Vatikan

Ökumene ist für Bischöfe keine Kür, sondern Pflicht

Ein neues Ökumenisches Vademecum soll gemäss Kardinal Kurt Koch die katholischen Bischöfe in ihrem Dienst zur Förderung der Einheit ermutigen.

Gleichzeitig erinnert die Veröffentlichung an den 25. Jahrestag der Enzyklika Ut unum sint sowie den 60. Jahrestag der Gründung des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen feiern, sagte der Schweizer Kurienkardinal gegenüber vaticannews.

Für katholische Bischöfe ist ökumenisches Engagement keine Kür, sondern eine Pflicht ihres Amtes. Das betont die am Freitag veröffentlichte Handreichung des Vatikan. «Das ökumenische Engagement eines Bischofs ist keine bloss mögliche Dimension seines Dienstes, sondern ein Auftrag und eine Pflicht», heisst es im Vorwort. Dies sei auch kirchenrechtlich festgelegt.

Nichts Neues für die Schweiz

Für die Kirche in Stammländern der Reformation wie Deutschland oder der Schweiz bietet das 50-seitige sogenannte Vademecum nichts wesentlich Neues. Vielmehr will es Bischöfe weltweit ermutigen, ihrer ökumenischen Verantwortung gerecht zu werden. Vor allem jenen, die wenig Erfahrung damit haben, soll es als Leitlinie dienen.

Im ersten Kapitel beschreibt der Text, was innerhalb der katholischen Kirche selbst gegeben sein sollte. Dazu zählen konkrete Ansprechpartner und Beauftragte; zudem soll Ökumene in der Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielen. Eigens vermerkt das Vademecum ökumenische Perspektiven und Fairness in katholischer Medienarbeit.

Sakramente und andere Konfessionen

Das zweite, längere Kapitel nennt Felder gemeinsamen Engagements mit anderen Kirchen. Ein eigener Abschnitt ist konfessionsverschiedenen Ehen gewidmet. Diese sollten «nicht als Problem gesehen werden, da sie oft bevorzugte Orte seien, an denen kirchliche Einheit gefördert werden kann». Solche Familien am jeweiligen Gemeindeleben zu beteiligen, biete besondere Chancen.

Dabei bespricht der Leitfaden auch die Sakramentenspendung. Generell sind katholische Eucharistie, Beichte und Krankensalbung nur Katholiken vorbehalten. «In Ausnahmefällen und unter bestimmten Bedingungen» sei jedoch für einzelne Christen anderer Konfession der Zugang zu diesen Sakramenten nach sorgfältiger Abwägung «wünschenswert und empfehlenswert».

Entscheid beim Bischof

Die Entscheidung darüber obliegt dem Bischof; Voraussetzung sind entweder Lebensgefahr oder eine andere «schwere Notlage». Was eine solche ausmacht, muss der Bischof entscheiden. Reine Höflichkeit ist kein Grund, Nicht-Katholiken zur Eucharistie zuzulassen.

Insgesamt, so das Papier, haben ökumenische Beziehungen vier Dimensionen: Gebet, freundliche Kontakte, theologischer Dialog und praktisches Engagement. Genannt werden ökumenische Gebete und Wortgottesdienste – auch mit Predigeraustausch, Gastfreundschaft in Kirchen, theologischer Dialog, gegenseitige Einladungen.

Gemeinsam agieren

Besonders wichtige Felder ökumenischen Engagements sind gemeinsame Einsätze von Christen in sozialen Notlagen, gegen Unrecht und Gewalt, für die Bewahrung der Schöpfung. Wichtig fürs Kennenlernen seien auch gemeinsame Konzerte, Ausstellungen oder Symposien. (cic)


Kardinal Kurt Koch | © Andrea Krogmann
4. Dezember 2020 | 13:40
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