"Wir sind divers": Bischof Felix Gmür und die Ordensfrau Anne Béatrice Faye aus Senegal, sowie Helena Jeppesen-Spuhler.
Schweiz

Bischof Gmür und Helena Jeppesen: Die Kirche ist divers, wieso dies nicht feiern?

Bischof Felix Gmür und Helena Jeppesen-Spuhler werden Anliegen der Schweizer und europäischen Kirche einbringen in die Weltsynodendiskussion. Wichtig ist ihnen die Frauenfrage, die Dezentralisation und die verbesserte Partizipation. Diversität sei in der Versammlung gut sichtbar, sagen sie.

Regula Pfeifer

Welche Redebeiträge bringen Sie an der Weltsynode?

Felix Gmür und Helena Jeppesen-Spuhler (gleichzeitig): Im Gespräch an den Synodentischen sind zwei Runden jeweils zu den Kapiteln des Vorbereitungsdokumentes «Instrumentum Laboris» geplant.

Zu welchen Themen denn?

Jeppesen: Wir haben den Inhalt vorgegeben nach den Themen des «Instrumentum Laboris».

Helena Jeppesen-Spuhler (blaue Jacke) sitzt mit weiteren Weltsynode-Teilnehmenden an einem Tisch, Oktober 2024
Helena Jeppesen-Spuhler (blaue Jacke) sitzt mit weiteren Weltsynode-Teilnehmenden an einem Tisch, Oktober 2024

Gmür: Es gibt da den ersten, zweiten, dritten, vierten Teil. Zu jedem Teil müssen wir zweimal etwas sagen. Grob gesagt werden pro Woche zwei Kapitel in der Synode besprochen.

«Was ist ganz wichtig, damit es auch im Schlussdokument der Synode vorkommt?»

Helena Jeppesen-Spuhler

Konnten Sie auswählen, welches Thema?

Gmür: Die Kapitel des «Instrumentum Laboris» sind vorgegeben, dazu ist unsere Meinung gefragt.

Helena Jeppesen-Spuhler und Bischof Felix Gmür, auf dem Petersplatz in Rom, Oktober 2024
Helena Jeppesen-Spuhler und Bischof Felix Gmür, auf dem Petersplatz in Rom, Oktober 2024

Jeppesen: Die Fragen sind: Was ist in diesem Teil für uns wichtig, insbesondere für die Kirche, aus der wir kommen?

Gmür: Und was sollte verändert oder gestrichen werden?

Jeppesen: Ja genau: Was muss man streichen und was muss man ergänzen? Und was ist ganz wichtig, damit es auch im Schlussdokument der Synode vorkommt?

«Die Kirche kann je nach Kultur und Kontext unterschiedliche Gesichter haben.»

Helena Jeppesen-Spuhler

Können Sie ein Beispiel geben?

Jeppesen: Zuerst kommen zum Bespiel die Grundlagen dran. Darin ist auch die Frage der Frau, das ist ja für die Schweiz wichtig. Und das Kontextbezogene, auch das ist wichtig, also dass die Kirche je nach Kultur und Kontext unterschiedliche Gesichter haben kann. Die Amazonien-Synode hat etwa mit dem Bild «das Gesicht Amazoniens» gespielt. Das ist ein wichtiger Punkt für uns. Das heisst, es kann auch mehr Gestaltungsspielraum für die Kirche in den Regionen geben. Das wäre unser Anliegen, das wir Dezentralisierung nennen. Inkulturation könnte man es auch nennen.

Teilnehmende an der Amazonas-Bischofssynode 2019.
Teilnehmende an der Amazonas-Bischofssynode 2019.

Gibt es weitere Möglichkeiten, sich einzubringen?

Jeppesen: Zusätzlich zu den zwei Redebeiträgen gibt es auch einen Plenumsteil, bei dem man sich für eine Rede anmelden kann. Da müssen wir schauen, ob wir drankommen.

Was haben Sie sich thematisch vorgenommen?

Gmür: Eben: Frauen und Dezentralisierung sind die beiden Hauptthemen.

Jeppesen: Und zudem die grössere Teilnahme in den Entscheidungsfindungsprozessen in der Kirche. Auf allen Ebenen – lokal bis weltweit. Die Kirche soll partizipativer gestaltet werden.

«‹Fiducia supplicans› zu den Segnungen Homosexueller hat aufgezeigt, dass die Kirche nicht überall gleich sein kann.»

A propos Dezentralisierung, Bischof Gmür: Wollen Sie in der Schweiz weiter vorangehen können wie bisher, also offener als andere Bistümer? Den Frauen mehr Möglichkeiten im kirchlichen Dienst bieten? Ist das Ihr Wunsch dahinter?

Gmür: Ja, zum Beispiel. Das Dokument «Fiducia supplicans» zu den Segnungen Homosexueller hat allgemein aufgezeigt, dass die Kirche nicht überall gleich sein kann. Bei gewissen Angelegenheiten ist es sinnvoll, diese lokal anders regeln zu können.

«Eine Spaltung befürchte ich nicht.»

Felix Gmür

Befürchten Sie nicht eine grosse Spannung oder sogar Spaltung, wenn es soweit käme?

Jeppesen: Nein.

Gmür: Nein, das befürchte ich nicht. Man kann nicht, bevor man darüber diskutiert etwas einzuführen, schon Befürchtungen haben. Sonst bleibt immer alles beim Alten.

Jeppesen: In der Synodenversammlung vor einem Jahr hat eine Frau gesagt: Wieso können wir nicht unsere Diversität feiern? Sie kommt aus Papua-Neuguinea, heute Morgen habe ich sie wiedergesehen und darauf angesprochen. In Papua-Neuguinea leben Menschen vieler Völker und Sprachen. Sie hat gesagt: Das könnte ein Beispiel sein für die katholische Kirche. Unsere Diversität als Reichtum sehen und dies auch feiern. Und trotzdem zusammenbleiben, auch wenn wir wirklich unterschiedlich sind.

Gmür: Wir sind ja sowieso unterschiedlich.

Jeppesen: Ja, das sieht man in der Versammlung. Da gibt es enorme Unterschiede.

Was ist Ihr Wunsch für die Weltsynode?

Gmür: Am Schluss sollte etwas Handfestes herauskommen. Das sagen alle. Aber niemand weiss, was genau.

Jeppesen: Alle sagen: Wir brauchen hier konkrete Resultate, auch wenn es kleine Schritte sind.

Damit es nicht eine grosse Enttäuschung gibt, nehme ich an.

Jeppesen: Ja, wir können nicht drei Jahre lang einen intensiven Prozess machen und am Schluss dem Papst nichts vorlegen, was Hand und Fuss hat. Es muss konkret sein.

Gmür: Das ist auch meine Meinung.

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«Wir sind divers»: Bischof Felix Gmür und die Ordensfrau Anne Béatrice Faye aus Senegal, sowie Helena Jeppesen-Spuhler. | © Regula Pfeifer
4. Oktober 2024 | 17:00
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