Das Haus der Schwestern von Saint-Joseph de Cluny in Freiburg.
Schweiz

Die St. Josefsschwestern von Cluny verlassen Freiburg

Die Kongregation der Schwestern von Saint-Joseph de Cluny ist seit 1912 in Freiburg präsent. In ihrem früheren Mädchenpensionat unterrichteten die Schwestern viele Deutschschweizerinnen. Nun geht nach über 100 Jahren eine Ära zu Ende. Die drei letzten Schwestern, die zwischen 80 und 86 Jahre alt sind, ziehen Mitte September nach Frankreich.

(cath.ch) Die Kongregation der Schwestern von Saint-Joseph de Cluny engagiert sich in der Bildung und im Gesundheitswesen. Gegründet wurde sie 1807 in Frankreich von Anne-Marie Javouhey (1779-1851). Dort hat die weltweit tätige Ordensgemeinschaft ihren Sitz.

Die ersten Schwestern St. Josefsschwestern von Cluny kamen 1912 nach Freiburg und arbeiteten zunächst als Krankenschwestern in einer Klinik, bevor sie ein Wohnheim für Studentinnen gründeten. Anschliessend erlebte die Gemeinschaft einen Aufschwung in der Stadt an der Saane und eröffnet ein Mädchenpensionat.

Mehr als 3000 Schülerinnen unterrichtet

Zwischen 1931 und 1990 besuchen mehr als 3000 Schülerinnen, überwiegend Deutschschweizerinnen, diese Einrichtung. Die Ordensschwestern unterrichteten sie in Sprachen, Hauswirtschaft, Buchhaltung und Maschinenschreiben. Zwischen 1980 und 1990 ging die Zahl der Schülerinnen jedoch zurück, und das Pensionat musste seine Türen schliessen.

2007 gehörten der Gemeinschaft in Freiburg noch zwölf Ordensfrauen an, der Altersdurchschnitt betrug aber bereits damals 76 Jahre. Heute sind es noch drei Schwestern im Alter von 80, 83 und 86 Jahren, wie das Westschweizer Fernsehen RTS am Samstag berichtete.

«Die jungen Menschen von heute wollen diese Art von Leben nicht mehr.»

Schwester Dominique ist die derzeitige Oberin der kleinen Gemeinschaft und lebt seit 1968 in Freiburg. «Es gibt keine jungen Menschen mehr, die wie wir in den Orden eintreten», sagte die 80-Jährige gegenüber RTS. «Die jungen Menschen von heute wollen diese Art von Leben nicht mehr. In einer solchen Gemeinschaft hat man nicht genug Freiheit.»

Die Kongregation hat daher beschlossen, die Stadt am 15. September zu verlassen und die drei noch in Freiburg lebenden Ordensschwestern in verschiedenen Heimen für betagte Ordensschwestern in Frankreich unterzubringen. Ein schwieriger Wendepunkt für die drei Frauen, die einen Grossteil ihres Lebens in Freiburg verbracht haben.

Schmerzhafter Schritt für die Ordensfrauen

Es sei «ziemlich schwer», wegzugehen, sagte Schwester Dominique in der Radiosendung. «Das ist mein Zuhause, ich habe hier 52 Jahre lang gelebt, kenne jeden Winkel. Ich denke, jeder versteht, dass man ein Leben, wie man es gelebt hat, nicht ohne ein wenig Schmerz hinter sich lassen kann.»

Was die Zukunft des Gebäudes angeht, so dürfte es im Besitz der Kirche bleiben. Das Bistum Lausanne, Genf und Freiburg hat es 2017 zurückgekauft. Seither befindet sich darin die Kinderkrippe der Universität. (Aus dem Französischen übersetzt und adaptiert von bal)

Anzeige ↓ Anzeige ↑

Das Haus der Schwestern von Saint-Joseph de Cluny in Freiburg. | © Screenshot/google maps
1. September 2025 | 15:00
Lesezeit : ca. 2  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!