Gebet anlässlich der SBK-Versammlung in Einsiedeln
Schweiz

SBK einigt sich auf weiteres Vorgehen in Sachen Missbrauch

Die Schweizer Bischöfe haben einiges beschlossen an den drei Tagen im Kloster Einsiedeln diese Woche, gerade zum Thema Missbrauch. Der erste Austausch mit den Betroffenenorganisationen stand im Zentrum. Bekannt wurde auch: Der Antrag für ein nationales kirchliches Strafgericht wurde nach Rom geschickt.

Magdalena Thiele

Der Antrag für die Erlaubnis zur Einrichtung eines nationalen kirchlichen Strafgerichts wurde nach Rom abgeschickt. Damit ist die SBK-Vollversammlung in Einsiedeln einen entscheidenden Schritt in Sachen Missbrauchsbekämpfung vorangegangen. Ob der Vatikan dazu sein Nihil obstat gibt, bleibt allerdings abzuwarten.

Der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain stellte den Mitgliedern der SBK das Einverständnisgesuch vor. Er war zuvor seitens des Vatikan dazu angewiesen worden, den Vorwürfen gegen vier Mitglieder der Bischofskonferenz im Rahmen einer Voruntersuchung nachzugehen und ist damit federführend in puncto Missbrauchsaufklärung.

Alle Mitglieder der SBK haben das Gesuch an das höchste Gericht der apostolischen Signatur in Rom überzeugt und vorbehaltslos unterschrieben, teilte die Sprecherin des Bistums Chur, Nicole Büchel, mit.

SBK-Versammlung in Einsiedeln
SBK-Versammlung in Einsiedeln

Ein weiterer wichtiger Schritt war das Zusammentreffen der SBK mit den Organisationen der Missbrauchsbetroffenen IG-M!KU (Interessengemeinschaft für Missbrauchsbetroffene im kirchlichen Umfeld) und Groupe Sapec (Vereinigung in der Westschweiz zur Unterstützung von Missbrauchsopfern).

Lange hatte sich vor allem die Präsidentin der IG-M!KU, Vreni Peterer, einen persönlichen Austausch mit den Bischöfen gewünscht. Erst kürzlich bei der Generalversammlung der Missbrauchsbetroffenen in Zürich Anfang März hatte Peterer dieses Anliegen gegenüber dem Missbrauchsbeauftragten der SBK, Bischof Joseph Maria Bonnemain, noch einmal vorgetragen.

Bischof Bonnemain dankt für Dialogbereitschaft

Jede Begegnung mit Betroffenen sei für Bischof Joseph Maria Bonnemain bewegend und berührten ihn tief, sagt Büchel. «Er ist sehr dankbar, dass sie weiterhin mit der Kirche im Dialog bleiben und ihr nicht den Rücken kehren. Sie sind essentiell für die bestmögliche Bewältigung der Aufarbeitung einerseits und die optimalste Prävention andererseits.»

Ausserdem hoffe Bonnemain, dass die Betroffenen bei der Begegnung in Einsiedeln die Wertschätzung und aufrichtige Anteilnahme seitens der Schweizer Bischöfe und Äbte spüren konnten. Er sei sich bewusst, dass sie sich viel öfter sehen und sprechen müssten, sollten, vielleicht auch könnten. «Die Zeit, die Möglichkeit und der Moment sind einfach nicht immer gegeben oder verstreichen zu schnell», erklärt die Bistumssprecherin. Doch er vertraue fest darauf, dass sie sich wieder sehen und gemeinsam weiterarbeiten – und dafür danke er ihnen nochmals.

Vreni Peterer auf einem Podium der Paulus-Akademie in Zürich über die Ergebnisse der Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch im kirchlichen Umfeld
Vreni Peterer auf einem Podium der Paulus-Akademie in Zürich über die Ergebnisse der Pilotstudie zu sexuellem Missbrauch im kirchlichen Umfeld

Der Bischof ist zufrieden, Peterer hingegen zeigte sich im Interview mit kath.ch enttäuscht. «Ich bin mir nicht sicher, ob alle Bischöfe wirklich dazugelernt haben und die Zusammenhänge erkennen.» Alle Aussagen seien sehr floskelhaft. «Ich habe den Eindruck, viele Bischöfe sind des Themas Missbrauch überdrüssig und unsere IG-MikU ist für sie ein rotes Tuch.» Es sei allerdings für die Betroffenen immens wichtig, von der Kirche gesehen und gehört zu werden.

Überregionale Zusammenarbeit in der Gesundheitspastoral

Weiter beschloss die Bischofskonferenz, sich bei der Gesundheitspastoral künftig zusammenzutun. Eine nationale ökumenische Koordinationsstelle für die Pastoral im Gesundheitswesen, getragen von der Schweizer Bischofskonferenz (SBK), der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz (RKZ) und der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, soll helfen, die Anliegen der Seelsorge verstärkt in die Gespräche auf nationaler Ebene zu bringen.

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Dieser Schritt sei nötig, «weil sich die Seelsorge in Gesundheitsinstitutionen zur Zeit in einem starken Wandel befindet und es wichtig ist, diesen Wandel seitens der Kirche aktiv mitzugestalten», sagt Simon Peng-Keller, Professor für Spiritual Care an der Universität Zürich und Mitglied der Arbeitsgruppe SeeliG, Seelsorge im Gesundheitswesen. Die geplante Koordinationsstelle könne dazu dienen, Kräfte zu bündeln, den Austausch auf nationaler Ebene zu fördern und kantons- und konfessionsübergreifende Initiativen zu stärken.

Appell an die Schweizer Politik

Hinsichtlich der aktuellen militärischen Konflikte, der sich ausbreitenden Armut und des nur schleppend vorankommenden Umweltschutzes begrüsste die SBK die Initiative der Schweiz, auf dem Bürgenstock die Ukraine-Friedenskonferenz abzuhalten.

Gebet anlässlich der SBK-Versammlung in Einsiedeln
Gebet anlässlich der SBK-Versammlung in Einsiedeln

Sie warnt aber davor, die Ausgaben für Entwicklungshilfe zugunsten einer stärkeren Verteidigung zu reduzieren. Armutsbekämpfung sei ein zentrales Anliegen der katholischen Kirche, Ausdruck christlicher Solidarität Teil der internationalen Verantwortung eines reichen Landes wie der Schweiz.


Gebet anlässlich der SBK-Versammlung in Einsiedeln | © Schweizer Bischofskonferenz
7. Juni 2024 | 17:00
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