Bischof Gmür, Claire Jonard und Helena Jeppesen-Spuhler treffen einen Mitkämpfer für Frauenfragen, Ladislav Nemet, Erzbischof von Belgrad, Oktober 2024
Analyse

Weltsynode-Start: Der Heilige Geist hilft, der Papst döst

Am Mittwoch ist die Weltsynode der katholischen Kirche in ihre letzte Runde gegangen. Eine erwartungsvolle, aufgestellte Stimmung herrschte an der Eröffnungsmesse – und sogar an der Bussfeier am Vorabend. Freudiges Wiedersehen unter Synodenteilnehmenden war zu beobachten.

Regula Pfeifer

Die meisten Stühle waren besetzt, als der Gottesdienst zur Eröffnung der Weltsynode an diesem Mittwochmorgen begann. Die Menschen halten immer wieder ihre Handys hoch, um das Geschehen aufzunehmen. Manche über lange Zeit.

Aufregung war zu spüren, Erwartung auch. Ob sie alles mitbekamen, was während der feierlichen, bestens choreografierten Messe gesagt wird, war unklar. Etwa die Mahnungen des Papstes an die Synodenteilnehmenden. Diese sollten sich nicht selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern mit Hilfe des Heiligen Geistes einen Weg für die Kirche finden.

Menschen winken dem Papst zu - auf dem Bildschirm am Petersplatz.
Menschen winken dem Papst zu - auf dem Bildschirm am Petersplatz.

Dass die wohl mehrere tausend Anwesenden auf dem Petersplatz den Papst hören und von nahe sehen wollen, das ist offensichtlich. Spricht er, richten sich viel mehr Handys als sonst auf die Riesenbildschirme am Platzrand, wo Franziskus von nahe zu sehen ist.

Ebenso bei seiner Rundfahrt mit dem Papstmobil. Da drängen zudem die Menschenmassen immer wieder dahin, wo der Papst gerade hinzukommen scheint und winken ihm zu. Da und dort erschallt eine Welle von Rufen und Klatschen, als er durch die mit Schranken gebildeten Gassen vorbeifährt.

Hinter Schranken: Teilnehmende an der Eröffnungsfeier zur Weltsynode
Hinter Schranken: Teilnehmende an der Eröffnungsfeier zur Weltsynode

Menschen aus aller Welt waren auf dem Petersplatz. Das zeigte sich vor allem am Schluss, als einige ihren Unmut ausdrückten, weil sie nicht sofort aus den Abschrankungen gelassen wurden. Sie kommentierten das Geschehen in ihrer Muttersprache, oft italienisch, aber auch spanisch, englisch und deutsch waren zu hören. Der Abgang des Publikums war ebenso choreografiert wie die Messe selbst: Ein Sektor nach dem anderen wurde geöffnet – und so die sichtlich erleichterten Menschen in die Freiheit entlassen.

Austausch unter Bischofskollegen - vor der Bussfeier am Vorabend der Weltsynode
Austausch unter Bischofskollegen - vor der Bussfeier am Vorabend der Weltsynode

Die Bussfeier am Vorabend der Synodeneröffnung wirkte kontrollierter, gedämpfter. Das Publikum sass bereits in den Kirchenbänken, als erst die Bischöfe, danach die Kardinäle auf ihre Plätze gingen. Die Medienleute kriegten mit, wie die hohen Kirchenvertreter einander herzlich lächelnd begrüssten, die Hand hielten und nette Worte wechselten. Von Busse war in diesem Moment nichts wahrzunehmen.

Bedrückendes Zeugnis eines Missbrauchsbetroffenen

Während der Feier herrschte nur einmal bedrückende Ruhe: Als ein älterer Herr, ein Überlebender von Kindsmissbrauch, ohne Details zur Tat, von seiner schlimmen Erfahrung berichtete. Die nächste Rednerin, eine syrische Ordensfrau, die vom Kriegsleid in ihrem Land erzählte, erhielt warmen Applaus. Damit löste sich die Spannung von vorher spürbar auf.

Der ältere Mann erzählt während der Bussfeier im Petersdom, wie er als Kind sexuell missbraucht wurde.
Der ältere Mann erzählt während der Bussfeier im Petersdom, wie er als Kind sexuell missbraucht wurde.

