Katholische Messgewänder (Fastenzeit) | © KNA
Schweiz
Katholische Messgewänder (Fastenzeit) | © KNA

Warum tragen reformierte Pfarrpersonen schwarz, katholische weiss mit Farben?

Zürich/Edlibach ZG, 4.8.17 (kath.ch) Kinder fragen, ein reformierter und ein katholischer Theologe antworten. Aus Anlass des Reformationsjubiläums hat kath.ch beiden Konfessionsvertretern dieselben Kinderfragen zu Unterschieden zwischen Katholiken und Reformierten gestellt. Für die Reformierten antwortet Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster im Zürich, für die Katholiken Christian Rutishauser, Priester und Provinzial der Schweizer Jesuiten.

Christoph Sigrist: Ich habe seit 30 Jahren so ein schwarzes Gewand. Talar nennen wir das. Das Wort kommt aus der lateinischen Sprache und bedeutet,» bis zum Fussknöchel hin». Der Talar ist ein langes, schwarzes Gewand mit einem sogenannten weissen «Bäffchen» um den Hals, das mich wie «Pingu» aussehen lässt. So jedenfalls bezeichneten mich damals unsere Söhne als kleine Knaben.

Der Talar ist ein Berufsgewand und wird heute zum Teil von Professoren an der Universität und von Richtern im Gerichtssaal getragen. Das Gewand wurde von den Reformatoren Martin Luther, Huldrich Zwingli und Johannes Calvin eingeführt, um sich gegenüber den katholischen Priestern abzugrenzen. Die Priester tragen bis heute je nach dem ein weisses, grünes oder auch violettes Gewand. Damit zeigen sie an, dass sie als geweihte Personen heilige Handlungen im Gottesdienst und in der Kirche vollziehen. Huldrich Zwingli und seine Freunde waren überzeugt, dass jeder und jede «geweihte» Personen sind und es keinen Unterschied zwischen geweihten und nicht geweihten Personen geben darf. Deshalb soll der Pfarrer ein normales Gewand tragen, wenn er seinem Beruf nachgeht, wie andere auch. Der Talar ist ein gewöhnliches Berufsgewand, wie wenn man einen weissen Doktorkittel oder ein «Übergwändli» in der Fabrik trägt.

Ob nun jedoch die Leute dies auch so glauben, wenn sie mich im Talar sehen, weiss ich nicht. Ich befürchte, dass viele mich als Priester, als «heilige» Person wahrnehmen. Für mich ist der Talar ein guter Schutz, damit nicht alle nach dem Gottesdienst über die Farbe meiner Krawatte diskutieren….

Ein evangelisch-lutherischer, zwei evangelisch-reformierte und ein katholischer Pfarrer (v.l.n.r.) | © Sylvia Stam


Christian Rutishauser: In der katholischen Kirche trägt der Priester im Gottesdienst eine Kleidung, die ihn von den anderen Christen unterscheidet. Sie soll ausdrücken, dass der Priester anstelle von Christus den Anderen gegenübersteht. So hat zum Beispiel Augustinus, ein Lehrer der Kirche, gesagt: Zusammen mit euch bin ich Christ, doch für euch und euch gegenüber bin ich Priester. Die Kleidung des Priesters war aber nicht immer gleich. Heute tragen sie ein weisses Untergewand und darüber ein farbiges Messgewand. Die Farben Grün, Gelb, Violett und Rot zeigen an, in welcher Zeit des Kirchenjahrs wir sind. Dazu gehört auch die farbige Stola. Sie ist das besondere Zeichen des Priesters. An Werktagen verzichtet der Priester oft auf das festliche Messgewand. Als Zeichen der Einfachheit trägt er dann nur das weisse Gewand und die Stola.

Die Reformatoren wollten den Unterschied zwischen dem Priester und den anderen Christen aufheben. Sie betonten die gemeinsame Taufe. Jeder Christ solle wie ein Priester leben. Er soll im Gottesdienst so direkt wie möglich Christus begegnen. So haben sie die priesterliche Kleidung abgeschafft. Reformierte Pfarrer und Pfarrerinnen tragen heute den schwarzen Talar. Dazu gehört um den Hals ein weisser Kragen mit zwei Bäffchen. Der schwarze Talar war früher die Kleidung von Professoren, Richtern und Gelehrten. Damit wird gesagt: Die Pfarrer sind wie alle anderen Getauften. Doch sie sind Gebildete und Gelehrte im Glauben. Daher leiten sie den Gottesdienst. (sys)


Kinderfrage 1: Warum steht auf reformierten Kirchen ein Hahn, auf katholischen ein Kreuz?

Kinderfrage 2: Warum gibt es in katholischen Kirchen Statuen und Bilder, in reformierten nicht?

Kinderfrage 3: Warum sind katholische Kirchen offen und reformierte oft geschlossen?

Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster Zürich | © zVg
Christoph Sigrist, Pfarrer am Grossmünster Zürich | © zVg
Christian Rutishauser, Provinzial der Schweizer Jesuiten  | © Hans Merrouche
Christian Rutishauser, Provinzial der Schweizer Jesuiten | © Hans Merrouche
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