«Asche to go» in Winterthur: Aschermittwochs-Aktion zieht viele Menschen an
An Aschermittwoch verteilten der Seelsorger Jan Bergauer und Pfarrer Stefan Staubli das Aschekreuz vor der Kirche St. Peter und Paul in Winterthur. Trotz schlechtem Wetter kamen etliche Menschen – auch viele junge.
Jacqueline Straub
«Es ist fantastisch, dass es die Möglichkeit gibt, ein Aschekreuz auf der Strasse zu erhalten», sagt Piotr Sobczynski. Er arbeitet für die interne Post der Stadt Winterthur und war heute Morgen schon bei der Arbeit. «Deswegen konnte ich nicht in den Gottesdienst», sagt der Weibel.
Auch Hans Dall’Omo war heute Morgen verhindert. «Ich hatte einen Kurs im Altersheim. Heute Abend auch wieder», sagt der 93-Jährige. Umso glücklicher ist er, dass die Altersheimseelsorgerin Silvia Di Lazzaro mit ihm hierher gefahren ist.
Zum ersten Mal bietet die Pfarrei St. Peter und Paul in Winterthur das «Asche to go» an. Die Idee dazu ist «keine Neuerfindung», wie Seelsorger Jan Bergauer gegenüber kath.ch sagt. In Bistum Essen ist es bereits etabliert. Am Essener Dom hat die Citypastoral eine sehr lebendige Kirchenkultur aufgebaut.
Aschenkreuz vor der Kirche
Diverse Angebote gehen dort aus der Kirche raus und zu den Menschen in den Alltag. Unter anderem auch das Aschenkreuz in der Fussgängerzone. «Ich dachte mir, was dort funktioniert, kann hier nicht so falsch sein. Deshalb habe ich die Idee ins Team eingebracht und wir haben beschlossen, dies auszuprobieren», so Jan Bergauer.
Die Kirche St. Peter und Paul in Winterthur bietet sich hierfür gut an, denn sie liegt an einer belebten Kreuzung mit einer rege genutzten Fussgängerzone. Sie ist nur wenige Minuten vom Bahnhof, dem Fussballstadion und diversen Einkaufsmöglichkeiten entfernt. Also alles gute Voraussetzungen für eine City-Kirche. «Das möchte ich nutzen», sagt der Seelsorger.
Zur «Geh-Hin-Kirche» werden
Das Team der Pfarrei St. Peter und Paul in Winterthur möchte zusätzlich zu den Angeboten innerhalb des Kirchengebäudes mit Engagement eine Pfarreikultur aufbauen, «die aktiv zu den Leuten hingeht und sie in ihrem Alltag, in ihren Sorgen, Wünschen und ihren Lebensrealitäten besucht und abholt», so der Seelsorger. Man wolle eine «Geh-Hin-Kirche» werden.
Und das schaffen sie an dem verschneit-verregneten Mittag: Menschen strömen zu den zwei Seelsorgern, empfangen ein Aschekreuz und haben bei einer Tasse Tee eine kurze Unterhaltung. «Das Setting ermöglicht Gespräche, die im klassischen Aschermittwochsgottesdienst nicht möglich sind», sagt Stefan Staubli, der nur wenige Minuten zuvor ein «sehr emotionales Gespräch» mit einer Frau führte.
Pfarrer Stefan Staubli und Jan Bergauer sind erstaunt, wie viele Menschen bereits gekommen sind. In der ersten Stunde waren es weit mehr als 30. «Auch einige junge Menschen, zwischen 18 und 25 Jahren waren dabei», sagt Jan Bergauer.
So kommen auch Micah Taguinod und seine 20-jährige Freundin zum Stand vor der Kirche. «Ich habe am Sonntag im Gottesdienst davon erfahren», sagt der 20-Jährige. Da er morgens einen Termin hatte und abends ein Fussball-Match haben wird, nutze er die Gelegenheit, über Mittag das Aschekreuz zu empfangen.
Karina Kreuzer ist Katechetin in Winterthur – gleich unterrichtet sie in der Schule Religion. Doch zuvor geht sie beim Stand der Pfarrei vorbei. «Ich werde nun mit den Kindern der 4. Klasse Aschermittwoch besprechen und dann mit den 14 Schülerinnen und Schülern vorbeikommen.»
Nächstes Jahr wieder
Im nächsten Jahr möchte Jan Bergauer die Aktion «Asche to go» wieder anbieten. «Erfahrungsgemäss benötigt es gut drei Jahre, bis zu sehen ist, ob ein neues Angebot oder Projekt Bestand hat oder nicht.» Aber schon jetzt kann er sagen: «Es kommt gut an.»
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