Messfeier im alten Ritus in Rom | © kna
Vatikan
Messfeier im alten Ritus in Rom | © kna

Wie die «Alte Messe» in die Kirche zurückkehrte

Rom, 8.7.17 (kath.ch) Vor zehn Jahren wurde die ausserordentliche Form des alten Ritus zugelassen. Schon Monate vor der Veröffentlichung hatten Vatikanexperten und Theologen gemutmasst, der konservative Papst aus Deutschland wolle die sichtbarste Errungenschaft des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zurückdrehen: die Feier der Messe in der jeweiligen Landessprache und die Hinwendung der Priester zu den in der Kirche versammelten Gläubigen.

Ludwig Ring-Eifel

Benedikt XVI. stand damals im dritten Jahr seines Pontifikats noch auf dem Höhepunkt einer überraschenden Popularität. Doch nun sah er sich genötigt, seinen Erlass, der den feierlichen Titel «Summorum pontificum» (Die Sorge der Päpste) trug, am 7. Juli 2017 mit einem ausführlichen Begleitschreiben an die Bischöfe in allen Erdteilen zu versehen. Darin versuchte er, die Motive zu erklären und falsche Bedenken zu zerstreuen.

Der Brief begann mit den Sätzen: «Hoffnungsvoll und mit grossem Vertrauen lege ich den Text (…) in Eure Hände (…). Das Dokument ist Frucht langen Nachdenkens, vielfacher Beratungen und des Gebetes. Nachrichten und Beurteilungen, die ohne ausreichende Kenntnis vorgenommen wurden, haben in nicht geringem Masse Verwirrung gestiftet. Es gibt sehr unterschiedliche Reaktionen, die von freudiger Aufnahme bis zu harter Opposition reichen…»

Kein Widerspruch

In dem Schreiben versuchte der Papst klarzustellen, dass der Jahrhunderte alte Ritus künftig nicht gleichberechtigt neben der erneuerten Liturgie von 1970 stehen, sondern lediglich als «ausserordentliche Form» des einen römischen Ritus gelten solle. «Es gibt keinen Widerspruch zwischen der einen und der anderen Ausgabe des Missale Romanum», erklärte der frühere Theologieprofessor und betonte: «In der Liturgiegeschichte gibt es Wachstum und Fortschritt, aber keinen Bruch. Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und gross; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein.»

Trotz dieses Werbens um Verständnis war die Kritik heftig. Der Papst habe ohne Not ein zu grosses Zugeständnis an die von Rom getrennten Traditionalisten der «Piusbruderschaft» gemacht. Deren Bischöfe waren 1988 unter Johannes Paul II. exkommuniziert worden, weil sie das Kirchenrecht gebrochen hatten. Einer der Hauptstreitpunkte zwischen ihnen und Rom war die Gültigkeit der Konzilsreformen, insbesondere die Erneuerungen in der Liturgie.

Spaltung befürchtet

Die Piusbrüder erkannten die moderne Liturgie nicht an – ja sie bezeichneten sie als schädlich und irreführend, weil sie den wahren Opfercharakter der Heiligen Messe verdecke und Elemente des protestantischen Abendmahls enthalte. Wenn der Papst nun die Alte Messe wieder weltweit zulasse, so kritische Kommentatoren, vertiefe er letztlich die Spaltung der Kirche. Künftig werde es in Pfarreien verwirrende Doppelstrukturen geben – hier eine Messe für die «Tradis», und nebenan eine für «Normalkatholiken».

Zehn Jahre nach «Summorum pontificum» haben sich diese Befürchtungen nicht bewahrheitet. So gibt es etwa in ganz Deutschland derzeit rund 150 Kirchen und Kapellen, in denen wöchentlich oder monatlich eine solche Messe nach den Vorgaben von Benedikt XVI. gefeiert wird. Auch in der Schweiz werden heute regelmässig Gottesdienste nach dem Alten Ritus angeboten. Hinzu kommen rund 50 Kirchen und Kapellen der mit Rom noch nicht wiedervereinten Piusbruderschaft, wo ebenfalls nach altem Ritus zelebriert wird. Angesichts von mehr als 10’000 Pfarreien, in denen katholische Priester jeden Sonntag die «ordentliche Form» feiern, also die modernisierte Messe auf Deutsch, fällt dies zumindest zahlenmässig wenig ins Gewicht.

Tradition lockt an

Allerdings sind traditionalistisch denkende Kirchgänger besonders gewissenhaft in der Erfüllung ihrer Sonntagspflicht – und auch Sorgen um fehlenden Priesternachwuchs gibt es dort nicht. Die Zahlenverhältnisse könnten sich also im Laufe von Jahrzehnten ganz allmählich weiter verschieben, da die «Normalkatholiken» immer seltener die Sonntagsmesse besuchen. Von einer «Rolle rückwärts» kann zumindest auf mittlere Sicht nicht die Rede sein. Nachdenklich stimmt, dass heute vor allem jüngere Leute die wenigen Gottesdienste im alten Ritus frequentieren – und das selbst in einer als «ungläubig» verschrienen Metropole wie Berlin. (kna)

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