinnen aus dem Konvent Santa Maria bei Claro (TI) wieder belebt. Die Gemeinschaft betet und arbeitet seither ununterbrochen nach der Regel des heiligen Benedikt von Nurisa, so dass das Kloster ein wichtiger religiöser Ort im Kanton Uri darstellt, dem direkte Kontakte zur Bevölkerung wichtig sind. (woz)Zur Geschichte
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