Ein Priester mit geballter Faust, Symbolbild für Missbrauch im Umfeld der Kirche
International

«Geistlicher Missbrauch»: Betroffene fordern Reformen vom Papst

Der Begriff «geistlicher Missbrauch» kursiert in der Kirche, insbesondere in religiösen Gemeinschaften, schon lange. Genau definiert ist er bis heute nicht. Warum Betroffene sich deshalb nun an Papst Leo XIV. wenden.

(KNA) Vor dem Papstbesuch in Frankreich Ende September haben über 200 Betroffene von geistlichem Missbrauch oder deren Verwandte von Leo XIV. Reformen gefordert. In einem Brief an das Kirchenoberhaupt, der dem französischen Portal «La Croix» vorliegt, kritisieren die Unterzeichner, dass es von Seiten der Kirche weiterhin keine klare Definition von geistlichem Missbrauch gebe und keine festgeschriebenen Massnahmen gegen religiösen Machtmissbrauch.

Gerade in geistlichen Gemeinschaften werde selbst nach dem Bekanntwerden und der anschliessenden Untersuchung von Machtmissbrauchsfällen noch zu oberflächlich reagiert, heisst es in dem Brief.

«Manche Gemeinschaften setzen ihre Aktivitäten selbst nach ihrer Auflösung auf fragwürdige Weise fort. Andere wehren sich gegen jede Form der Aufarbeitung und verweigern den Zugang zu ihren Lebensregeln, obwohl diese Bestimmungen enthalten, die ausdrücklich dem Kirchenrecht widersprechen. Wieder andere Gemeinschaften vermitteln nach aussen das Bild einer vorbildlichen, anziehenden und vertrauenerweckenden Frömmigkeit und verbreiten dieses gezielt in der Öffentlichkeit.»

Grundlage für andere Missbrauchsformen

Die Unterzeichner mahnen deshalb ein konsequentes Vorgehen an. Dazu zähle an erster Stelle eine Verankerung des Begriffs «geistlicher Missbrauch» in Theologie und Kirchenrecht. Dieser dürfe nicht hinter den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen angestellt werden. «Denn wir wissen, dass spiritueller Missbrauch häufig den Nährboden für andere Formen des Missbrauchs bildet und sexuelle Gewalt begünstigt.»

Zudem müssten unabhängige Anlaufstellen für die Betroffenen von geistlichem Missbrauch geschaffen werden, die deren Aussagen aufnehmen und die Kirchenleitung bei der Umsetzung von Massnahmen beraten. Zuletzt müssten auch Mitglieder und ehemalige Mitglieder von geistlichen Gemeinschaften, die Missstände aufdeckten, besonders geschützt werden.

Von Jesuiten bis Opus Dei

Unterzeichnet haben das Schreiben demnach 215 ehemalige Mitglieder von 37 Orden und geistlichen Gemeinschaften in Frankreich, darunter Jesuiten, Karmeliten, Opus Dei und Fokolarbewegung. Bis auf drei hätten alle Unterzeichner auf ihre Anonymität bestanden, aus Angst vor rechtlichen Schritten, die die Gemeinschaften gegen sie einlegen könnten.

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Papst Leo XIV. hält sich vom 25. bis 28. September zum Staatsbesuch in Frankreich auf. Im südfranzösischen Wallfahrtsort Lourdes ist laut französischen Medienberichten vom Wochenende auch ein Treffen mit Missbrauchsopfern geplant.

Ein Priester mit geballter Faust, Symbolbild für Missbrauch im Umfeld der Kirche | © Harald Oppitz/KNA
8. September 2026 | 16:00
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