Die drei Schwestern des Klosters Collombey mit Studierenden.
Schweiz

Zusammen mit den Klosterfrauen essen und schweigen – «ein magischer Moment»

Vier Tage lang büffeln und gleichzeitig Klosterluft schnuppern. Das können Studierende seit letztem Jahr im Kloster Collombey im Wallis. Organisiert werden die Aufenthalte von der Walliser Hochschulseelsorge. Alyssia Rossire (21) hat es gefallen – die künftige Sozialarbeiterin war schon drei Mal dabei.

Barbara Ludwig

Alyssia Rossire kommt aus Clarens VD am Genfersee und studiert Soziale Arbeit in Siders VS. Die 21-Jährige hat schon drei Aufenthalte im Bernhardinerinnenkloster in Collombey-Muraz VS erlebt, zuletzt vor einigen Wochen im Juni. Sie hat sich dafür entschieden, auch auf dem Klostergelände zu übernachten, davon zwei Mal im Gästehaus.

«Das dritte Mal hatte es nicht genügend Zimmer im Gästehaus. Also nahm ich all meinen Mut zusammen und übernachtete in einer der Zellen im Klostergebäude, wo auch die Ordensfrauen schlafen», sagt die junge Frau zu kath.ch. Sie habe zunächst etwas Angst davor gehabt, doch das habe sich nach der ersten Nacht gelegt.

Alyssia Rossire hat drei Mal an einem Studienaufenthalt im Kloster Collombey teilgenommen.
Alyssia Rossire hat drei Mal an einem Studienaufenthalt im Kloster Collombey teilgenommen.

Im Januar letzten Jahres hat die ökumenische Hochschulseelsorge im Wallis, die unter dem Namen «Audeo» auftritt, erstmals eine «retraite-étude» in dem Frauenkloster organisiert: Studierende von Walliser Hochschulen können sich für einige Tage dorthin zurückziehen, um sich auf ihre Prüfungen vorzubereiten. In dem Kloster leben zurzeit noch drei Ordensfrauen. Ihr Leben teilen sie mit vier Priestern, die in der Seelsorge arbeiten.

Mit oder ohne Übernachtung im Kloster

Bislang hat Audeo vier solche Studienaufenthalte durchgeführt, jeweils im Januar und im Juni. Im Jahresbericht 2023/24 wird das noch junge Projekt als grosser Erfolg gewertet. Die Teilnehmerzahl betrug insgesamt 54, wie Camille Vianin gegenüber kath.ch sagt. Die katholische Seelsorgerin ist Mitarbeiterin von Audeo.

Das Bernhardinerinnenkloster in Collombey-Muraz VS.
Das Bernhardinerinnenkloster in Collombey-Muraz VS.

Der Aufenthalt dauert jeweils von Montag bis Donnerstag. Dabei biete man zwei Formate an – mit oder ohne Übernachtung im Kloster. «Für manche Studierende, denen die Klosterwelt ganz fremd ist und die vielleicht noch etwas Berührungsängste haben, ist es vielleicht einfacher, wenn sie zuhause übernachten können», sagt Camille Vianin.

«Die Gebete gaben den Tagen einen natürlichen Rhythmus, ein Gleichgewicht.»

Alyssia Rossire ist katholisch getauft. Die Religion sei allerdings nicht sehr präsent in ihrer Familie und sie gehe auch nicht zur Messe. «Aber ich glaube an etwas und bete ab und zu – in bestimmten wichtigen Momenten», sagt sie.

Laut Camille Vianin von der Hochschulseelsorge nehmen sowohl gläubige Christen als auch Personen, die sich als ungläubig bezeichnen, an den Studientagen im Kloster teil. Die meisten seien allerdings nicht praktizierend.

Die Idee für das Projekt stammt von ihr. Sie selbst hat als Theologiestudentin an einem ähnlichen Angebot in der Zisterzienserabtei Hauterive teilgenommen. «Das klösterliche Umfeld, die Teilnahme an den Gebeten gaben den Tagen einen natürlichen Rhythmus, ein Gleichgewicht, das sich positiv auf das Lernen auswirkte. Die Prüfungszeit ist ja oft etwas stressig», so Camille Vianin. Sie fand, ein solches Angebot könnte auch andere Menschen, konkret die Studierenden im Wallis, interessieren.

Kein Gebetszwang – viel Freiheit

Studierende beim Lernen im Bernhardinerinnenkloster Collombey.
Studierende beim Lernen im Bernhardinerinnenkloster Collombey.

