Papst entschuldigt sich bei chilenischen Missbrauchsopfern

Lima, 22.1.18 (kath.ch) Papst Franziskus hat Fehler im Umgang mit chilenischen Missbrauchsopfern eingeräumt und sie um Entschuldigung gebeten. Hintergrund ist seine Bemerkung am Rande eines Besuchs in Iquique, für Vertuschungsvorwürfe gegen den chilenischen Bischof Juan Barros lägen keine Beweise vor. Franziskus sprach dabei von «Verleumdung».

Auf dem Rückflug (21. Januar) von seiner Lateinamerikareise sagte er vor Journalisten am Sonntag, seine Wortwahl sei unglücklich gewesen. Barros bleibe jedoch im Amt, weil ein schuldhaftes Verhalten nicht erwiesen sei.

Das Wort «Beweis» hat Opfer verletzt

Der Papst sagte, viele Missbrauchsopfer könnten keine Beweise für das Erlittene beibringen oder schämten sich, diese offenzulegen. Statt von «Beweisen» müsse man richtiger von sicheren Indizien sprechen. Das Wort «Beweis» habe die Opfer verletzt. Deshalb bitte er um Entschuldigung. «Den Papst sagen zu hören: ‘Bringt mir einen Brief mit dem Beweis’, ist eine Ohrfeige», so Franziskus.

Barros stammt aus einem geistlichen Schülerkreis des heute 87-jährigen Priesters Fernando Karadima, der 2011 wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden war. Barros selbst, Bischof von Osorno in Südchile, wird beschuldigt, von den Vergehen Karadimas gewusst zu haben. Im Fall Barros, der wiederholt untersucht worden sei, gebe es keine Anhaltspunkte, die eine Verurteilung rechtfertigten, so der Papst.

«Ich bin überzeugt, dass er unschuldig ist.»

Weiter sagte der Papst, aus der Chilenischen Bischofskonferenz sei der Vorschlag gekommen, alle vier Bischöfe, die aus dem Kreis Karadimas stammten, zurücktreten zu lassen oder ihnen eine Auszeit zu gewähren. Damit sollten Anschuldigungen vermieden werden. Einen zwei Mal von Barros angebotenen Amtsverzicht habe er abgelehnt, weil dies einem Schuldeingeständnis gleichgekommen wäre und trotz Nachforschungen nichts Belastendes gegen ihn vorliege. «Ich bin überzeugt, dass er unschuldig ist», so der Papst.

«Verleumdung»

«Wenn man hartnäckig Anschuldigungen erhebt, ohne Nachweise zu haben, ist das Verleumdung», betonte Franziskus. Wenn jemand Indizien beibringen könne, sei er «der erste, der ihn anhört».

«Ich habe ihm dafür gedankt.»

Der Papst hiess auch eine Intervention von Kardinal Sean O’Malley gut, der nach der umstrittenen Äusserung des Papstes Verständnis für die Empörung der Opfer geäussert hatte. Die Erklärung O’Malleys sei «sehr gerecht» gewesen; «ich habe ihm dafür gedankt». Der Kardinal, der Leiter der Päpstlichen Kinderschutz-Kommission ist, habe vom «Schmerz der Opfer im Allgemeinen» gesprochen.

Null-Toleranz

Bei der Verfolgung von Missbrauchsfällen setze er die «Null Toleranz»-Linie seines Vorgängers Benedikt XVI. fort, betonte Franziskus. In seinen bisher fünf Amtsjahren habe er keinen einzigen Gnadenappell eines wegen Missbrauchs laisierten Klerikers unterzeichnet, obwohl etwa zwei Dutzend solcher Anträge eingegangen seien.  (cic)

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