Versammlung der Schweizer Bischofskonferenz | © bischoefe.ch
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Versammlung der Schweizer Bischofskonferenz | © bischoefe.ch

Zur Bischofskonferenz: «Schwammige Worte» – «Rechtsrutsch» – «Bischof Gracia»

Zürich, 6.3.15 (kath.ch) Die Schweizer Bischofskonferenz (SBK) stellte sich in ihrer gestrigen Medienmitteilung in drei Sätzen hinter die offizielle Kirchenlehre und sprach sich damit gegen die Segnung homosexueller Paare aus. kath.ch analysiert das grosse Medienecho, das die kurze Mitteilung auslöste.

Sylvia Stam

Zwei Tage nach ihrer Vollversammlung sind die Schweizer Bischöfe ungeheuer präsent in den Medien: Von SRF über kath.net bis ORF wurden die drei Sätze aus dem gestrigen Communiqué kolportiert, die besagten, dass die Segnung homosexueller Paare nicht möglich und die Kirchenlehre nicht von Bischöfen zu ändern sei. Flankiert wurden diese Sätze bisweilen von den Ausführungen Markus Büchels, laut SRF der «oberste Schweizer Katholik», der in schwammigen Worten zu erklären versuchte, dass Homosexuelle in der Kirche zwar willkommen seien und dass jeder Mensch gesegnet werden dürfe, dass die Segnung einer homosexuellen Verbindung jedoch wegen der Verwechslungsgefahr mit einer Trauung verboten sei, auch wenn das Kirchenrecht solche Segnungen nicht verbiete. In den heutigen Printmedien (6. März) finden sich Kommentare und Analysen, die nach Erklärungen für das Unverständliche suchen.

NZZ: Stärkung des Bistums Chur

Laut NZZ ist der Entscheid der Bischöfe der Ausdruck einer Stärkung des Bistums Chur durch die SBK. Zwar sei es ein offenes Geheimnis, dass manche Bischöfe bei Verstössen gegen das Kirchenrecht ein Auge zudrückten, «doch im Fall Bürglen schweigen diese Vertreter des progressiven Kirchenflügels weiterhin.» Über allfällige Opposition innerhalb des Bischofsgremiums stehe nichts im Communiqué. Immerhin erwähnte Markus Büchel in der Sendung «10 vor 10» eine lange Diskussion, die der Verlautbarung vorangegangen sei.

Noch deutlichere Worte findet Michael Meier im Tages-Anzeiger. Für ihn ist das gestrige Communiqué ein weiterer Hinweis auf einen Rechtsrutsch innerhalb der SBK. Gestützt wird er in dieser Ansicht von Willi Anderau, Mediensprecher der Pfarrei-Initiative. Tonangebend seien neben Huonder die neuen Bischöfe im Bistum Lausanne-Genf-Freiburg, Charles Morerod und Weihbischof Alain de Raemy. Ebenfalls würden die neuen Bischöfe von Lugano und Sitten, Valerio Lazzeri und Jean-Marie Lovey, «als dogmatisch linientreu» gelten. Im Gegenzug würden sich die liberaleren Mitglieder Felix Gmür und Markus Büchel in ihre Bistümer zurückziehen.

Tages-Anzeiger: Rechtsrutsch und Bischof Gracia

Als Ausdruck dieses Rechstrutsches wertet Meier auch Umstrukturierung im bischöflichen Generalsekretariat, in deren Folge dem Kommunikationsbeauftragten Simon Spengler gekündigt wurde, worauf auch der Interimspräsident der Medienkommission, Werner De Schepper, aus Protest zurücktrat.

«Das gestrige Communiqué zeigt, dass es für Huonder ein Leichtes ist, die führungsschwache Bischofskonferenz mit faits accomplis und eigenen Stellungnahmen unter Zugzwang zu setzen», analysiert Meier. Unterstützt werde der Bischof dabei von seinem gewieften Sprecher Giuseppe Gracia, den Mariano Tschuor in seinem Kommentar im Bündner Tagblatt (2. März) wenige Tage vor der SBK-Versammlung als den «neuen Bischof von Chur» bezeichnet hatte. Gracia «spricht, schreibt, kommentiert» im Namen des Bischofs, den man selber nur in mahnenden Botschaften zu Weihnachten und zur Fastenzeit vernehme, der aber ansonsten «untergetaucht» sei, sagt Tschuor, Journalist und Mitglied der bischöflichen Medienkommission.

Gespräch Bucheli-Morerod

Für die Gläubigen von Bürglen ändert sich derweil wenig an der Situation. «Für uns steht die gewünschte Sanktion in keinem Verhältnis zur vermeintlichen Verfehlung», sagt der Bürgler Kirchenratspräsident Peter Vorwerk gegenüber der Neuen Luzerner Zeitung. Die Bürgler stehen weiterhin geschlossen hinter ihrem Pfarrer.

Dieser hat sich just am Tag, als die Stellungnahme der SBK veröffentlicht wurde, mit dem Westschweizer Bischof Morerod getroffen, in dessen Bistum er geweiht worden war und der ihn nun dorthin zurückruft. In einer gemeinsam unterzeichneten Erklärung versprechen Bucheli und Morerod, dass sich beide Parteien um eine friedliche Lösung bemühten. «Damit dies möglich wird, bauen wir auf weitere Gespräche», schreiben die beiden. Selbst das Bistum Chur will mit weiteren Stellungnahmen zuwarten, damit dieser interne Prozess nicht durch «mediale Unruhe» gestört werde. Spätestens Ende April will Chur sich wieder öffentlich zu Wort melden. (sys)

 

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