Nach dem Wechsel in der Chefredaktion verlässt Veronika Jehle das «Forum»
Beim Zürcher Kirchenmagazin «Forum» kommt es zu einem Wechsel an der Spitze: Caterina Melliger wird neue Chefredaktorin. Die bisherige Co-Redaktionsleiterin Veronika Jehle verlässt nach Gesprächen mit dem Stiftungsrat nun das Magazin. Der Entscheid des Stiftungsrats war zuvor von der Arbeitsgemeinschaft Arpf kritisiert worden.
Jacqueline Straub
Das katholische Zürcher Magazin «Forum» erhält ab Oktober eine neue Chefredaktorin: Die erfahrene Journalistin Caterina Melliger. Doch sie ist keine Theologin und kennt die katholische Kirchenlandschaft noch nicht gut.
Das «Forum» wurde über viele Jahre stark von Thomas Binotto geprägt, der lange Zeit als alleiniger Redaktionsleiter tätig war. Anfang 2023 übernahm er gemeinsam mit Veronika Jehle die Redaktionsleitung. In dieser Zeit gestalteten die beiden unter anderem den Schritt zum Monatsmagazin und den Ausbau des digitalen Angebots wesentlich mit. Jehle verantwortete dabei bereits einen bedeutenden Teil der Redaktionsleitung.
Kritik von der Arpf
Im August gab Binotto die Leitung ab. Statt die Chefredaktion Jehle zu übertragen, die sowohl als Theologin als auch als Journalistin über langjährige Erfahrung verfügt, entschied sich der Stiftungsrat für eine externe Ausschreibung.
Der Entscheid wurde von der Arpf, der Arbeitsgemeinschaft der Pfarrblattredaktionen der Deutschschweiz, in einem Statement scharf kritisiert. Für den Vorstand der Arpf sei der Entscheid des Stiftungsrats «nicht nachvollziehbar». «Damit setzt der Stiftungsrat sorgfältige Aufbauarbeit fahrlässig aufs Spiel. Auf die profilierte Stimme von Veronika Jehle in der Redaktionsleitung zu verzichten, bedeutet, das Forum als kirchliche Publikation entscheidend zu schwächen. Wir sehen damit auch unsere Interessen als Arbeitsgemeinschaft gefährdet», hiess es.
In der Mitteilung zum Wechsel wird Jehle von der Arpf für ihre «fachliche theologische Kompetenz, ihr grosses kirchliches Netzwerk und ihre journalistische Expertise» gedankt.
Auf Anfrage von kath.ch erklärte Simon Spengler, Kommunikationsverantwortlicher der Zürcher Landeskirche und Mitglied des Stiftungsrats des «Forums» bereits vor zwei Wochen, dass das Modell der Co-Redaktionsleitung von Beginn an an die beiden Personen Binotto und Jehle gebunden gewesen sei. Dies sei auch beiden bewusst gewesen.
«Nach Thomas Binottos Weggang hat der Stiftungsrat entschieden, die Stelle der Chefredaktion neu auszuschreiben», sagte Spengler. Die Verdienste Jehles seien für das «Forum» «völlig unbestritten». Zudem sei der Stiftungsrat mit Jehle «im Gespräch».
Trennung im gegenseitigen Einvernehmen
Nun steht fest: Veronika Jehle verlässt das «Forum». Nach der Neubesetzung der Redaktionsleitung haben der Stiftungsrat und Jehle entschieden, das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen aufzulösen. Das «Forum» schreibt, der Stiftungsrat bedauere ihren Weggang «sehr» und danke Jehle «für ihren grossen Einsatz» und wünsche ihr «für ihre berufliche und private Zukunft alles Gute».
Zum Weggang vom «Forum» wollte sich Jehle gegenüber kath.ch nicht äussern.
Für Jehle ist es bereits der zweite markante Einschnitt in ihrer Tätigkeit für die katholische Kirche. 2022 kündigte sie ihre Stelle als Spitalseelsorgerin des Bistums Chur. Hintergrund war die damalige Regelung zur bischöflichen Beauftragung, der sogenannten Missio.
Jehle kritisierte damals, Bischof Joseph Maria Bonnemain und die zuständigen Instanzen seien nicht bereit, transparente Kriterien für die Vergabe einer bischöflichen Beauftragung festzulegen. Der Churer Bischof sagte seinerzeit, wer mit einer Missio die Frohbotschaft verkünde, müsse den Willen haben, «kohärent mit dieser Frohbotschaft sein Leben zu gestalten».
Jehle wertete diese Haltung als Doppelmoral. Sie kritisierte, dass Ehrlichkeit in der katholischen Kirche nicht belohnt werde. Zudem bezeichnete sie es als übergriffig, dass die katholische Kirche als Arbeitgeberin Einblick in das Privat- und Intimleben ihrer Angestellten nehmen wolle.
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