Warum Martin Werlen die Social-Media-Plattform X verlässt
Martin Werlen (62) war bereits auf Twitter aktiv, als viele Leute in der Kirche noch nicht wussten, was Soziale Medien sind. Nun hat der Propst von St. Gerold die Plattform, die heute X heisst, verlassen. Aber social media-abstinent wird Werlen deswegen nicht.
Barbara Ludwig
Martin Werlen war auf der Social Media-Plattform X bereits seit 2010 aktiv, damals hiess die Plattform noch Twitter – und der damalige Einsiedler Abt war als Nutzer sozialer Netzwerke eine Ausnahme in Kirchenkreisen. Der Walliser twitterte regelmässig als @AbtMartin und wurde über das katholische Milieu hinaus als «Twitter-Abt» bekannt.
Nach seinem Rücktritt als Abt des Klosters Einsiedeln 2013 nutzte er die Plattform ab September 2014 unter dem Namen @MoenchMartin. Doch damit ist nun Schluss. Vor drei Wochen habe er seinen Account gelöscht, sagt Werlen, zurzeit Leiter der Propstei St. Gerold in Vorarlberg, auf Anfrage von kath.ch.
Weniger Austausch und Diskussion
«Mit dem Besitzer- und Namenswechsel hat sich die Plattform meines Erachtens tendenziös und kontinuierlich zum Schlechteren verändert», begründet er seinen Entscheid. Mit der Übernahme durch Elon Musk im Juli 2023 hatte das Netzwerk Twitter seinen Namen auf X gewechselt, seither werden ihm die Verbreitung von Hate-Speech und Fake News vorgeworfen.
Kommentare zu bestimmten Themen oder Personen – etwa der Krieg in der Ukraine oder Donald Trump – hätten gezielte Reaktionen von Accounts zur Folge, hinter denen offensichtlich nicht verschiedene Personen stünden, sondern ein System, kritisiert Werlen. «Damit verliert die Plattform immer mehr den Wert des Austausches und der Diskussion.»
US-Wahlkampf gab Ausschlag
Den Ausschlag, die Plattform zu verlassen, habe indes erst das Verhalten von Elon Musk im US-amerikanischen Wahlkampf gegeben, so Werlen. Der Multimilliardär Musk hat Donald Trump finanziell stark unterstützt – unter anderem auch mit der Verlosung von einer Million Dollar täglich an potentielle Wähler, wie die «Neue Zürcher Zeitung» am 22. Oktober berichtete.
Es sei geradezu «grotesk», meint Werlen, dass politische Bewegungen gegen die vermeintlichen – demokratisch gewählten – Eliten auftreten, selbst aber offensichtlich zu den finanziellen Eliten gehörten.
Ex-Twitter-Abt wechselt zu Bluesky
Der Propst von St. Gerold hat nach seinem Abschied von X aber nicht vor, social media-abstinent zu werden. Im Gegenteil. «Ich bin jetzt auf Bluesky erreichbar, unter dem Namen moenchmartin.bsky.social.»
Damit folge er dem Beispiel von Personen aus verschiedenen Fachbereichen und aus kirchlichen Kreisen in Österreich, die nicht mehr eine Tendenz unterstützen wollten, die die freie Meinungsäusserung, den respektvollen Umgang miteinander und die Demokratie gefährde, erklärt Werlen.
Hier geht es zur › Bestellung einzelner Beiträge von kath.ch.




