Vor 25 Jahren wurde in der Schweiz mit Denise Wyss eine Frau zur Priesterin geweiht
Am 19. Februar 2000 wurde mit Denise Wyss zum ersten Mal in der Schweiz eine Frau zur Priesterin der christkatholischen Kirche geweiht. Eine Entscheidung, die die Beziehungen zwischen ihrer Kirche und dem Vatikan noch weiter erschwerte. Heute sagt sie, dass Rom «die Ordination von Frauen in einigen Ortskirchen erlauben sollte».
Im Juni 1999 beschloss die christkatholische Synode der Schweiz mit 90 zu 2 Stimmen, den Frauen zum Priesteramt zuzulassen. Einige Monate später wurde die Diakonin Denise Wyss in der Franziskanerkirche in Solothurn vom Erzbischof von Utrecht, Antonius Jan Glazemaker, zur Priesterin geweiht.
Diakonat der Frau akzeptiert
Tatsächlich hatte die Christkatholische Kirche in der Schweiz Mitte der 1980er Jahre das Diakonat der Frau akzeptiert, was jedoch innerhalb der Kirche auf internationaler Ebene eine Kontroverse ausgelöst hatte. Nach zahlreichen Versuchen, einen gemeinsamen Standpunkt festzulegen, und einer schweren Krise, die durch die erste Priesterweihe einer Frau in Deutschland ausgelöst wurde, liess die Bischofskonferenz der Utrechter Union ihren Mitgliedern 1997 schliesslich die freie Wahl.
Die Christkatholische Kirche der Schweiz war damit im Jahr 2000 die vierte Kirche der Utrechter Union, die eine Frau zur Priesterin weihte. Dies brachte Denise Wyss damals viel Aufmerksamkeit ein, auf die sie zeitweise gut hätte verzichten können, wie sie später erklärte. Die heute 59-Jährige ist seit 16. Februar 2025 Pfarrerin in der christkatholischen Gemeinde in Zürich.
Mit Streitpunkten bestens vertraut
Denise Wyss ist mit den Streitpunkten zwischen ihrer Kirche und Rom bestens vertraut. Sie wurde 1965 in Solothurn in einer römisch-katholischen Familie geboren, zunächst an der römisch-katholischen theologischen Fakultät in Luzern ausgebildet, wechselte erst 1990 zur christkatholischen Kirche und schloss ihr Studium an der christkatholischen Fakultät in Bern ab.
Die christkatholische Kirche hat sich nach dem Ersten Vatikanischen Konzil von 1870 von Rom abgespalten, erinnert sie sich in einem Interview auf der Website der Katholischen Kirche Zürich. Sie erkennt die beiden Dogmen, die dort dekretiert wurden, nicht an, nämlich die Unfehlbarkeit des Papstes in Glaubens- und Moralfragen und seinen Jurisdiktionsprimat über alle Bischöfe.
«Die volle Menschlichkeit wird dadurch repräsentiert, denn Gott hat den Menschen als weiblich und männlich erschaffen, und Jesus hat die menschliche Natur gemäss dem Konzil von Chalcedon vollständig angenommen.»
Die Priesterin erklärt auch, warum es ihr wichtig ist, dass Männer und Frauen zum Priesteramt zugelassen werden: «Die volle Menschlichkeit wird dadurch repräsentiert, denn Gott hat den Menschen als weiblich und männlich erschaffen und Jesus hat die menschliche Natur gemäss dem Konzil von Chalcedon vollständig angenommen. Das Dogma spricht von der Inkarnation und nicht von der Vermenschlichung Gottes.» Und weiter: «Wie die orthodoxen Kirchen erkennen auch wir nur die sieben ökumenischen Konzilien der alten ungeteilten Kirche an.»
Ein Weg der Annäherung
Für Denise Wyss hat die Tatsache, dass Frauen das Priesteramt übernehmen können, den Gedanken an eine Wiedervereinigung mit der römisch-katholischen Kirche noch schwieriger gemacht. «Ein gangbarer Weg der Annäherung wäre meiner Meinung nach, dass der Papst den Ortskirchen mehr Autonomie einräumt und beispielsweise die Priesterehe oder die Frauenordination in bestimmten Ortskirchen, wie in der Schweiz, erlaubt.»
Auch innerhalb der altkatholischen Kirchenfamilie der Utrechter Union gebe es unterschiedliche Haltungen gegenüber der Frauenordination, berichtet sie. So erlaubt die altkatholische Kirche in Polen Frauen immer noch nicht den Zugang zum Priesteramt (cath.ch/arc/lb/woz).
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