Statue von Niklaus von Flüe | © bruderklaus.com
Schweiz
Statue von Niklaus von Flüe | © bruderklaus.com

Auch SP und Grüne können mit Bruder Klaus etwas anfangen

Bern, 25.1.17 (kath.ch) SVP- und CVP-Kreise reissen sich um Niklaus von Flüe (1417-1487), indem sie eigene Gedenkanlässe zu dessen 600. Geburtstag organisieren. Von anderen Parteien hörte man bislang nichts Derartiges. SP und Grüne schätzen jedoch die Friedensbotschaft von Bruder Klaus. Für «fragwürdig» halten es die Grünen, wenn Parteien eigene Grossanlässe durchführen, wie alt Nationalrat Josef Lang gegenüber kath.ch sagte. Mit der Gedenk-Abstinenz des Bundes haben SP und Grüne keine Mühe.

Barbara Ludwig

In der ersten Januarwoche wurde bekannt, dass Christoph Blocher an einer Gedenkveranstaltung für Niklaus von Flüe eines SVP-nahen Vereins auftritt. Wenige Tage später zog ein CVP-naher Verein nach und kündigte eine Rede von CVP-Parteipräsident Gerhard Pfister über Bruder Klaus an. Man wolle «die Interpretation des Heiligen nicht Christoph Blocher überlassen», hiess es. Andere Parteien möchten offenbar nicht mitmachen beim Seilziehen um den Schweizer Schutzpatron. Bislang wurden keine entsprechenden Anlässe publik.

SP-Mitglieder «berührt» von Botschaft des Einsiedlers

Eine Anfrage von kath.ch an verschiedene Parteien zeigt indes, dass Bruder Klaus zumindest für einige nicht ohne Bedeutung ist. Der Eremit aus dem 15. Jahrhundert sei eine «überragende Figur» der Schweizer Geschichte, teilte die SP Schweiz mit. Seine Botschaft, auf «schnöde Kriegsgewinne» für wenige zu verzichten, sei für die Partei nach wie vor aktuell. Dasselbe gelte auch für seine Friedensbotschaft. «Viele Menschen in der SP lassen sich durch die Botschaft von Bruder Klaus immer noch berühren», hält die Partei fest.

Für die Grünen sei Bruder Klaus kein Parteithema, stellt der grüne alt Nationalrat und Historiker Josef Lang klar. Aber es gebe Verantwortungsträger innerhalb der Partei, die sich stark mit ihm auseinandergesetzt hätten. Gleich drei grüne Politiker, darunter Josef Lang selber, sind als Autoren beziehungsweise Herausgeber am Gedenkband «Mystiker Mittler Mensch. 600 Jahre Niklaus von Flüe» beteiligt. Die grüne Partei verfolge das intellektuelle und praktische Engagement von Mitgliedern einer «humanistischen» Bruder Klaus-Interpretation mit Wohlwollen, teilte Lang mit.

Grüne aktualisieren Kritik am Söldnerwesen

Bei den Grünen schätzt man Bruder Klaus als «Symbol einer universellen Friedensidee». Der Einsiedler aus dem Ranft habe der Schweiz noch heute etwas zu sagen, findet die Öko-Partei. Dazu gehörten seine Botschaft für eine Welt, in der nicht der Profit dominiert, die Ablehnung von Gewalt als Mittel der Konfliktlösung und die Rücksicht auf Schwache, wie sie in der «Brunnenvision» von Bruder Klaus zum Ausdruck komme. Die Kritik des Eremiten am Söldnerwesen «heisst heute Kritik an den Waffenexporten», so Lang. Gleichzeitig distanzieren sich die Grünen von Bruder Klaus als «Symbol einer national beschränkten geistigen Landesverteidigung».

Keine Mühe mit Gedenk-Abstinenz des Bundes

Der von SVP-Politikern getragene Verein «Die Schweiz mit Bruder Klaus» und der CVP-nahe Verein «Politischer Aschermittwoch im Entlebuch» stossen sich daran, dass der Bund keine eigene Gedenkfeier organisiert. CVP-Parteipräsident Gerhard Pfister warf dem Bundesrat gar mangelndes Geschichtsbewusstsein vor.

SP und Grüne können mit der Abstinenz des Bundes gut leben. Es sei ein kluger Entscheid des Bundesrates gewesen, «sich nicht vor den Karren des bekannten Herrliberger Milliardärs spannen zu lassen», urteilt die SP Schweiz. Es sei leider früh absehbar gewesen, dass eine einzelne Partei versuche würde, Bruder Klaus für ihre eigenen parteipolitischen Zwecke zu instrumentalisieren und seine Versöhnungsbotschaft «in eine Botschaft der Abschottung und Ausgrenzung umformt».

Die Grünen verweisen auf eine Motion von Lang aus dem Jahre 2010, der dem Bundesrat vorschlug, den 300. Jahrestags der Schlacht von Villmergen (1712) und die Gründung der Helvetischen Gesellschaft feierlich zu begehen. Damals habe die ablehnende Antwort des Bundesrates den Kanton Aargau bewogen, selber eine Feier zu organisieren.

Parteien haben nichts zu suchen an Gedenkanlässen

Weder die SP noch die Grünen wurden bislang für die Teilnahme an nationalen Gedenkanlässen angefragt. Die Grünen sind diesbezüglich zurückhaltend. «Wenn es gilt, etwas Überparteiliches zu unterstützen, dessen Inhalte mit unseren solidarischen, ökologischen und pazifistischen Grundwerten übereinstimmen, werden wir nicht Nein sagen.» Aber man sei «nicht der Meinung, dass die Parteien als solche an Bruder Klaus-Aktivitäten etwas zu suchen haben». Dies sie Aufgabe von Einzelpersonen und überparteilichen Vereinigungen, so Josef Lang.

Seine Partei hält es für «fragwürdig», wenn Parteien wie die SVP und die CVP – neben der breiten und offenen «Mehr Ranft»-Kampagne – eigene Grossanlässe organisieren. Die Anlässe von SVP und CVP bezeichnete der Politiker als «nationalkonservative Gegenveranstaltungen». Der Gedenkband, für den auch Lang einen Beitrag verfasst hat, gehört zu den Kernprojekten des Trägervereins 600 Jahre Niklaus von Flüe 1417-2017. Dieser koordiniert die Durchführung des Jubiläums und betreibt die Webseite «mehr-ranft.ch».

Josef Lang | © Regula Pfeifer
Josef Lang | © Regula Pfeifer
CVP-Nationalrat Gerhard Pfister | © zVg
CVP-Nationalrat Gerhard Pfister | © zVg
Christoph Blocher | © Georges Scherrer
Christoph Blocher | © Georges Scherrer
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