Missbrauch | © European Parliament/Pietro Naj-Oleari

Bischofstreffen zu Missbrauch und Kinderschutz

Missbrauch | © European Parliament/Pietro Naj-Oleari

Vom 21. bis 24. Februar 2019 fand in Rom das weltweite Bischofstreffen zu Missbrauch und Kinderschutz statt. Papst Franziskus hat dazu die Präsidenten der Bischofskonferenzen aus aller Welt sowie Vertreter und Vertreterinnen von Ordensgemeinschaften nach Rom gerufen. In seiner Abschlussrede vom 24. Februar hat der Papst die Ergebnisse und Einsichten der Konferenz zusammengefasst. Aus der Schweiz ist Bischof Felix Gmür für das Kinderschutztreffen nach Rom gereist. Er hat im Interview mit kath.ch die Machtfrage gestellt. Der Anti-Missbrauchsgipfel hat weltweit ein grosses Medienecho erzeugt. In der katholischen Kirche wirkt das Bischofstreffen als starkes Signal.

Weiterführende Informationen erhalten Sie auf der offiziellen Webseite zum Bischofstreffen.

5 Fragen und Antworten zum Anti-Missbrauchsgipfel

1. Was hat der Vatikan bislang gegen sexuellen Missbrauch unternommen?

Seit 2001 hat die Römische Glaubenskongregation die kirchlichen Strafverfahren bei Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche an sich gezogen und die Verjährungsfristen verlängert. Die Normen wurden 2010 nochmals verschärft.

Seither greift das Kirchenrecht auch in vielen Fällen, die vor weltlichen Gerichten verjährt sind oder nicht als Straftaten gelten. Nach 2001 sind bei der Glaubenskongregation mehrere tausend Anzeigen zu Vorfällen aus den vergangenen 70 Jahren eingegangen.

 

2. Warum hat Papst Franziskus den Gipfel einberufen?

Auslöser waren Berichte über zahlreiche Missbrauchsfälle in den vergangenen Jahrzehnten, unter anderem in den USA, Chile und Deutschland. Papst Franziskus musste eigene Fehler beim Umgang mit Fällen in Chile einräumen. Zudem wurde ihm vorgeworfen, der Vatikan habe den langjährigen Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick (88) trotz zahlreicher sexueller Übergriffe gedeckt. Hinzu kamen Forderungen, die Ehelosigkeit der Priester zu lockern und die Sexualmoral der Kirche zu ändern.

 

3. Wer hat am Gipfel teilgenommen?

Unter den 190 Teilnehmern bilden die Vorsitzenden aller nationalen Bischofskonferenzen (einschliesslich der Leiter der mit der Römischen Kirche verbundenen Ostkirchen) mit rund 140 die grösste Gruppe.

Hinzu kommen 12 männliche und 10 weibliche Ordensobere. Ferner nehmen die Chefs von 14 Vatikanbehörden, die verbliebenen Mitglieder des Kardinalsrates sowie einige Kinderschutzexperten, Missbrauchsopfer und Referenten teil.

 

4. Wie ist das Treffen abgelaufen?

Anders als bei einer Synode wird es keine Schlussabstimmung über ein Dokument geben. Die Bischöfe und Oberen sollen vor allem zuhören und verstehen. Im Zentrum stehen die Themen Verantwortlichkeit und Transparenz. Missbrauchsopfer werden – auch per Videoaufzeichnung – von ihren Leiden berichten. An drei Tagen sprechen je drei Redner über die Themen «Verantwortung», «Rechenschaft» und «Transparenz».

Sechs der Referenten sind Erzbischöfe, drei sind Frauen. Als letzter Erzbischof spricht am Samstag der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Der Papst fasst, nach einem Bussgottesdienst am Samstag und einer Heiligen Messe am Sonntag, die Ergebnisse in einer Grundsatzrede zusammen.

 

5. Welche Konsequenzen hat der Gipfel?

Franziskus wird in der Woche danach mit den Organisatoren über die Konsequenzen beraten. Geplant sind kurzfristige wie auch mittel- und langfristige Schritte. Auswirkungen wird es voraussichtlich bei der Priesterausbildung und im kirchlichen Strafrecht geben.

Insbesondere soll kirchenrechtlich verbindlich festgelegt werden, wie künftig Bischöfe und Obere für Verbrechen oder das Vertuschen von Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden. Um darüber hinaus grundlegende Änderungen in der Moraltheologie oder bei der Zölibatsvorschrift zu beschliessen, wäre ein allgemeines Konzil notwendig. (kna)

Was tun die Bistümer gegen Missbrauch?

Wie informieren die Schweizer Bistümer über das Thema Missbrauch? Informationen über zuständige Fachgremien und Personen finden Sie auf den entsprechenden Bistumsseiten und bei der Bischofskonferenz.

Bistum Lausanne, Genf und Fribourg

Bistum Basel

Bistum Chur

Bistum St. Gallen

Bistum Sitten

Bistum Lugano

Die Schweizer Bischofskonferenz hat ein Fachgremium «Sexuelle Übergriffe im kirchlichen Umfeld» eingerichtet. Toni Brühlmann-Jecklin, Psychotherapeut SPV, ist Präsident des Fachgremiums und Ansprechperson auf schweizerischer Ebene. Brühlmann hat sich zum Strafregister-Auszug für Bewerberinnen und Bewerber im kirchlichen Dienst geäussert und strebt eine nationale Regelung an.

Erstmals haben sich die Schweizer Bischöfe im Juni 2010 öffentlich zur Mitschuld der Kirche am Leiden jener Menschen bekannt, die in der Vergangenheit im kirchlichen Umfeld sexuellen Übergriffen ausgesetzt gewesen sind. Diese Mitschuld bekräftigten die Bischöfe in einer gemeinsamen Messfeier im Dezember 2016. Die Richtlinien betreffend der Ausrichtung von Genugtuungsbeiträgen an Opfer von verjährten sexuellen Übergriffen im kirchlichen Umfeld können Sie hier einsehen.

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Fernsehsendungen zum Thema

SRF «Club» vom 04.09.2018 – Schweigen in der Soutane: Was tut die Kirche gegen Missbrauch?

Im SRF «Club» diskutieren:

Felix Gmür, Bischof von Basel
Michael Meier, Journalist für Religion und Kirche
Udo Rauchfleisch, emer. Prof. für klinische Psychologie, Psychoanalytiker
Andreas Santoni, Opfer von sexuellen Übergriffen
Monika Schmid, römisch-katholische Theologin
Martin Werlen, Benediktiner-Pater Kloster Einsiedeln


Anne Will 24.02.2019 – “Krisengipfel im Vatikan”


Maischberger 26.09.18 – “Missbrauch in der katholischen Kirche: Aufklären oder vertuschen?”

Prävention stärken – Film für Eltern
Missbrauchsstudie aus Deutschland

Für die katholische Kirche in Deutschland sind in den vergangen 70 Jahren 3.677 Opfer sexueller Übergriffe dokumentiert. Rund 1.670 Priester, Diakone und Ordensleute waren daran beteiligt. Das sind 4,4 Prozent aller Kleriker aus den fast 70 Jahren.

Die Erklärung der deutschen Bischöfe zur Missbrauch-Studie können Sie downloaden. 

 

 

 

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