Vitus Ugonna Nwosu: Der gebürtige Nigerianer ist Pfarrer im Untergoms.
Schweiz

Pfarrer Ugonna Vitus Nwosu: «Jesus ist immer derselbe»

Wegen Priestermangels sind viele Länder Europas auf Geistliche aus Afrika und Asien angewiesen. Wie erleben Pfarrer den Wechsel von einer tiefgläubigen Gesellschaft in säkulare Regionen? Ein Gespräch mit Pfarrer Ugonna Vitus Nwosu aus dem Wallis, der aus Nigeria stammt.

Wolfgang Holz

Seit acht Jahren arbeitet Ugonna Vitus Nwosu als Pfarrer im Oberwallis. Seit 1. September kümmert er sich neben den bisherigen Pfarreien Binn, Ernen und Lax auch noch um die Pfarreien Bellwald und Fiesch.

Der 44-jährige Geistliche ist gut integriert und beliebt – nicht nur, weil er jahrelang im Fussballverein Ernen mitgekickt hat. Er bemüht sich um Nähe zu den Menschen und um Lebendigkeit in seinen Pfarreien und versucht deshalb auch, pastorale Elemente aus seiner afrikanischen Heimat in die Gottesdienste einfliessen zu lassen.

Gottesdienste möglichst lebhaft gestalten

Und doch war es für ihn anfangs nicht leicht. «Ich habe, bevor ich in die Schweiz gekommen bin, sechs Jahre schon als Pfarrer in Nigeria gearbeitet – und dort sind die Kirchen noch gut besucht, während hier in der Schweiz nicht mehr so viele Leute in die Kirche gehen», schildert er seine ersten Eindrücke vor Jahren. Deshalb habe er sich beispielsweise entschieden, seine Gottesdienste möglichst lebhaft zu gestalten, um die Gläubigen anzusprechen.

«Als ich das afrikanische Lied einmal nicht gesungen habe, hat man mich hinterher sofort danach gefragt.»

Pfarrer Ugonna Vitus Nwosu aus dem Unterwallis
Pfarrer Ugonna Vitus Nwosu aus dem Unterwallis

«Ich pflege, zum Beispiel, unmittelbar vor der Kommunion einen afrikanischen Lobgesang aus meiner Heimat anzustimmen, um den Gläubigen die Möglichkeit zu geben, vor der Kommunion zu meditieren und über Jesus nachzudenken», erklärt Pfarrer Vitus.

Am Anfang sei dies für die Oberwalliser Gläubigen in seinen Pfarreien noch etwas ungewohnt gewesen. Inzwischen würden es die meisten sehr schätzen. «Als ich das afrikanische Lied einmal nicht gesungen habe, hat man mich hinterher sofort danach gefragt.»

«Heute frei!?»

Es sei für ihn auch am Anfang ungewohnt gewesen, festzustellen, dass viele Menschen hierzulande am Sonntag nur noch sagen würden: «Ich habe heute frei». Dabei wüssten viele nicht mehr, warum sie eigentlich frei hätten – am Tag des Herrn.

Überhaupt stellt er fest, dass das Wissen um Religion und Glauben bei zahlreichen Kirchenmitgliedern nicht mehr so ausgeprägt sei. «Bei Taufgesprächen bemerke ich, dass man oft nicht mehr so recht weiss, um was es bei der Taufe eigentlich geht und warum Taufe so wichtig ist», sagt der Oberwalliser Pfarrer. Er bedauert auch, dass kirchliche Prozessionen in den Dörfern nicht mehr so angesagt seien.

Junge erfahren von Eltern nichts mehr vom Glauben

Die Gründe für diese Situation der Glaubensentfremdung und der zunehmenden Säkularisierung der Gesellschaft sieht der nigerianisch stämmige Geistliche vor allem darin, dass es den Menschen in der Schweiz materiell einfach «sehr gut geht». Aber auch, dass die Jungen eben nicht mehr von ihren Eltern und Grosseltern die christlichen Traditionen weitervererbt bekommen würden. Man könne eben nichts weitergeben, wenn man nichts habe.

«Ich bin mir sicher, dass der Glaube wieder zurückkommt.»

Doch solche Momente frustrieren ihn nicht. «Denn ich betrachte hier meine Aufgabe als Priester neben der Seelsorge auch ein Stück weit als Form der Missionierung beziehungsweise der neuen Evangelisierung der Gesellschaft», sagt Vitus Nwosu selbstbewusst.

Wobei er diese Art der Missionierung vor allem als Akt der Dankbarkeit empfindet. «Ich gebe anderen Gläubigen zurück, was ich bekommen habe», erklärt er. Dabei stören ihn die leeren Kirchen nicht. «Als die Apostel einst für Christus warben, waren die Kirchen auch leer. Ich bin mir sicher, dass der Glaube wieder zurückkommt.»

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Dass er als ausländischer Priester mangels heimischen Priestermangels quasi diese Aufgabe einer «Remissionierung» übernehmen dürfe, erfüllt ihn durchaus mit Freude und mit Stolz. «Dass Ausländer in der Schweiz diese Aufgabe erfüllen, ist ein gutes Zeichen dafür, wie international die Kirche ist. Zudem ist das christliche Evangelium überall auf der Welt dasselbe. Genauso, wie Jesus immer derselbe ist.»


Vitus Ugonna Nwosu: Der gebürtige Nigerianer ist Pfarrer im Untergoms. | © ernen.ch
30. September 2026 | 16:23
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