Nackt-Bild einer Nonne in Prado-Gemäldeschau ausgestellt
Keine Frage: Der Prado in Madrid ist einer der bedeutendsten Kunsttempel der Welt. Derzeit ist dort eine ungewöhnliche Ausstellung zu sehen: Eine Schau über die meist unbekannten Rückseiten von Gemälden («Reversos»). Das Gemälde einer betenden Nonne entpuppt sich dabei als unerwartete Überraschung.
Wolfgang Holz
Der Kurator der Ausstellung*, Miguel Ángel Blanco, hat 105 Werke aus dem Prado-Museum und 29 internationalen Museen und Sammlungen zusammengebracht. Er hat sie in zwei schwarz gestrichenen Räumen installiert, um eine Atmosphäre des Mysteriums und der Entdeckung zu schaffen.
Einige der Kunstwerke im Prado sind von beiden Seiten zu sehen. Andere hat der Kurator auf den Kopf stellen lassen, um die Botschaften, Siegel und Skizzen auf ihrer Rückseite besser zur Geltung zu bringen, die anders mit blossem Auge nicht zu sehen sind. Das Drehen der Gemälde soll es den Besuchern ermöglichen, sie als Objekte und nicht nur als Bilder zu geniessen und zu verstehen.
«Kniende Nonne» anno 1731
Das überraschendste Werk der Ausstellung ist zweifellos Martin van Meytens› «Kniende Nonne», gemalt um 1731. Die Vorderseite des Gemäldes zeigt eine Klosterfrau im Gebet, die von einer älteren Ordensschwester bewacht wird. Das «Reverso» des Gemäldes setzt die Nonne nackt in Pose, indem es ihr entblösstes Gesäss zeigt.
«Es ist ein hervorragendes Beispiel für ein halb verstecktes pornografisches Bild auf der Rückseite, das dem schwedischen Botschafter in Paris gehörte, der es versteckt hielt und nur besonderen Gästen zeigte», wird der Kurator von koha.net zitiert.
«Frivoler Bildteil»
Die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtete prominent im Feuilleton im Artikel «Die B-Seiten der Bilder» über die Nackt-Szene der Nonne: «Auf der Vorderseite betet eine züchtig gekleidete Nonne unter den strengen Augen einer älteren Klosterschwester: die Rückseite zeigt ihr nacktes Hinterteil», schreibt Hans-Christian Rössler. Ein Spiegel enthülle in der Ausstellung den «frivolen Teil» des Bildes. Auch die «Bild-Zeitung» zeigte wegen des Nonnen-Gemäldes grosses Interesse an der Ausstellung im Prado.
Der Künstler, Martin van Meytens, ist holländischen Ursprungs und wurde 1695 in Stockholm geboren. Er unternahm ab 1714 zahlreiche Studienreisen, um 1731 endgültig in Wien sesshaft zu werden. Er malte zumeist Porträts von Adeligen.
Wechselte für 60’000 Euro den Besitzer
Sein Nonnen-Bild, das 2006 über eine Auktion für rund 60’000 Euro in den Bestand des Nationalmuseums Stockholm wechselte, befand sich einst in der Kollektion des Grafen Carl Gustav von Tessin. Das Bild sei in einem kleinen Raum innerhalb seines Schlafzimmers gehangen.
*Die Ausstellung «Reversos» («Auf der Rückseite») ist im Prado in Madrid noch bis zum 3. März zu sehen.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




