«Blackfacing» ist auch dieses Jahr beim Sternsingen ein Thema.
Schweiz

Missio Schweiz: «Wir empfehlen, aufs Schminken zu verzichten»

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat eine schon länger gehende Diskussion übers Blackfacing neu entfacht. Missio Schweiz rät bei den Sternsingern dort vom Schminken ab, wo der Brauch nicht mehr verstanden wird oder den örtlichen Gepflogenheiten nicht mehr entspricht.

Jacqueline Straub

In einem Facebook-Post hat sich der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dafür ausgesprochen, dass Sternsinger ihre Gesichter schwarz schminken sollen. «Der Mohr darf nicht mehr sein, weil das angeblich rassistisch ist. Dieses Verbot ist zumindest ideologisch», schrieb Schick.

Lehrstunde der Gleichheit und Einheit aller Menschen

Für ihn steht fest: Das Schminken der Sternsinger sei kein Rassismus, sondern eine «Lehrstunde für Gleichheit und Einheit aller Menschen». Er bedauere, dass es diese «Lehrstunde» bei der Sternsingeraktion nicht mehr geben solle.

Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick

Sonja Lofaro sieht das mit Blick auf die Schweiz anders. Sie koordiniert bei Missio Schweiz die Sternsingeraktion und sagt zu kath.ch: «Wir empfehlen, aufs Schminken zu verzichten.» Die Kinder sollten so kommen, wie Gott sie geschaffen habe.

Traditionen werden nicht mehr überall verstanden

Sonja Lofaro betont: «Missio hat bereits vor der erwähnten Aussage von Erzbischof Schick eine Haltung zum Blackfacing gehabt, die uns wichtig ist, in Bezug auf die Schweiz zu vertreten.»

Letztes Jahr hatte Missio Schweiz kath.ch mitgeteilt: «Wir sind uns bewusst, dass die Tradition heute nicht mehr überall verstanden wird.»

Sonja Lofaro
Sonja Lofaro

Auf der Website von Missio Schweiz findet sich ein Werkheft von Missio Aachen zur diesjährigen Sternsingeraktion. In dem Werkheft berichten schwarze Menschen, wie sie es erleben, wenn weisse Menschen sich schwarz schminken: «Im Nachdenken, Zuhören und Diskutieren sind wir zu einem klaren Ergebnis gekommen: Wir sprechen uns dafür aus, die Kinder und Jugendlichen, die beim Sternsingen mitmachen, nicht zu schminken.»

Schwarze Schminke sollte den afrikanischen König darstellen

Die Tradition der Sternsingeraktion reicht bis ins späte Mittelalter. Caspar, Melchior und Balthasar stehen für die damals bekannten Erdteile Europa, Afrika und Asien. Die schwarze Hautfarbe sollte den afrikanischen König darstellen. «Wir wissen aber, dass die Gleichung von Hautfarbe und Herkunft nicht aufgeht. Wenn ein Mensch schwarz ist, bedeutet das eben nicht automatisch, dass er aus Afrika kommt», heisst es im Werkheft.

Blackfacing rassistisch konnotiert

Blackfacing hat historisch gesehen mit dem Sternsingen nichts zu tun. Beim Blackfacing geht es um eine Tradition in den USA, die vor allem im 18. und 19. Jahrhundert populär war. «Die öffentliche Debatte um das sogenannte Blackfacing hat deutlich gemacht, wie schwarze Menschen über Jahrhunderte verhöhnt und diskriminiert wurden», heisst es hierzu im Werkheft. Unterdrückung und Gewalt gingen mit dieser Diskriminierung einher. «Auch wenn dieses Blackfacing nichts mit dem Schminken beim Sternsingen zu tun hat, bringen es doch viele Menschen damit in Verbindung.»

Sternsinger aus der Schweiz, Deutschland und Südtirol nach dem Neujahrsgottesdienst mit Papst Franziskus im Petersdom.
Sternsinger aus der Schweiz, Deutschland und Südtirol nach dem Neujahrsgottesdienst mit Papst Franziskus im Petersdom.

Laut dem Werkheft steht fest: Es lohnt sich, «dass wir uns als Verantwortliche, Organisatoren, Begleiter und als Sternsinger mit der Frage des Schminkens beschäftigen. Auch wenn es hier und da bedeutet, sich von einer vielleicht liebgewonnenen Tradition zu verabschieden.»


«Blackfacing» ist auch dieses Jahr beim Sternsingen ein Thema. | © KNA
6. Januar 2022 | 18:19
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