Engagierte Frauengruppe von "Kirche mit den Frauen" im Vatikan
Schweiz

Zehn Jahre nach «Kirche mit den Frauen»: «Ad-limina»-Besuch von Schweizer Frauen im Vatikan

Eine Delegation von 16 Frauen aus allen Bistümern der Schweiz ist diesen Sommer nach Rom gereist, um sich für die Umsetzung einer «Kirche mit den Frauen» einzusetzen. Zum Zehn-Jahr-Jubiläum der Pilgerreise von St. Gallen nach Rom traf die Gruppe führende Frauen im Vatikan, wie ein Bericht vom Dienstag aufzeigt.

Lucienne Bittar (cath.ch)

Die Schweizer Delegation von «Kirche mit den Frauen» hat sich aus Anlass von zehn Jahren «Kirche mit den Frauen» am 2. und 3. Juli in Rom mit führenden Frauen im Vatikan – und in dessen Umfeld – getroffen.

Unter anderem konnten sie sich mit der Untersekretärin der Weltsynode Nathalie Becquart und mit der Untersekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, Linda Ghisoni austauschen. Sie sprachen mit Linda Pocher, Koordinatorin von Kardinalsrat-Konferenzen zum Thema «Frauen in der Kirche» von 2023 bis 2024.

Sie trafen Kate McElwee von der «Women’s Ordination Conference» (WOC) und Roxanne Schares von der Internationalen Union der Generaloberinnen (UISG). Die Schweizer Delegierte an der Synode über die Synodalität, Helena Jeppesen-Spuhler, hatte dank ihrem Netzwerk den Zugang zu den Dikasterien ermöglicht.

Vom Marsch zum Netzwerk

«Was 2016 mit einem 1200 Kilometer langen Marsch begann, hat sich zu einem umfangreichen Netzwerk entwickelt», bemerkt Mariette Mumenthaler vom Netzwerk «Frauen in der Kirche» im Bericht, den die Delegation am 18. August verfasste und an cath.ch sandte.

Pilgergruppe "Kirche mit* den Frauen" in Rom, 2016
Pilgergruppe "Kirche mit* den Frauen" in Rom, 2016

Die Bewegung «Kirche mit den Frauen» entstand 2014. Ihr Höhepunkt war eine Pilgerreise von St. Gallen nach Rom vom 2. Mai bis zum 2. Juli 2016. Acht Frauen und ein Mann legten damals die gesamte Strecke zu Fuss zurück, andere schlossen sich ihnen für die eine oder andere Etappe an.

Felix Gmür, Bischof von Basel, feierte damals bei ihrer Ankunft in Rom eine Messe und bestärkte sie in ihrem Engagement zur Reform der Kirche. Der inzwischen emeritierte Bischof Markus Büchel von St. Gallen wirkte als Vermittler, um Papst Franziskus einen Brief der Bewegung zu überreichen.

In der Kirche stark engagierte Frauen

Eine Gruppe von sechzehn Frauen reiste am vergangenen 2. und 3. Juli zu einer Art «Ad-limina»-Besuch nach Rom. Sie wollten das zehnjährige Jubiläum der damaligen Pilgerreise feiern und der Bewegung «Kirche mit den Frauen» neuen Schwung verleihen. Die Gruppe übernahm bewusst die kirchliche Terminologie «Ad limina-Besuch», obwohl sich unter ihnen keine Bischöfe befanden.

«Diese Frauen aus allen Diözesen der Schweiz reisten nach Rom, um ihre Standpunkte einzubringen, mit Vertretern des Vatikans und internationaler katholischer Netzwerke zu sprechen und die Anliegen der Frauen in der Kirche sichtbar zu machen», heisst es im Bericht.

Die Schweizer Delegierte Helena Jeppesen-Spuler (vorne) spricht engagiert, hinten Weltsynode-Untersekretärin Natalie Becquart
Die Schweizer Delegierte Helena Jeppesen-Spuler (vorne) spricht engagiert, hinten Weltsynode-Untersekretärin Natalie Becquart

Die Gruppe setzte sich zusammen aus einigen Pilgerinnen von 2016, Freiwilligen oder Angestellten der Bistümer, Mitgliedern von Kirchen- und Synodalräten sowie Vertreterinnen des Frauenbunds Schweiz, des Netzwerks «Frauen in der Kirche», der Allianz Gleichwürdig Katholisch, des Frauenrats der Schweizer Bischofskonferenz und des Internationalen katholischen Frauenrats (Catholic Women’s Council, CWC).

Ihr Besuch war geprägt von Begegnungen im Synodensekretariat, beim internationalen Frauennetzwerk «Unión Mundial de las Organizaciones Femeninas Católicas» (UMOFC), bei der Redaktion «Vatican News» und in den Dikasterien. Die Gruppe bekräftigte jedes Mal ihre Hauptanliegen: Die Gleichstellung muss ganz oben auf der Reformagenda der Kirche stehen. Und die Zukunft der Kirche darf nicht mehr ohne die Frauen gedacht und beschlossen werden.

Bedeutung der Vernetzung

Viele Gesprächspartnerinnen zeigten sich optimistisch. Die Hindernisse für die uneingeschränkte Teilhabe von Frauen seien kein unvermeidliches Schicksal. Vielmehr gelte es, diesbezüglich kulturelle Barrieren zu überwinden, betonte Schwester Nathalie Becquart. «Wir müssen die Mentalitäten auf allen Ebenen ändern, nicht nur im Vatikan, sondern auch in den Bistümern weltweit», merkte sie bei einem Treffen mit der Schweizer Delegation an.

