Rita Famos über Weihnachten: Selenskyj ist ein «mit messianischen Hoffnungen» gefeierter Beschützer
Putins Angriff auf die Ukraine ist für den deutschen Kanzler Olaf Scholz eine «Zeitenwende». Die eigentliche «Zeitenwende» war jedoch Jesu Geburt vor über 2000 Jahren. Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj werden Messias-Attribute zugeschrieben, beobachtet EKS-Präsidentin Rita Famos.
«Der mit messianischen Hoffnungen gefeierte Beschützer der Ukraine ist kein kleines Kind in Windeln, sondern ein Staatspräsident in Uniform. Vergangene Weihnachten hätte sich noch niemand vorstellen können, dass ausgerechnet dieser Typus zum neuen Hoffnungsträger heranwächst. (…)
Weihnachten hat eine weitere Zäsur erlebt: Weihnachten vor, während und nach dem Krieg Russlands gegen die Ukraine. Was haben diese Beschwörungen von neuen «Zeitenwenden» mit der ursprünglichen «Zeitenwende» zu tun, die die christliche Welt mit der Geburt Jesu datiert? (…)
In einer Zeit, in der der römische Machtapparat Jerusalem eroberte, das Land plünderte, den König Herodes von Roms Gnaden einsetzte, Widerständige ans Kreuz schlug, herrschte eine grosse Verunsicherung und Zukunftsangst im jüdischen Volk. Apokalyptische Ankündigungen des Weltuntergangs und Heilsverkünder verschiedenster Provenienz hielten sich die Waage. Jesus von Nazareth hob sich von allen ab und setzte sich durch. Er schloss einerseits die Reihen gegen innen: Gottesliebe, Nächstenliebe, Selbstliebe waren seine Kernbotschaften. Keiner soll zurückbleiben und verlorengehen. Auf jeden Einzelnen kommt es an. Gerade Frauen und Kinder erhielten eine besondere Bedeutung.
In dieser solidarischen Vergemeinschaftung der Kräfte schuf er ein grosses Potenzial zur Krisenbewältigung und Resilienz. Andererseits benannte er die Unterschiede von Gut und Böse und rief zu Wachsamkeit und Widerstand auf: Wer nicht mit mir ist, ist gegen mich (Matthäus 12,30). Schliesslich verkündete er die Hoffnung auf die Umkehrung der Mächte: Gott wird die Mächtigen vom Thron stürzen und Niedrige erhöhen (Matthäus 5,6). (…)
Jesus fordert, die guten von den falschen Propheten anhand ihrer Früchte zu unterscheiden. Sie unterscheiden sich darin, was sie bewirken. Was das bedeutet, hat Jesus in seiner Abschiedsrede erklärt: «Ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet, ich war krank, und ihr habt euch meiner angenommen, ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.» (Lukas 36) Wo Menschen das mit Gottes Hilfe tun, werden Recht und Gerechtigkeit neu geboren. Dann wird es nicht nur Weihnachten, dann wird alles neu.»
Die Pfarrerin Rita Famos (56) ist Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz. Ihr Gastbeitrag «Diese Weihnachten ist der mit messianischen Hoffnungen gefeierte Beschützer kein kleines Kind in Windeln, sondern ein Staatspräsident in Uniform» ist in der NZZ erschienen. (rr)
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