"Jenseits im Viadukt" bisher: Begegnungsraum mit Café
Schweiz

Isa Pedano: «Das ‹Jenseits› hat enormes Potenzial»

Die neue Betriebsleiterin des «Jenseits im Viadukt Zürich» in Zürich, Isa Pedano, setzt auf die Initiative von jungen Leuten. «Es gibt viele suchende Gruppen, gerade auch christliche», sagt sie. Die Nachfrage steige.

Francesco Papagni*

Frau Pedano, Sie sind die Leiterin des «Jenseits im Viadukt». Können Sie uns in einem Satz sagen, was das «Jenseits» ist?

Isa Pedano: Das «Jenseits» ist ein Begegnungsort mitten in der Stadt für junge Erwachsene, die ein Interesse an Spiritualität, an Nachhaltigkeit, an Kultur sowie an Persönlichkeitsentwicklung mitbringen und die auch eine gewisse Offenheit zeigen.

…und konkret?

Pedano: Konkret kristallisiert sich das in einem recht bunten Ort mit einem Kaffee, das alle Menschen willkommen heisst, nicht nur junge. Durch die Nachbarschaft mit der Josefwiese haben wir immer wieder junge Eltern zu Gast, die absolut zu unserem Zielpublikum gehören. Angegliedert ist auch ein Raum für Veranstaltungen. Ich vermeide den Begriff Event… Es darf auch gross sein, es startet aber intim mit einem Raum, wo junge Menschen Begegnung erfahren. Das bedeutet nicht, dass es nicht auch einmal laut werden kann. Und dies alles mit einem klaren Leitfaden, der ganz und gar in der christlichen Spiritualität verankert ist.

Isa Pedano, Betriebsleiterin des «Jenseits im Viadukt»
Isa Pedano, Betriebsleiterin des «Jenseits im Viadukt»

«Ich bin an den Rand meiner Kräfte gekommen.»

Das «Jenseits» hat eine jahrelange, bewegte Vorgeschichte. Wie sind Sie dazugestossen?

Pedano: Ich bin im Juni 2025 dazugekommen mit einer fünfzig Prozent-Anstellung als Projektmitarbeiterin. Von verschiedener Seite wurde ich gewarnt, dass das Risiko des Ausbrennens auch aufgrund der Vorgeschichte hier erheblich sei. Ich musste mir also die Sache gut überlegen. Und tatsächlich waren die letzten Monate sehr anspruchsvoll, ich bin an den Rand meiner Kräfte gekommen. Mit der Zeit ist aber ein motiviertes Team zusammengekommen, sodass sich die Situation zum Guten gewendet hat.

Können Sie noch ein Wort zur Vorgeschichte sagen?

Pedano: Das Jenseits hatte viele Personalwechsel, das Team implodierte immer wieder mal. Als Insiderin sehe ich jetzt, dass versucht wurde, Angebote für Zielgruppen zu erarbeiten. Das funktionierte nicht. Auch der Bezug zur christlichen Spiritualität war nicht immer wahrnehmbar.

«Weg von der Konsumwirtschaft, hin zur Teilhabe»

Und welchen Ansatz wählen Sie als Alternative dazu?

Pedano: Die Alternative hat sich in einem monatelangen Prozess mit verschiedenen Beteiligten herausgebildet: weg von der Konsumwirtschaft, hin zur Teilhabe. Das heisst zuhören, recherchieren, was es schon gibt und was es noch braucht. Es gibt viele suchende Gruppen, gerade auch christliche. Die Initiative kommt von den jungen Leuten selbst und nicht von uns, als ob wir besser wüssten, was sie brauchen.

«Getragen hat mich die innere Kraft des Auftrags von Ignatius von Loyola.»

Woher nehmen Sie die Kraft für diese Herausforderung?

Pedano: Was mit durch die Monate getragen hat, ist die innere Kraft des Auftrags von Ignatius von Loyola, in dessen Spiritualität ich mich verwurzelt fühle. «An die Grenzen gehen» lautet die Maxime.

Das «Jenseits» hat ein enormes Potenzial, Menschen in unterschiedlichsten Lebenslagen willkommen zu heissen. Und die Nachfrage steigt: Angebote wie Taizé-Gebete. Centering Prayer, Gemeinschaftsabende wie die Table de Cana-Treffen oder Worship-Coffee haben sich etabliert oder sind neu entstanden.

«Das ‹Jenseits› ist überhaupt keine Konkurrenz zu den Pfarreien.»

Entscheidend für das «Jenseits» war das neue Konzept. Im Herbst 2025 wurde dieses durch die römisch-katholische Körperschaft des Kantons Zürich bewilligt. Die Existenz ist also für’s Erste gesichert. Im Vorfeld konnten sich die Synodalen vor Ort ein Bild machen. Dabei wurden verschiede Einwände vorgebracht. Einer lautete, die Pfarreien würde doch schon Jugendarbeit betreiben.

