Die Appenzeller Regierung will kein Geld mehr für Spitalseelsorge ausgeben.
Schweiz

Appenzell Ausserrhoder Regierung will Gelder für Spitalseelsorge streichen

Appenzell Ausserrhoden will bei der Spitalseelsorge sparen. Einen Kompromiss der Kirchen lehnte die Regierung ab. Sollte der Kantonsrat die Streichung der Gelder genehmigen, müssten sich die Kirchen «etwas einfallen lassen, wenn sie das Angebot der Spitalseelsorge erhalten wollen», sagt Clemens Wick vom Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden.  

Barbara Ludwig

In Appenzell Ausserrhoden wenden der Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden und die evangelisch-reformierte Landeskirche gemeinsam jährlich rund 311’000 Franken für die Spitalseelsorge auf. An diesen Kosten beteiligt sich der Kanton Appenzell Ausserrhoden mit rund 152’000 Franken, die je zur Hälfte an die beiden Kirchen gehen.

Damit soll künftig Schluss sein. Im Juni habe der Kanton angekündigt, dass der Beitrag für die Spitalseelsorge gestrichen werde, berichtete jüngst die «Appenzeller Zeitung». Der Kantonsbeitrag ist Teil des geplanten Entlastungsprogramms, über das der Kantonsrat am 1. Dezember berät.

Grössere Belastung für Kirche

Wenn das Parlament der Sparmassnahme zustimmt, müsste der Verband der römisch-katholischen Kirchgemeinden doppelt so viel wie bis anhin für die Spitalseelsorge aufwenden, sagt Clemens Wick auf Anfrage von kath.ch. Nämlich statt rund 75’000 Franken etwa 150’000 Franken jährlich. Wick präsidiert den Zentralrat des Verbandes der römisch-katholischen Kirchgemeinden.

«Die Spitalseelsorge würde künftig etwa einen Drittel der Gesamtausgaben des Verbandes ausmachen. Zurzeit ist es ein Sechstel», rechnet Wick vor. Die Gesamtausgaben betragen jährlich zwischen 400’000 und 450’000 Franken. Eine Streichung des kantonalen Beitrags hätte demnach grosse Auswirkungen.

Kirchen schlugen Kompromiss vor

Die beiden Kirchen hatten einen Kompromissvorschlag präsentiert, der den Kanton um jährlich 26’000 Franken entlastet hätte, schreibt die «Appenzeller Zeitung». Die beiden Kirchen wollten künftig für die Spitalseelsorge für die 60 Prozent der Bevölkerung, die Mitglied einer Landeskirche sind, finanzieren. Der Kanton wiederum hätte für die Personalkosten der übrigen 40 Prozent, also der Menschen ohne Kirchenzugehörigkeit, aufkommen sollen.

Am Krankenbett: Ein Spitalseelsorger spricht mit einer Patientin.
Am Krankenbett: Ein Spitalseelsorger spricht mit einer Patientin.

Man habe dem Kanton aufgezeigt, dass die Spitalseelsorge allen Menschen im Spital – unabhängig von ihrer Konfession – angeboten werde, wenn sie es wünschen, erklärt Wick. Sie sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es wäre deshalb «ungerecht und nicht logisch», wenn die Kirchenmitglieder die Spitalseelsorge für die gesamte Bevölkerung im Kanton finanzieren müssten, argumentiert Wick. Was bei einem Ja des Kantonsrats zur Streichung der Gelder der Fall wäre.

Tatsächlich verwenden die Kirchen Einnahmen aus der Kirchensteuer zur Finanzierung des Seelsorgeangebots im Spital in Herisau und in der Psychiatrischen Klinik, die sich ebenfalls in Herisau befindet. Dabei handelt es sich ausschliesslich um Steuern natürlicher Personen. Eine Kirchensteuer für Unternehmen gibt es nicht, wodurch den Kirchen hier weniger Geld zur Verfügung steht als andernorts.

Trennung von Kirche und Staat.

Die Regierung hatte jedoch kein Gehör für die Kirchen. Der Vorschlag sei ohne Begründung abgelehnt worden, heisst es im Bericht der «Appenzeller Zeitung». Gegenüber dem Medium sagte Regierungsrat Yves Nöel Balmer, Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales, man wolle die Beiträge für die Spitalseelsorge streichen, «weil wir es nicht vermögen und weil wir es aufgrund der Trennung von Kirche und Staat für vertretbar halten».

«Wir müssten uns etwas einfallen lassen.»

Wick sagt, die Ablehnung habe ihn «enttäuscht». Oft führten Sparmassnahmen nicht zu Einsparungen, sondern nur zu einer Verlagerung der Kosten. Bei einer Annahme der Sparmassnahme müssten die einzelnen Kirchgemeinden höhere Leistungen an den Verband bezahlen, um den Ausfall zu kompensieren. Das könnte schwierig werden, weil die Kirchgemeinden aufgrund der Austritte von Mitgliedern heute selbst finanziell unter Druck stehen.

Woher könnte das Geld sonst noch kommen? «Wenn wir keine Abstriche bei der Spitalseelsorge machen wollen – wovon ich ausgehe – müssten wir uns etwas einfallen lassen», sagt Wick.

Worte finden für «Unaussprechbares»

Iris Schmid ist als katholische Spitalseelsorgerin im Spital Herisau tätig. An drei halben Tagen pro Woche hat sie ein offenes Ohr für die Anliegen von Patientinnen und Patienten, für Mitarbeitende des Spitals und für Angehörige. «Jeden Vormittag führe ich zirka zehn seelsorgliche Gespräche», sagt sie gegenüber kath.ch. Auf ein ganzes Jahr hochgerechnet ergibt das über 1300 Gespräche.

Gemeinsam mit ihren katholischen und reformierten Kolleginnen und Kollegen ist Schmid zudem für das spirituelle Angebot im Spital zuständig. Dazu zählen Gedenkfeiern für Verstorbene, Weihnachtsfeiern und Meditationen.

Iris Schmid, Spitalseelsorgerin im Kanton Appenzell Ausserrhoden.
Iris Schmid, Spitalseelsorgerin im Kanton Appenzell Ausserrhoden.

«Als Spitalseelsorgende bringen wir Zeit mit für Gespräche, für das Anhören der Alltagssorgen, für das Besprechen und Verdauen schwieriger Diagnosen. Wenn wir Seelsorgende Worte finden für bisher Unaussprechbares, kann das befreiend sein für einen schwerkranken Menschen und dessen Angehörige», berichtet Schmid. Manche Patientinnen und Patienten seien dankbar dafür, dass man ihre Anliegen im Gebet aufnehme oder mit einem kirchlichen Ritual eine seelische Stärkung anbieten könne.

Zufriedeneres Personal

Es trügen eben nicht nur somatische und psychische Aspekte zur Heilung bei, sondern auch religiös-spirituelle Aspekte, sagt Iris Schmid mit Verweis auf die Weltgesundheitsorganisation WHO. Spitalseelsorge trage zudem zur Zufriedenheit des Personals bei, «weil Seelsorgende Zeit mitbringen, die die Pflegefachkräfte oftmals nicht mehr haben im System Spital». Schmid sorgt sich um die Zukunft des Angebots, falls der Kanton dessen Teilfinanzierung beendet.

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Die Appenzeller Regierung will kein Geld mehr für Spitalseelsorge ausgeben. | © Envato Elements
13. November 2025 | 17:00
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