Paul Martone
Schweiz

Paul Martone: «Im Wallis verstehen viele die Gehorsamsverweigerung der Piusbrüder nicht»

Die verbotenen Bischofsweihen der Piusbruderschaft am Mittwoch haben in der Walliser Bevölkerung «keine grosse Unruhe» verursacht, aber Unverständnis. Das sagt Paul Martone, Sprecher des Bistums Sitten. Für Gläubige mit Vorliebe für den tridentinischen Ritus leitet er jeden Monat eine solche Messe, bald auch im Oberwallis.

Regula Pfeifer

Wie ist es für das Bistum Sitten, eine Bruderschaft auf eigenem Gebiet zu haben, die sich den Vorgaben des Papstes widersetzt?

Paul Martone*: Grundsätzlich ist es immer zu bedauern, wenn auf dem Gebiet unseres Bistums eine Bruderschaft, oder auch sonst eine Gesellschaft existiert, die sich den Vorgaben des Papstes widersetzt. Aber gleichzeitig müssen wir schweren Herzen diesen Ungehorsam dem Heiligen Vater gegenüber respektieren, selbst wenn wir ihn nicht nachvollziehen können. Das schmerzt natürlich sehr!

«Wir geben durch diese Spaltung ein wahrlich schlechtes Zeugnis ab.»

Weshalb schmerzt es?

Martone: Gerade wir als christliche Kirche, die sich auf Jesus Christus beruft, dem die Einheit unter den Menschen ein so grossen Herzensanliegen war, geben durch diese Spaltung ein wahrlich schlechtes Zeugnis ab. Ich hoffe, dass die Verantwortlichen der Piusbruderschaft sich diese eklatante Gehorsamsverweigerung gut überlegt haben, und sie vor ihrem persönlichen Gewissen verantworten können, selbst wenn ihre Argumentation, die dies durch eine Notlage rechtfertigt, meiner Meinung nach mehr als dürftig ist. Bei allem guten Willen kann auch ein Gewissen irren, dann nämlich, wenn es eine Handlung irrtümlicherweise für gut hält, die in Wahrheit falsch ist.

Sind die Gläubigen im Bistum Sitten durch die verbotenen Bischofsweihen der Piusbrüder beunruhigt worden?

Martone: Im Gegensatz zu den Bischofsweihen im Jahr 1988 durch Erzbischof Marcel Lefebvre ist in der Bevölkerung des Wallis keine grosse Unruhe zu bemerken. Vielmehr können viele es nicht verstehen, dass die Mitglieder der Piusbruderschaft Pius X. sich so vehement gegen einen Konsens mit der römisch-katholischen Kirche wehren und an ihrem falschen Verständnis von Tradition festhalten. Besonders auch – und das finde ich das Paradoxe an der ganzen Geschichte – weil die Bruderschaft sich ja auf den heiligen Papst Pius X. beruft, dessen päpstliches Leitmotto lautete: «Instaurare omnia in Christo» (Alles in Christus erneuern). Erneuern, indem man das Alte so belässt, wie es ist, ist wohl kaum möglich.

«Von 16’000 Teilnehmenden an den Bischofsweihen waren nur 2500 Schweizerinnen und Schweizer.»

Von den rund 16’000 Menschen, die an der Bischofsweihe am 1. Juli teilgenommen haben, waren übrigens insgesamt 2524 Schweizerinnen und Schweizer, wie viele von diesen Walliser sind, ist nicht bekannt.

Tausende von Besucherinnen und Besucher sind zur Bischofsweihe in Ecône gepilgert.
Tausende von Besucherinnen und Besucher sind zur Bischofsweihe in Ecône gepilgert.

Wie beruhigen Sie seitens des Bistums die Gläubigen?

Martone: Ich denke, es ist nicht nötig die Gläubigen des Bistums zu ruhigen. Was wir aber tun, ist, sie zum Gebet aufzurufen, damit möglichst vielen Menschen der Piusbruderschaft durch die nun ausgesprochene Exkommunikation die Augen aufgehen, denn es ist im römischen Dekret nun klar gesagt, «dass die Geistlichen der Priesterbruderschaft St. Pius X. die Sakramente unerlaubt spenden und dass das von ihnen gespendete Busssakrament sowie die von ihnen assistierten Eheschliessungen ungültig sind». Wir hoffen sehr, dass viele Anhänger der Priesterbruderschaft umkehren und wiederum den Weg in die römisch-katholische Kirche zurückfinden. Das römische Dekret hält auch dazu fest, dass die Kirche als fürsorgliche Mutter «all jene mit aufrichtiger Zuneigung und tiefer Sorge willkommen heissen, die in die volle Gemeinschaft zurückkehren wollen».

«Einflussreiche Persönlichkeiten unseres Kantons waren damals Sympathisanten der Piusbruderschaft.»

