Schweiz

Konzernverantwortungsinitiative kommt mit Gegenvorschlag

Die Konzernverantwortungsinitiative kommt mit einem indirekten Gegenvorschlag an die Urne. Der Ständerat hat nach dem Nationalrat das von der Einigungskonferenz beantragte Konzept gutgeheissen.

Der Entscheid fiel am Dienstagmorgen mit 28 zu 14 Stimmen und 2 Enthaltungen wesentlich deutlicher als im Nationalrat. Die Nein-Stimmen kamen von Vertretern der SP und der Grünen sowie aus der Mitte-Fraktion. Der Nationalrat, der zunächst einen schärfer formulierten Gegenvorschlag bevorzugt hatte, hatte bereits am Montag zugestimmt, mit 99 zu 91 Stimmen und bei 6 Enthaltungen. Die Vorlage ist nun bereit für die Schlussabstimmungen.

Drei Jahre Hin- und Her

Knapp drei Jahre lang hatten National- und Ständerat über den indirekten Gegenvorschlag zu der Volksinitiative debattiert, ohne Einigung. Umstritten war, ob für Konzerne in der Schweiz und deren Tochterfirmen zusätzliche Haftungsregeln eingeführt werden sollten.

In den Debatten standen sich die zwei Konzepte der beiden Kammern gegenüber: Jenes des Ständerates, das der Nationalrat nun übernommen hat, enthält keine neuen Haftungsregelungen, aber Berichterstattungspflichten für bestimmte Unternehmen.

Sorgfaltspflichten müssen geprüft werden

Geht es um Konfliktmineralien und Kinderarbeit, müssen die Unternehmen zusätzlich Sorgfaltsprüfungspflichten erfüllen. Der Bundesrat hatte die Grundlagen für diesen Gegenvorschlag als Reaktion auf den schärfer formulierten Gegenvorschlag des Nationalrates ins Spiel gebracht. Denn das unterlegene Konzept des Nationalrats hätte neue Haftungsregeln für Schweizer Unternehmen und deren Töchter gebracht, die im Ausland Menschenrechte verletzen oder die Umwelt schädigen.

Der Nationalrat war der Konzernverantwortungsinitiative weit entgegengekommen. Die Initianten und Initiantinnen hatten denn auch zugesichert, ihr Begehren zurückzuziehen, sollte die Version des Nationalrates die Ratsdebatten überstehen. Dies ist nun nicht der Fall; die Initiative kommt mit indirektem Gegenvorschlag an die Urne.

Grosse Unterstützung erhält die Initiative aus kirchlichen Kreisen, der sich auch zahlreiche nationale und kantonale Gremien und Organisationen (siehe Beitrag unten) angeschlossen haben. (sda/ms)


150'000 Unterschriften für die Konzernverantwortungsinitiative. | © Francesca Trento
9. Juni 2020 | 10:22
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