Schweiz

Schweizer Volk wünscht gemäss Muslimen vielfältige Berichterstattung

Zürich, 5.3.18 (kath.ch) Auch die Schweizer Muslime begrüssen das deutliche Nein zur «No-Billag»-Initiative. Die Siegerstimmung des mit öffentlichen Mitteln finanzierten Medienhauses SRG hält sich indes zurück. SRG-Generaldirektor Gilles Marchand erklärte am Sonntag, das Unternehmen wolle den neuen gesellschaftlichen Bedürfnissen Rechnung tragen.

Das Schweizer Volk hat entschieden, dass es weiterhin an einer vielfältigen Berichterstattung festhalten möchte, erklärte der Mediensprecher der Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz (FIDS), Önder Güneş, am späten Sonntagnachmittag gegenüber kath.ch. Die FIDS begrüsse den Entscheid der Schweizer Stimmbevölkerung, «welche eine weiterhin ausgewogene Berichterstattung sehen und hören möchte».

Die konstruktiv gelebte Diversität der Schweiz ist Teil der nationalen Identität und ein wichtiger Bestandteil «unseres Wertesystems. Auf ihrer Basis haben Volk und Stände jenes politische System aufgebaut, dem wir den Erfolg der Schweiz verdanken», schreibt der Präsident der Waadtländer Vereinigung der Muslime (UVAM), Pascal Gemperli.

Wichtiger Beitrag für den Zusammenhalt

Der Service public der öffentlich-rechtlichen Medien leiste einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der nationalen Kohäsion, zum Schutz der sprachlichen und religiösen Minderheiten und somit zum Wohl der Schweiz, schreibt die grösste muslimische Vereinigung in der Westschweiz.

Schweizer Muslime hatten sich bereits im Vorfeld der Abstimmung zur Vorlage geäussert. Eine Annahme der Initiative hätte die Berichterstattung über die religiösen Minderheiten in der Schweiz gefährdet, fürchtete die UVAM. Eine gute Berichterstattung baue Vorurteile ab.

SRG sieht sich in der Pflicht

Um die SRG wird es auch in Zukunft nicht ruhig sein. Das sieht auch SRG-Generaldirektor Gilles Marchand so. Der politischer Druck auf die SRG bleibt bestehen. Im vergangenen Herbst tauchte der Vorschlag einer «Halbierungs-Initiative» in Bundesbern auf, die eine Halbierung der SRG-Gebühren will.

Diese Gebühren dürften aufgrund von entsprechenden politischen Vorstössen bereits in diesem Frühling im Parlament zur Debatte gestellt werden. Die SRG-Kritiker haben als Rückendeckung das Radio- und Fernsehgesetz (RTVG), das 2015 mit einer hauchdünnen Mehrheit von 3700 Stimmen an der Urne angenommen wurde.

SRG plant Änderungen

Gilles Marchand erklärte noch am Abstimmungssonntag: «Wir wollen die Rückmeldungen aus der Gesellschaft einfliessen lassen, sowohl die ermutigenden als auch die kritischen.» Die SRG wolle in einem ersten Schritt die Umsetzung dreier Reformpakete an die Hand nehmen.

Die SRG werde aufgrund der Gebührensenkung und wegen der vom Bundesrat vorgenommenen Plafonierung der Einnahmen sowie infolge der stetig sinkenden Werbeerlöse einen Effizienzsteigerungs- und Reinvestitionsplan umsetzen. Marchand spricht von sparen und effizienter werden.

Konkurrenz Rechnung tragen

Die SRG verzichte künftig darauf, die abendlichen Spielfilme durch Werbung zu unterbrechen. Künftig soll auf der Info-Online-Website von SRF, RTS und RSI darauf verzichtet werden, Texte ohne Verbindung zu einem Audio oder Video zu publizieren. Das Internetportal steht in direkter Konkurrenz zu Internet-Medienportalen anderer Medienhäuser, die sich durch Werbung finanzieren müssen.

Im kommerziellen Bereich respektiert die SRG gemäss Marchand, dass ihr Onlinewerbung auf absehbare Zeit untersagt bleibt. Die SRG wolle keine regionale, zielgruppenspezifische Werbung anbieten. Auf diese Weise sollen die «Konkurrenz zu regionalen Medien» nicht verschärft werden.

Den privaten Schweizer Medienanbietern will die SRG des weiteren ihre Archivinhalte zur Verfügung stellen. Die SRG erklärt sich zudem bereit, gemeinsam mit anderen Schweizer Radiostationen einen «nationalen Radio-Player» aufzubauen. (gs)

SRF-Studio in Zürich | © SRF/Oscar Alessio
5. März 2018 | 16:09
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