Linda Ghisoni, Kirchenrechtlerin und seit 2017 Unterstaatssekretärin des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben, sprach über die Bedeutung von Begegnungen. Sie hob die persönlichen Beziehungen hervor, die für jede Zusammenarbeit unverzichtbar sind. «Wer sich kennt, kann Brücken bauen und gemeinsam den Wandel vorantreiben.»

Ein globales Anliegen

«Dieses Treffen», so kommentieren die Frauen aus der Schweiz in ihrem Bericht, «hat uns wirklich das Gefühl gegeben, dass wir mit unseren Anliegen nicht allein sind. Frauen auf der ganzen Welt arbeiten mit grosser Kompetenz und Ausdauer daran, eine dem Evangelium treue Kirche zu gestalten.»

So zum Beispiel die Internationale Union der Generaloberinnen (UISG), die rund 1’900 Frauenorden und damit 600’000 Frauen weltweit vereint. Sie setzt sich für soziale Gerechtigkeit und eine synodale Kirche ein. Oder die Weltunion der katholischen Frauenorganisationen (UMOFC): Das weltweite Netzwerk vertritt Millionen von Frauen im Vatikan und bringt deren Anliegen bei internationalen Gremien wie die Vereinten Nationen, den Europarat, die Unesco und Caritas Internationalis ein. Frauenbund Schweiz strebt die Vollmitgliedschaft bei der UMOFC an.

María Lamas von der UMOFC erzählte der Gruppe von der «Schule der Synodalität». Dieses internationale Bildungsprogramm stärkt Frauen und ermöglicht ihnen, ihre Verantwortung in Kirche und Gesellschaft wahrzunehmen und sich aktiv in synodale Prozesse einzubringen.

Unterschiedliche Ansichten zur Gleichstellung

«Die Verantwortlichen, mit denen die Delegation zusammentraf, teilen nicht alle dieselbe Vision einer Gleichstellung der Geschlechter in der Kirche», betont Helena Jeppesen-Spuhler gegenüber cath.ch. Für Kate McElwee, Geschäftsführerin der «Women’s Ordination Conference» (WOC), führt die Gleichstellung über den Zugang zum Weihesakrament, während Linda Pocher sich für Veränderungen im Bereich der Liturgie einsetzt. «Dennoch hatte ich den Eindruck, dass sie alle sehr am Austausch interessiert und beeindruckt von dem Engagement der Schweizer Frauen waren.»

Eine Schweizer Delegierte hätten ihr Engagement für die Frauenordination angesprochen, berichtet sie weiter. Andere erwähnten die Ernennung von Frauen zu Gemeindeleiterinnen im Bistum St. Gallen mit dem Recht, Predigten zu halten und zu taufen.

Weitere die regelmässige Abhaltung des Donnerstagsgebets in bestimmten Pfarreien. Dieses Gebet für Erneuerung und Wandel in der Kirche hatte eine Gruppe um die Priorin Irene Gassmann von in der Benediktinerabtei Fahr im Kanton Aargau ins Leben gerufen.

Priorin Irene: «Botschaft ist in Rom angekommen»

Priorin Irene Gassmann selbst war diesmal nicht nach Rom mitgereist. Sie bleibt aber «Kirche mit den Frauen» weiterhin eng verbunden. Im Februar 2026 fand im Kloster Fahr ein Treffen für eine Bestandesaufnahme von «Kirche mit den Frauen» vorzunehmen.

Priorin Irene Gassmann pilgerte 2016 für die Sache der Frau nach Rom.
Priorin Irene Gassmann pilgerte 2016 für die Sache der Frau nach Rom.

Von kath.ch befragt, erklärte Priorin Irene Gassmann damals: «Die kirchliche Welt hat sich in den letzten zehn Jahren doch weiterentwickelt – auch wenn es nur kleine Schritte sind. Das gilt zum Beispiel für den Synodenprozess und die Mitwirkung von Frauen mit Stimmrecht. Die Botschaft, dass Frauen in der katholischen Kirche in Entscheidungen und in die Leitung einbezogen werden müssen, ist in der Schweiz und in Rom angekommen.»

Aufruf an die Bischöfe der Schweiz

Diese optimistische Einschätzung teilt Helena Jeppesen-Spuhler nur teilweise. Für die Schweizer Delegierte an der Synode über die Synodalität kann die Kirche in der Schweiz noch mehr leisten. «Unserer Kirche mangelt es an Engagement in der ‹Aussenpolitik›», kritisiert sie.

«Unsere Bischöfe müssen – unterstützt von den Laien und in Fortführung des synodalen Prozesses – die Themen rund um die Frage der Frauen in der Kirche in die verschiedenen römischen Dikasterien einbringen und daran arbeiten. Sie haben einen privilegierten Zugang zu den Dikasterien.» Für die Laien sei es hingegen viel schwieriger, sich in Rom Gehör zu verschaffen. (Übersetzung und Adaption: Regula Pfeifer)

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Engagierte Frauengruppe von «Kirche mit den Frauen» im Vatikan | © zVg
20. August 2026 | 17:00
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