Betroffenheit stellte sich auch nicht wieder ein, als mehrere Kardinäle Verfehlungen der Kirche aufzählten, die – mit Hilfe der Weltsynode – korrigiert werden müssten. Der Papst selbst trug wenig zu einer Busse-Stimmung bei. Denn abgesehen von wenigen mahnenden Worte an die Anwesenden schien er oft zu dösen.

Der Schluss der Feier versetzte die Menschen in fröhliche Aufbruchstimmung. Die Gruppen, die sich gebildet hatten, wurden von den Organisatoren des Anlasses aufgelöst und zum Gehen angewiesen. Das trübte die Stimmung aber nicht. Draussen trafen sich da und dort Bekannte. Auch die Schweizer Weltsynode-Teilnehmenden Bischof Felix Gmür, Helena Jeppesen-Spuhler und Claire Jonard grüssten Bekannte.

Bischof Felix Gmür trifft Ordensfrauen aus Senegal, rechts Helena Jeppesen-Spuhler
Bischof Felix Gmür trifft Ordensfrauen aus Senegal, rechts Helena Jeppesen-Spuhler

Sie kennen sich von der letztjährigen Weltsynode in Rom – oder teilweise von den europäischen synodalen Treffen in Prag und Linz. Da ist etwa der Erzbischof von Belgrad, den Jeppesen für sein Engagement in der Frauenfrage schätzt. Oder da ist eine Gruppe Ordensfrauen aus Senegal, die Bischof Gmür freudig begrüssen. Und vor dem Start der Versammlung tauschen sich Gmür und Jeppesen vor dem überwachten Eingang zur Synodenaula mit Frère Alois Löser aus, dem ehemaligen Prior der Taizé-Gemeinschaft.

Helena Jeppesen-Spuhler trifft Frère Alois Löser von der Taizé-Gemeinschaft
Helena Jeppesen-Spuhler trifft Frère Alois Löser von der Taizé-Gemeinschaft

Vielleicht haben die vorgängigen spirituellen Impulse und Meditationen zu diesem freundschaftlichen Umgang beigetragen, denen Synodenteilnehmenden am Montag und Dienstag vor dem offiziellen Start der Weltsynode beiwohnten.

Zu Beginn der Versammlung am Mittwochnachmittag wirkten die Synodalen allerdings müde, als sie die Reden von Papst Franziskus und dem Generalsekretär der Bischofssynode Mario Grech verfolgten. Gut möglich aber, dass der anfängliche Schwung zurückkehrt, wenn sie in Gruppen Lösungen für die Probleme der Kirche suchen.

Finale Phase der Weltsynode

Die letzte Phase der weltweiten Reformsynode der katholischen Kirche hat am 2. Oktober begonnen. In knapp vier Wochen sollen Weichen gestellt werden über eine grundlegende Reform der katholischen Kirche. Am 26. Oktober soll ein Abschlussdokument zuhanden des Papstes stehen.

Beraten und abstimmen werden 368 Synodale aus allen Erdteilen, 272 davon sind Bischöfe, knapp ein Achtel (45) sind Frauen – mit Stimmrecht. Etwa die Hälfte der weiblichen Teilnehmenden sind Ordensfrauen. Dass Frauen an einer Synode teilnehmen, ist neu in der katholischen Kirchengeschichte.

Von Amts wegen sind die Chefs aller vatikanischen Kurienbehörden Mitglieder der Synode, die meisten von ihnen im Kardinalsrang. Die örtlichen Bischofskonferenzen entsenden je nach Grösse einen oder mehrere Teilnehmer. Aus der Schweiz ist Bischof Felix Gmür delegiert, der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz.

Die Teilnehmenden sitzen in der Synodenaula Paolo VI. an runden Tischen und reden gleichberechtigt. Jene Vorschläge, die bei der Schlussabstimmung am 26. Oktober eine Zweidrittelmehrheit erhalten, werden am Ende dem Papst zur Entscheidung vorgelegt.

Bei der Abstimmung des Schlussdokuments am 26. Oktober genügt eine Zweidrittelmehrheit für jeden Vorschlag, der dann dem Papst zur Entscheidung vorgelegt wird. Das wird der Abschluss eines weltweiten Beratungsprozesses sein, der seit 2021 im Gange ist. (rp, mit Infos von cic/kna)

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Bischof Gmür, Claire Jonard und Helena Jeppesen-Spuhler treffen einen Mitkämpfer für Frauenfragen, Ladislav Nemet, Erzbischof von Belgrad, Oktober 2024 | © Regula Pfeifer
5. Oktober 2024 | 14:39
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