Martin Iten | © Georges Scherrer
Schweiz
Martin Iten | © Georges Scherrer

Ein katholischer Laie schlug zwei Jugendliche für Vorsynode vor

Zürich, 24.2.18 (kath.ch) Drei Jugendliche aus der Schweiz werden an einer Vorsynode des Vatikan teilnehmen, die im Vorfeld der Weltjugendsynode im Herbst in Rom stattfindet. Bei den drei jungen Personen handelt es sich um Medea Sarbach, Jonas Feldmann und Sandro Bucher. Sarbach wurde von den Schweizer Bischöfen bestimmt. Dank dem engagierten Katholiken Martin Iten können Feldmann und Bucher nach Rom reisen. Letzterer bezeichnet sich als Atheist.

Das Vorbereitungstreffen zur Jugendsynode findet vom 19. bis 24. März in Rom statt. Die Schweizer Bischöfe haben unter der Leitung von Jugendbischof Alain de Raemy in einem internen Auswahlverfahren mit Medea Sarbach eine junge Theologie-Studentin als Schweizer Delegierte ernannt, erklärte Iten gegenüber kath.ch.

Die beiden anderen Teilnehmer gehen auf sein Konto. Iten ist Mitgründer des katholischen Medienkollektivs Fisherman.FM. Er ist zudem stark an der Organisation der katholischen Weltjugendtage in der Schweiz beteiligt und ist Mitglied der Kommission für Kommunikation und Öffentlichkeit der Schweizer Bischofskonferenz. Zudem ist er Mitinitiant der Aktion «Mission Manifest», die neuen missionarischen Elan innerhalb der katholischen Kirche anstrebt. Und er kennt viele Leute.

Der unerwartete Anruf aus Rom

Wie kam es dazu, dass er zwei Personen für das Römer Vorbereitungstreffen vorschlagen konnte? «Für mich total überraschend wurde ich kurz vor Weihnachten direkt aus Rom über den päpstlichen Rat für Kultur angefragt, ob es mir möglich wäre, zwei kirchenkritische und atheistische junge Personen für die Besprechungen zu organisieren», erklärte Iten gegenüber kath.ch.

Offenbar habe man in Rom gewusst, dass «ich seit jeher viele Freundschaften mit Menschen pflege, die gegenüber Glaube und Kirche kritisch oder strikt ablehnend eingestellt sind». Iten empfahl den jungen Zuger Jonas Feldmann und den Luzerner Sandro Bucher. Er teile natürlich gewisse Positionen, die Feldmann und Bucher vertreten, nicht, doch er halte es mit der englischen Schriftstellerin Evelyn Beatrice Hall, die gesagt habe: «Ich missbillige, was du sagst, aber ich werde bis zum Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen.»

Katholische Positionen hinterfragen

Jonas Feldmann | © zVg

Iten bezeichnet Feldmann, der sich politisch bei den Grünen engagiert, als katholisch, aber nichtpraktizierend. Dieser habe eine Wertschätzung für christliche Grundpositionen wie Nächstenliebe und Caritas. Er würde sich vermutlich auch als Gott-gläubig bezeichnen, habe aber grosse Mühe mit gewissen Punkten der katholischen Lehre.

«Von dieser Einladung war ich anfangs aber ehrlich gesagt auch etwas überrascht – schliesslich bin ich weder in einer katholischen noch in einer atheistischen Gruppierung aktiv. Ich denke, ich wurde aber genau deshalb ausgewählt, quasi als ‹konstruktiver Kritiker› zwischen den Fronten», sagte Feldmann gegenüber «20 Minuten» (22 Februar).

Sandro Bucher | © Raphael Hünerfauth

Sandro Bucher ist ein junger Journalist aus Luzern. Dieser bezeichne sich selber als Atheist und sei aktives Mitglied in verschiedenen, vom «neuen Atheismus» geprägten Organisationen. Dazu gehörten gemäss Iten die Freidenker Schweiz, die Giordano-Bruno-Stiftung, die Skeptiker Schweiz, der Humanistische Pressedienst und auch der Internationale Bund der Konfessionslosen. «Er steht also fast in allen Punkten den kirchlichen Grundsätzen konsequent ablehnend gegenüber», so Iten.

«Es freut mich, dass der Vatikan mittlerweile mehr Wert darauf zu legen scheint, auch kritische Stimmen von Kirchenfernen zu hören, denn diese machen faktisch gesehen einen immer grösseren Teil der Gesellschaft aus», sagte Bucher gegenüber «20 Minuten».

Papst Franziskus lud ausdrücklich glaubende und nichtglaubende Jugendliche zu sogenannten Vorsynode ein. Martin Iten findet diese vatikanische Dialogoffenheit grossartig und sehr vorbildlich. Er teilt damit die Haltung von Martin Werlen, alt Abt des Klosters Einsiedeln, der in seinem jüngsten Buch «Zu spät» ebenfalls davon spricht, dass die Kirche auf jene hören soll, die sich von ihr abgewendet haben.

Alain De Raemy präzisiert gegenüber kath.ch, dass Medea Sarbach die einizige Vertreterin der katholischen Schweizer Jugend ist. Pro Land gibt es einen oder mehrere Vertreter, je nach Grösse der Bischofskonferenz. «Sandro Bucher und Jonas Feldmann stammen aus der Schweiz, sind aber nicht im Namen der Schweizer Jugend dabei, sondern als Repräsentanten einer distanzierten oder nichtgläubigen Jugend allgemein.» Sie seien vom vatikanischen Kulturrat ausgewählt worden, und bei dieser Gruppe werde nicht nach Herkunft unterschieden. Dass sie ebenfalls aus der Schweiz stammten, sei zufällig. (gs/aktualisiert 28.2.)

 

 

 

 

 

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