Schweiz

«Christen sollen nicht dem Glauben ihrer Kindheit verhaftet bleiben»

Freiburg, 15.3.18 (kath.ch) Die Baselländerin Medea Sarbach vertritt die Schweizer Kirche vom 19. bis 25. März an der Vorsynode im Vatikan, die im Vorfeld der Weltjugendsynode im Herbst in Rom stattfindet. Dieses internationale Treffen sei ein gutes Zeichen der Kirche an die Welt. Denn die Kirche höre jungen Menschen, Gläubigen und Nichtgläubigen zu, sagt die junge Schweizerin.

Bernard Hallet

«Ich freue mich, dass die Kirche versucht, die Jugend und nicht nur die jungen Katholiken zu verstehen», sagt Medea Sarbach. Sie stammt aus  Laufen BL. Sie freut sich, dass der Papst auch junge Atheisten und Agnostiker zur grossen römischen Vor-Versammlung eingeladen hat.

Dieser Schritt einer Kirche, die zuhört und begleitet, ist für sie von wesentlicher Bedeutung. «Es ist wichtig, im Hinblick auf die Oktobersynode zu erkennen, dass der Papst auch junge Menschen ausserhalb der Kirche hören will.» Die Welt verändere sich, die Kirche müsse vor allem der Welt Hoffnung geben.

In der Kirche engagiert

Die 23-Jährige studiert in Freiburg im dritten Jahr Theologie. Die junge Frau zeigt sich wenig beeindruckt davon, dass die Schweizer Bischöfe sie ausgewählt haben, um an der Vorsynode die Kirche Schweiz zu vertreten. Es freut sie aber schon, dass ihr diese Aufgabe anvertraut wurde. Sie bemerkt zudem: «Ich verspüre keinen Druck.».

Die Aussicht, 315 junge Menschen aus aller Welt zu treffen, fasziniert sie. Sie werde mit Jugendlichen reden, die ihren Glauben nicht teilen. Das stört sie nicht. Sie zeigt sich überzeugt, dass die Sicht von aussen der Kirche helfen werde, Entscheide zu fällen und zu wachsen.

Medea wird von zwei jungen Schweizern begleitet, welche die nichtgläubige Jugend repräsentieren: den bekennenden Atheisten Sandro Bucher und Jonas Feldmann, der zwar an mehreren Weltjugendtagen teilgenommen hat, jetzt aber zur Kirche auf Distanz gegangen ist.

Auch internationaler Kirche verbunden

Das internationale Treffen in Rom ist für Medea Sarbach keine Premiere, was grosse katholische Events im Ausland angeht. Sie nahm bereits an den Weltjugendtreffen in Krakau und in Rio teil. In der Schweiz besuchte sie mehrere nationale Weltjugendtage. Sie ist zudem Mitglied des Komitees des nationalen Weltjugendtags, der dieses Jahr vom 27. bis 29. April in Freiburg stattfindet.

Sie freut sich auf Rom. Es mache ihr Spass, mit anderen Gläubigen zusammen zu sein und die universelle Kirche zu erleben, die viel grösser ist als die Pfarrei, die sie kennt.

«In der Kirche fühle ich mich zu Hause, wo auch immer auf der Welt.»

Das Treffen in Rom hat für die Schweizerin auch eine stark spirituelle Dimension. Der Heilige Geist, sagt sie, «wird Teil dieses internationalen Treffens sein. Er wird uns helfen zu reflektieren». Sie baut auch auf ihren Glauben. Sie brauche diesen nicht zu verstecken – auch wenn es darum gehe, über die verfolgten Christen zu sprechen.

Ohne Scheu spricht die junge Frau über ihre Suche nach dem Sinn des Lebens, des Leidens und des Todes. Sie sagt, sie habe, als sie an einem christlichen Kinderlager teilnahm, die Antworten in der Person Jesu gefunden. Welchen Sinn hat die Existenz ohne Gott? «Ohne Gott lebt man, stirbt man und alles ist vorbei», antwortet die junge Frau.

Zweifeln, um im Glauben zu wachsen

Medea wuchs in einer religiösen Familie auf, in der man am Tisch frei über den Glauben sprach. Sie wuchs auch mit der Jubla auf, war Ministrantin und Jugendanimatorin. Sie leistete einen Freiwilligen-Einsatz beim Hilfswerk «voyage-partage». Die Aktion geht bei ihr mit dem Glauben einher. Sie bezeichnet sich als gläubig und praktizierend, dies nicht, um etwas nachzuahmen, sondern aus Überzeugung. «Meine Eltern haben mich zu nichts gezwungen.»

«Ich habe die Einheit der Kirche erlebt – und jeweils auch den lokalen Kolorit.»

Dennoch ist sie nicht blind auf ihrem spirituellen Weg vorwärts gegangen. Mit dem kritischen Blick, den ihr die Eltern mitgegeben haben, verstand sie es, die Dinge zu hinterfragen. Ohne alles abzulehnen, tut sie dies auch beim Glauben. «Der Zweifel ist im Leben eines Christen wichtig, wenn er weiterkommen will. Sonst bleibt man dem Glauben seiner Kindheit verhaftet. Die Zweifel haben es mir erlaubt, besser zu verstehen, was Jesus gesagt und getan hat.» Sie ist überzeugt, dass Gott sie liebt und dass er seinen Sohn auch für sie hingegeben hat.

Kirche als Einheit in Verschiedenheit

Die junge Frau spricht mit frischem Blick und klarer Stimme. Sie lächelt von Zeit zu Zeit. Sie wirkt ernst, aber nicht traurig. Die Freude, dass sie an der Vorsynode teilnehmen kann, ist spürbar. «In der Kirche fühle ich mich zu Hause, wo auch immer auf der Welt.» Sie spricht aus Erfahrung. Ein Schulaustausch führte sie in die USA. In Kolumbien kümmerte sie sich während sechs Monaten im Auftrag von «voyage-partage» um Mädchen, die aus schwierigen familiären Verhältnissen stammten.

«Ich habe die Einheit der Kirche erlebt – und jeweils auch den lokalen Kolorit.» Sie zweifelt keinen Moment daran, dass sie sich in Rom «wie zu Hause» fühlen wird.

Die Oktober-Synode

Medea Sarbach möchte einen Weg finden, wie sie ihren Glauben anderen weitergeben kann. Was wünscht sie sich von der Versammlung in Rom für Kirche und Jugend? Das Treffen soll der Welt Hoffnung und Freude schenken.

Sie will auch aufmerksam beobachten, was die Bischöfe im kommenden Oktober an der Weltjugendsynode besprechen. Diese sollten sich an den Diskussionen orientieren, welche die Jugendlichen an der Vorsynode führten, so Medea. Denn Papst Franziskus wolle die Seelsorge für die jüngeren Generationen beleben.

Dies sei eine neue starke Achse seines Pontifikats. Und vielleicht ständen die Überraschungen in diesem Bereich noch aus. (cath.ch/Übersetzung: G. Scherrer)

Von der Bischofskonferenz an die Vorsynode der Jugendlichen delegiert: Medea Sarbach | © Bernard Hallet
15. März 2018 | 12:03
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