Orgel-Papst Sixtus Lampl gestorben
Für seine Leidenschaft zog er alle Register: Sixtus Lampl trug im Laufe eines Lebens die grösste Orgelsammlung der Welt zusammen. Sein Traum war, sie alle spielbar wieder aufzubauen. Bei sich daheim.
Christoph Renzikowski
(KNA) Sixtus Lampl, bayerischer Orgelsammler und Museumsgründer, ist tot. Er starb nach Angaben der von ihm errichteten Stiftung bereits am 18. September im Krankenhaus Agatharied. Lampl wurde 85 Jahre alt. In Valley, einem kleinen Dorf südöstlich von München, etablierte der Enthusiast die grösste Orgelsammlung der Welt.
Zur Kollektion zählen mehr als 60 meist vollständig erhaltene historische Instrumente, bei weitem nicht nur aus Dorfkirchen. Unter der Grasnarbe seines Anwesens hat er Bayerns einzige grosse Kino-Orgel spielfähig wieder aufgebaut. Die frühere Münchner Domorgel ruht zerlegt in einem Schuppen.
Durchbrochene Geschossdecken, abgesägte Pfeifen
Die Orgel der fränkischen Wallfahrtsbasilika Gössweinstein mit mehreren tausend Pfeifen brachte er über mehrere Etagen vollständig in seinem Schloss unter. Die längsten Pfeifen sägte er kurz unter der Mündung ab und lötete sie im 90-Grad-Winkel wieder an, damit sie unter das Dach passen.
Für sein Grundstück erwarb er von einem benachbarten Sägewerk eine hölzerne Halle mit einer besonderen Kuppeldecke. Dort stehen sechs Orgeln, die regelmässig bei Konzerten und Führungen erklingen.
Denkmalpfleger von Beruf
Der promovierte Kunsthistoriker und Musikwissenschaftler, ein Bauernsohn vom Schliersee, spielte seit seiner Jugend selbst leidenschaftlich Orgel. Sein Berufsleben verbrachte er fast vollständig als Konservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Dort wurde ihm die Aufgabe übertragen, sich um die historischen Orgeln im Freistaat zu kümmern.
Um 1983 die Koulen-Orgel der Landshuter Martinskirche vor der Verschrottung zu retten, kaufte er sie kurzerhand selbst. Da er eine der letzten grossen romantischen Orgeln Bayerns nirgendwo anders unterbringen konnte, erwarb er mit seiner Frau aus einer Erbschaft 1987 das baufällige Alte Schloss Valley, das einst dem Schriftsteller Michael Ende gehört hatte. So begann auch für ihn, Lampl, eine unendliche Geschichte: das bis heute unabgeschlossene Projekt Kultur- und Orgelzentrum.
Vergessene Musikwerke wiederentdeckt
In einem eigenen Verlag veröffentlichte Lampl wiederentdeckte Musikwerke aus bayerischen Klöstern, die seit der Säkularisation 1803 in Vergessenheit geraten waren. Mit einem von ihm gegründeten Ensemble führte er sie wieder auf.
Lampl erhielt etliche Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz und den Bayerischen Verdienstorden. Eine Stiftung, die er mit seiner Ende 2024 gestorbenen Ehefrau gegründet hatte, wird sein Lebenswerk fortführen. Beharrlich verfolgte er bis zuletzt seinen Traum, alle gesammelten Orgeln in einer weiteren Halle wiederaufzubauen und erklingen zu lassen.
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