Wie läuft ein Tag im «Monastère de Collombey» für die jungen Menschen ab? Im Gespräch mit den beiden Frauen zeigt sich: Es gibt ganz viel Freiheit. Die Studierenden können am Stundengebet der kleinen Schwesterngemeinschaft teilnehmen, müssen aber nicht. Der Gebetsrhythmus ist anspruchsvoll und beginnt um fünf Uhr morgens mit der Vigil.

Alyssia Rossire sagt, einmal pro Retraite habe sie an der Vigil teilgenommen. Auf diese Weise wolle sie sich bei den Schwestern bedanken. Das frühe Aufstehen sei aber schon hart. Schwierig sei auch das Mitsprechen der Gebete, wenn man dies nicht gewohnt sei. «Und in den Momenten der Stille hatte ich den Eindruck, gleich wieder einzuschlafen», sagt die Studentin freimütig. «Nach der Vigil haben wir Studenten uns immer nochmals ins Bett gelegt, während für die Schwestern das Tagewerk begann.»

«Mit der Zeit findet man es beruhigend, erquickend.»

Alyssia Rossire schwärmt von der Atmosphäre an den Studientagen. «Man wird angenommen, so wie man ist. Manche haben ja grosse Angst vor den Prüfungen.» Man unterstütze sich gegenseitig, und die Schwestern seien sehr wohlwollend und aufmerksam. «Sie kochen für uns und am Mittag essen wir gemeinsam mit ihnen. Weil ihr Refektorium zu klein ist, um mit uns allen zu essen, findet das Mittagessen im Studiensaal statt. Das ist ein magischer Moment.»

Die Mahlzeit findet in Stille statt. Das sei sehr besonders, sagt die Studentin. Zunächst habe man das Gefühl, dauernd kichern zu müssen. «Doch mit der Zeit findet man es beruhigend, erquickend.» Camille Vianin hat beobachtet, dass dieses gemeinsame Essen in Stille den jungen Menschen grossen Eindruck mache. Nach dem Mittagessen wird Kaffee serviert, und es gibt Gelegenheit zum Austausch auch mit den Ordensfrauen.

Studierende unter sich bei einem abendlichen Picknick ausserhalb des Klosters. Seelsorgerin Camille Vianin (3. vorne links).
Studierende unter sich bei einem abendlichen Picknick ausserhalb des Klosters. Seelsorgerin Camille Vianin (3. vorne links).

Beim Abendessen bleiben die Studierenden unter sich, berichtet Camille Vianin. Ein fixes Programm gebe es nicht. Während die einen sich bald wieder zum Lernen zurückzögen, würden andere miteinander diskutieren oder spielen.

Seelsorgerinnen sind auch im Kloster präsent

Camille Vianin oder ihre protestantische Kollegin Océane Pittet ist bei den Studientagen im Kloster jeweils anwesend. «Wir stehen die ganze Zeit für Gespräche zur Verfügung», sagt die Seelsorgerin. Die Studierenden würden diese Möglichkeit auch nutzen. Sie sei sehr erstaunt gewesen über die vielen informellen Gespräche, die es gegeben habe. Über Gott und die Welt, aber auch über sehr persönliche und familiäre Angelegenheiten.

Ein Ziel des Projekts sei es, allen interessierten Studierenden einen Ort des Zuhörens anzubieten, unabhängig von deren Konfession oder Glauben, so Camille Vianin.

Von Freiwilligen initiiert

Im Wallis existiert seit 2021 eine Hochschulseelsorge. Die Initiative für das ökumenische Projekt haben zwei Professoren der Fachhochschule HES-SO Valais-Wallis auf freiwilliger Basis ergriffen, wie es im Jahresbericht von «Audeo» heisst. Die Abkürzung steht für «Aumônerie des écoles de degré tertiaire en Valais». Die römisch-katholische und die evangelisch-reformierte Kirche haben demnach das Projekt von Anfang an unterstützt. Das Angebot richtet sich an Studierende und das Personal der verschiedenen Walliser Hochschulen.

Die Seelsorge stehe im Dienst der spirituellen Dimension des Menschen, so der Jahresbericht. Ihre Aufgabe sei es, das menschliche und spirituelle Wachstum der Studierenden angemessen zu begleite, ohne sie bekehren zu wollen. (bal)

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Die drei Schwestern des Klosters Collombey mit Studierenden. | © zVg
21. Juli 2025 | 17:00
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