Pedano: Das «Jenseits» ist überhaupt keine Konkurrenz zu den Pfarreien, das ist mir sehr wichtig. Vielmehr möchten wir ein Netzwerk mit ihnen bilden. Dieses fehlte bisher. Wir machen Sachen, die Pfarreien nicht machen, aus welchen Gründen auch immer. Zudem ist es kompliziert, einen festen Ort in einer Pfarrei zu finden, wenn man als Gruppe von aussen kommt. Manchmal scheitert es an Formalitäten, dass man z.B. den Raum um eine gewisse Zeit freigeben muss. Bei uns soll es möglichst unkompliziert sein.

«Als Expat kommt man sich oft obdachlos vor.»

Überdies gibt es in der Stadt viele Expats, die ihre eigene Spiritualität mitbringen – ich zähle mich selbst zu dieser Gruppe und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass man sich oft obdachlos vorkommt.

Spielt nicht auch die Altersklasse eine Rolle? Bei kirchlicher Jugendarbeit denkt man an Dreizehn- bis Achtzehnjährige. Das Jenseits spricht junge Erwachsene bis zirka 35 an.

Pedano: Ja, genau. Eine Person sagte mir: Die Pfarrei macht einiges für Kinder und Jugendliche, für Familien, für Senioren, aber junge Erwachsene gehen oft vergessen.

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Eine andere, in der Synode aufgekommene Frage betrifft die Nähe des Jenseits zur ZHdK, der europaweit grössten Kunsthochschule. Ist diesbezüglich etwas in Planung? Für die Hochschulseelsorge sind ja traditionell die Jesuiten zuständig.

Pedano: Auch hier gilt: Wir sehen uns in Kooperation, nicht in Konkurrenz. Aus Ressourcengründen sind wir noch nicht auf die ZHdK zugegangen, doch trennen uns nur circa sieben Minuten Fussweg. Das möchten wir unbedingt nutzen. Ich kann mir gut vorstellen, dafür eine Zusammenarbeit mit den Jesuiten einzugehen.

«Das doppelte Netzwerk in der Kirche und im Kulturbereich von Thomas Binotto könnte für uns zu einem Pluspunkt werden.»

Reden wir weiter über die Zukunft: Vor einigen Wochen kam die Meldung, dass Thomas Binotto vom Pfarrblatt Forum zum Jenseits wechselt. Welche Überlegungen waren hier leitend?

Pedano: Wir suchten eine Person mit einem Netzwerk und mit Ausstrahlung. Innerkirchlich wird Binotto mit dem Forum identifiziert. Seine Arbeit als Kulturmacher, z.B. im Zusammenhang mit der Oper für junge Erwachsene oder mit Festivals, kennt man hingegen wenig. Sein doppeltes Netzwerk in der Kirche und im Kulturbereich könnte für uns wirklich zu einem Pluspunkt werden.

Thomas Binotto
Thomas Binotto

Und wie wollen Sie ihn integrieren?

Pedano: Wir wollen junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit kleinen Pensen gleichsam als Satelliten an ihn anhängen, die mit ihm Veranstaltungen vorbereiten und dann auch präsent sind. Binotto soll auch Mentoringaufgaben übernehmen im Sinne: Hast du das schon probiert? Oder: Hast Du schon daran gedacht? Das sind die Überlegungen, die wir uns gemacht haben. Und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit.

*Francesco Papagni ist Synodale (Kirchenparlamentarier) der Katholischen Kirche im Kanton Zürich und vertritt St. Peter und Paul Zürich.

Die Jenseits-Betriebsleiterin

Isa Pedano ist in Mailand aufgewachsen und hat dort Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Wirtschaftsethik studiert. 2012 zog sie nach Zürich als Kundenberaterin im Designbereich. In der katholischen Hochschulgemeinde lernte sie ihren Mann kennen, bekam zwei Kinder. Das ist in der Publikation «Zolliker Zumiker Bote» vom 8. Mai 2026 zu lesen.

Die Betriebsleiterin des «Jenseits im Viadukt» vereine «in ihrer Arbeit werteorientierte Kommunikation mit einem starken Engagement für Nachhaltigkeit», schreibt das «Jenseits» auf seiner Webseite. Besonders prägend war demnach für sie die Vertiefung einer offenen Spiritualität in der theologischen Weiterbildung in Christlicher Spiritualität. 2020 absolvierte sie laut der Zeitung einen dreijährigen Lehrgang in christlicher Spiritualität an der Uni Freiburg i.Ü.

Das «Jenseits im Viadukt» ist ein Begegnungsort im Zürcher Kreis fünf – und ein Angebot der katholischen Kirche ium Kanton Zürich. Es befindet sich im Viadukt gleich neben der Josefswiese. (rp)


«Jenseits im Viadukt» bisher: Begegnungsraum mit Café | © Magdalena Thiele
13. August 2026 | 17:00
Lesezeit : ca. 5  Min.
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