Kerzen | © Regula Pfeifer
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Kerzen | © Regula Pfeifer

Schwerkranker Junge Alfie Evans in Grossbritannien gestorben

London, 28.4.18 (kath.ch) Der britische Junge Alfie Evans ist infolge seiner schweren Krankheit gestorben. Sein Vater Tom Evans schrieb am Samstag auf Facebook: «Mein Kämpfer hat seinen Schild niedergelegt und Flügel bekommen. Mein Herz ist gebrochen.» Der Tod sei morgens um 2.30 Uhr eingetreten. Das Schicksal des Jungen sorgte international für Aufsehen.

Alfie Evans litt an einem fortschreitenden Abbau des Nervengewebes, der sein Gehirn laut den Ärzten fast vollständig zerstört hatte. Das Oberste Gericht des Vereinigten Königreichs verfügte nach einem Rechtsstreit zwischen der behandelnden Liverpooler Alder-Hey-Kinderklinik und den Eltern den Abbruch der Behandlungen. Der Junge sei austherapiert und am besten im Krankenhaus aufgehoben.

Gegen den Willen der Eltern

Nachdem am Montag dieser Woche die Sauerstoffversorgung gegen den Willen der Eltern abgestellt wurde, atmete der Junge selbstständig weiter – was bei vielen den Eindruck schürte, für Alfie könne es sehr wohl eine rettende Behandlung geben, die aber durch die Gerichte und das britische Gesundheitssystem unterbunden werde. Ein britisches Berufungsgericht bestätigte am Mittwoch noch einmal das Verbot einer Verlegung des Kindes in die Vatikanklinik.

Papst Franziskus, der Tom Evans vorige Woche empfangen hatte, appellierte zuletzt via Twitter, es möge «auf das Leiden seiner Eltern und ihre Bitte gehört» werden, «neue Möglichkeiten der Behandlung zu versuchen». Italiens Regierung trug dem Kind mit Blick auf die vorbereitete Verlegung die Staatsbürgerschaft an, und auch Polens Staatspräsident Andrzej Duda und die US-Bischofskonferenz verwandten sich am Mittwoch für den Jungen, vergeblich.

Papst um Intervention gebeten

Am Donnerstag schlugen die Wellen der Empörung weltweit hoch. «Let this kid live!», flehte ein Twitter-Nutzer. Gebets- und Mahnwachen wurden gehalten. Auf dem Petersplatz in Rom versammelten sich mehrere hundert Menschen, entzündeten Kerzen und beteten für das Kind. Alfies Vater bat den Papst um persönliche Intervention für seinen Sohn.

«Bitte kommen Sie her und schauen Sie sich an, was hier vorgeht», sagte Evans dem italienischen Sender TV 2000. «Schauen Sie, wie unser Kind von dieser Klinik als Geisel gehalten wird. Das ist ungerecht.»

Harsche Kritik an Spital-Mitarbeitern

Dann folgte ein Taktikwechsel der Eltern in Bezug auf das vielgescholtene Alder Hey, dessen Mitarbeiter sich massiven Angriffen ausgesetzt sahen, in Sozialen Netzwerken wie auch öffentlich. In einer am Donnerstagabend veröffentlichten Erklärung dankten Alfies Eltern ausdrücklich dem Klinikpersonal «für ihre Würde und Professionalität». Nach den Strapazen der jüngsten Ereignisse wünsche man nun Privatsphäre für alle Betroffenen.

«In Alfies Interesse werden wir mit seinem Behandlungsteam an einem Plan arbeiten, der unserem Jungen die Würde und Annehmlichkeiten bietet, die er braucht», so die Eltern des Jungen. Ebenso werde es von jetzt an keine Erklärungen oder Interviews mehr geben. Zuvor hatte Tom Evans angekündigt, man wolle alles dafür tun, um Alfie nach Hause zu holen, was nach dem britischen Gesundheitssystem für einen so schwer erkrankten Patienten kaum möglich ist. Dazu ist es nun nicht mehr gekommen.

Papst Franziskus hat seine Anteilnahme am Tod von Alfie Evans bekundet. «Ich bin vom Tod des kleinen Alfie tief getroffen. Heute bete ich besonders für seine Eltern, während Gott der Vater ihn in seine zärtliche Umarmung aufnimmt», verbreitete das Kirchenoberhaupt am Samstag über den Kurznachrichtendienst Twitter. (kna/cic)

Vatikan-Ethiker warnt vor Instrumentalisierung von Alfie Evans

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