Hat die Piusbruderschaft im Wallis einen wachsenden Einfluss? Wenn ja: Wie stellen Sie das fest?

Martone: Die Piusbruderschaft hat bei breiten Bevölkerungsschichten des Wallis keinen wachsenden Einfluss. Eher im Gegenteil, wie etwa die – im Vergleich zu 1988 – geringen Reaktionen auf die jüngsten Bischofsweihen zeigen. Dass das Seminar dieser Bruderschaft ausgerechnet im Wallis errichtet worden ist, hat auch damit zu tun, dass mehrere einflussreiche Persönlichkeiten unseres Kantons damals Sympathisanten dieser Bruderschaft waren und ihr hier eine Möglichkeit eröffnete, ihr Seminar auch gegen den Willen des damaligen Bischofs Nestor Adam zu errichten. Diese Persönlichkeiten sind inzwischen verstorben.

Mehr als 700 Priester und Patres nehmen an der Zeremonie teil.
Mehr als 700 Priester und Patres nehmen an der Zeremonie teil.

Missioniert sie aktiv in der Bevölkerung?

Martone: Die Piusbruderschaft feiert zwar regelmässig Heilige Messen in einigen Kapellen, die ihnen gehören, zum Beispiel in Glis, einem Stadtteil von Brig-Glis. Doch kann man dabei nicht von einer Missionstätigkeit sprechen.

«Ab August werde ich auch im Oberwallis Messen im ausserordentlichen Ritus feiern.»

Was halten Sie vom Bistum dem Einfluss der Piusbrüder entgegen?

Martone: Das Bistum Sitten bietet allen Menschen, denen es um die lateinische Messe geht, regelmässig solche im tridentinischen Ritus an. So feiere ich am 2. Sonntag eines jeden Monats eine Messe im ausserordentlichen Ritus in der Pfarrkirche von Saint-Pierre de-Clages, und ab dem kommenden August werde ich dies auch jeden 4. Sonntag im Monat auch im Oberwallis tun und zwar in der Pfarrkirche von Termen.

Dem Bistum Sitten war und ist es zudem ein Anliegen, die Messen im heute üblichen ordentlichen Ritus gemäss den römischen Vorgaben zu feiern, denn auch dieser Ritus ist sehr reich und hilft zu einer Begegnung mit Gott.

*Paul Martone ist Walliser Priester und Sprecher des deutschsprachigen Teils des Bistums Sitten.

Tridentinische Messe – «Alte Messe»

(KNA/rp) Als tridentinische Messe bezeichnet man den
lateinischsprachigen Gottesdienst im überlieferten alten Ritus, wie
er nach dem Konzil von Trient (1545-1563) für die katholische Kirche
weltweit vorgeschrieben war. Man nennt die tridentinische Messe auch Messe im ausserordentlichen Ritus oder lateinische Messe.

Eine Messe nach dem alten Ritus
Eine Messe nach dem alten Ritus

Diese Messbücher wurden nach dem Zweiten
Vatikanischen Konzil (1962-1965) schrittweise durch eine erneuerte
Liturgie ersetzt, die in der Regel in der jeweiligen Landessprache
gefeiert wird. Latein blieb aber erlaubt.

Gegen diese Liturgiereform wandte und wendet sich unter anderen die
traditionalistische Piusbruderschaft um den französischen Erzbischof
Marcel Lefebvre (1905-1991). Sie hält die Einführung der
Landessprache und die stärkere Einbeziehung der Gemeinde in die
Messfeier für verfehlt. Um ihnen entgegenzukommen, gestattete 1984
Papst Johannes Paul II. (1978-2005) die Verwendung der alten,
tridentinischen Messe nach dem letzten vorkonziliaren Messbuch von
1962 unter strengen Auflagen. Dennoch überwarfen sich Lefebvre und
seine engsten Anhänger mit dem Vatikan.

Die tridentinische Messe hat in den USA, aber auch in einigen Ländern
Europas, etwa in Frankreich, in konservativen Kreisen viel Zuspruch.
2007 erlaubte Benedikt XVI. (2005-2013) mit seinem Schreiben
«Summorum Pontificum», dass wieder öfter Gottesdienste in der
Kirchensprache Latein nach dem Ritus von 1962 gefeiert werden dürfen.
Er benannte eine Reihe von Vorgaben, um diese Feiern in die Einheit
der Kirche und die Diözesen einzubinden.

2021 nahm Papst Franziskus diese Zugeständnisse weitgehend wieder
zurück. Seit 2023 dürfen die Ortsbischöfe in dieser Frage nicht mehr
ohne Zustimmung Roms agieren.

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Paul Martone | © Jacqueline Straub
3. Juli 2026 | 17:30
Lesezeit : ca. 4  Min.
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