Paukenschlag im Vatikan: Hans Zollner verlässt Papst-Kommission
Der Präventionsexperte Hans Zollner verlässt die Päpstliche Kinderschutzkommission. Kurz nach Veröffentlichung der Mitteilung äussert er sich auf Twitter selbst zu seinen Beweggründen – und kritisiert die Kommission. Es gebe mangelnde Transparenz und zu wenig Verantwortungsübernahme.
Der Kinderschutzexperte Hans Zollner (56) hat sich wegen «struktureller und praktischer Probleme» aus der Päpstlichen Kinderschutzkommission zurückgezogen. «Während meiner Arbeit für die Kommission habe ich Probleme bemerkt, die dringend angegangen werden müssen und die mir ein weiteres Engagement unmöglich gemacht haben», teilte der deutsche Jesuit am Mittwoch mit. Sorgen äusserte er mit Blick auf die Bereiche Compliance, Verantwortungsübernahme und Transparenz. So seien etwa die Auswahlkriterien für die Kommissionsmitglieder sowie deren genaue Rollen und Aufgaben unklar.
Angespanntes Verhältnis zur Glaubensbehörde
Zollner befand zudem die finanziellen Rechenschaftspflichten des Gremiums als unzureichend. «Es ist von höchster Wichtigkeit für die Kommission, klar zu zeigen, wie sie Fonds in ihrer Arbeit nutzt», teilte der Jesuit mit. Zudem brauche es mehr Transparenz über konkrete Entscheidungswege und eine Regelung, die das Verhältnis zwischen der Kommission und der vatikanischen Glaubensbehörde klärt.
Papst Franziskus hatte die Kinderschutzkommission vergangenes Jahr im Zuge der Kurienreform – der Neuaufstellung der vatikanischen Behörden – in die Glaubensbehörde eingegliedert.
Neu ist Zollner zuständig für Kinderschutz im Bistum Rom
Der Theologe und Psychotherapeut Zollner, der international als Fachmann für die Prävention von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche gilt, war seit Gründung der Päpstlichen Kinderschutzkommission im Jahr 2014 durch Franziskus Mitglied des Gremiums. Er leitet das Institut zum Schutz vor Missbrauch an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Zudem berät er Bischöfe und Priesterausbilder in allen Erdteilen in Sachen Missbrauchs-Prävention. Seit Anfang dieses Monats ist der Experte zudem als Sachverständiger für die diözesane Fachstelle für Kinderschutz im Bistum Rom tätig.
Welt zu einem sicheren Ort für Kinder machen
Zollner kündigte an, sich auf seine Aufgaben für das Bistum Rom und das Institut zu konzentrieren. Es sei sein Ziel, «die Welt durch akademische und wissenschaftliche Bemühungen zu einem sichereren Ort für Kinder und schutzbedürftige Menschen zu machen.» (kna)
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