Rudolf Vögele setzte sich für eine menschennahe Pastoral ein
Jüngst verlor Rudolf Vögele seinen Kampf gegen die Krebserkrankung. Der frühere Leiter des Ressorts Pastoral im Generalvikariat Zürich-Glarus verstarb kurz nach seiner Pensionierung im 66. Lebensjahr. Er war stets ein engagierter Erneuerer und Impulsgeber.
«Rudolf Vögele hatte ein feines Gespür für das, was in unserer Kirche anders und neu werden muss. Der neue Wein braucht neue Schläuche, meinte er oft in Anlehnung an ein Wort Jesu. Nicht zuletzt hat er darunter gelitten, wenn es nicht vorwärts ging und der Klerikalismus seine Blüten trieb», würdigte der ehemalige Generalvikar Josef Annen den Verstorbenen.
16 Jahre wirkte Rudolf Vögele in der Pastoralentwicklung des Zürcher Kirche und des Bistums Chur. Als gelernter Bäcker und promovierter Theologe lag ihm die Verbindung von Theorie und Praxis besonders am Herzen.
Engagierte sich für Erneuerungsprozesse
In zahllosen Projekten in Pfarreien und kirchlichen Dienststellen engagierte er sich für zeitgemässe Erneuerungsprozesse. Sei es für eine menschennahe Pastoral in Ehe und Partnerschaft jenseits festgefahrener Moralvorstellungen des kirchlichen Lehramts, sei es für eine umfassende Reform kirchlicher Strukturen. So war Rudolf Vögele einer der massgeblichen Impulsgeber des synodalen Prozesses im Bistum Chur.
Sein Wirken beschränkte sich aber nicht nur auf die Zürcher Kirche. Auch auf nationaler Ebene setzte er in der Pastoralkommission der Bischofskonferenz wie auch als zeitweiser Präsident der Konferenz der Pastoralamtsleiter massgebliche Akzente.
Auch publizistisch als Theologe tätig
Als Theologe war Vögele immer auch publizistisch tätig, dabei stellte er konsequent die Bedürfnisse der Menschen ins Zentrum, nicht das Überleben der Institution Kirche. So schrieb er in seinem letzten Werk »Die ausgetretene Kirche», nicht die Menschen würden die Kirche verlassen, sondern die Kirche sei «aus dem Alltags- und Glaubensleben der Menschen ausgetreten».
Sein Ziel als Pastoralamtsleiter war es, diese Entwicklung umzukehren und die Gläubigen selbst als Gestaltende des kirchlichen Lebens zu verstehen. Folgerichtig war ihm die Förderung der Freiwilligenarbeit ein wichtiges Anliegen.
Auf dem Velo jährlich nach Einsiedeln
Als begeisterter Bewegungsmensch, sowohl wörtlich auf dem Velo etwa auf der jährlichen Wallfahrt nach Einsiedeln, als auch bildhaft in seiner pastoraltheologischen Arbeit, engagierte sich Vögele gegen jeden Stillstand.
«Im Seelsorgerat engagierte er sich jahrelang für die Wallfahrt der Zürcher Katholikinnen und Katholiken nach Einsiedeln, indem er selber die Velogruppe leitete und die gemeinsame Liturgie in der Klosterkirche vorbereitete», würdigt Luis Varandas, Generalvikar für die Bistumsregion Zürich-Glarus, den Verstorbenen.
Selbstgebackene Linzertorte
Ebenfalls im Seelsorgerat habe sich Vögele, so Varandas, ausgehend von der Päpstlichen Enzyklika «Laudato si», für die Nachhaltigkeit eingesetzt. «Zu bestimmten Anlässen und Zusammenkünften im Jahr kredenzte er gerne seine berühmte und sehr feine Linzertorte, natürlich selbst gebacken, war er doch vom Fach. Um den 6. Dezember war Rudolf gerne als Nikolaus unterwegs und besuchte auch einmal als Bischof von Myra das Generalvikariat», erinnert sich Varandas.
Grosse Hoffnungen setzte Rudolf Vögele in die von Papst Franziskus angestossenen Reformprozesse, deren Früchte er leider nur noch in ihren vagen Ansätzen miterleben durfte. (woz/Katholische Kirche im Kanton Zürich)
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