Mariä Himmelfahrt, Synodaler Prozess, Monika Schmid: Was diese Woche wichtig wird
Afghanistan und Liechtenstein haben eine Gemeinsamkeit: Beide haben heute Nationalfeiertag. Die Schweizer Bischofskonferenz veröffentlicht den Schlussbericht zum synodalen Prozess. Und Monika Schmid berichtet von einem alten Schmähbrief Roland Trauffers.
Raphael Rauch
Heute ist Mariä Himmelfahrt – das einzige Hochfest, das mit einem päpstlichem Dogma durchgeboxt wurde. Papst Pius XII. hat am 1. November 1950 die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel zum Dogma der römisch-katholischen Kirche erklärt. Es war das erste und bislang einzige Mal, dass ein Papst seine Unfehlbarkeit in Anspruch genommen hat.
Gottesdienst im Kloster Fahr
Ein beliebter Brauch an Mariä Himmelfahrt ist die Kräuterweihe. Wer in den letzten Tagen in den Bergen unterwegs war, weiss warum: Viele Kräuter sind erst Mitte August reif – und werden am 15. August in den Pfarreien gesegnet. So auch im Kloster Fahr, wo Priorin Irene Gassmann und ihre Mitschwestern heute um 9.30 Uhr einen Gottesdienst feiern. Natürlich mit einem Gedicht der Benediktinerin Silja Walter:
Gedicht von Silja Walter
Herr,
siehe diese
Kräuter aus Wiese
und Garten,
die zarten
und wilden,
diese Büschel voller Duft,
voll Heilsaft
und Kraft.
Von Segen betaut
singt das kleine Gekraut
geheimnishaft,
zeichenhaft
mitten im Sommer
vom Kommen
der Weihnacht.
Du lässt dich doch
selber besingen,
als Blüte, die spriesse,
aus heiliger Wurzel,
ein Duft
voller Süsse
zur Heilung der Welt.
Silja Walter OSB, Quelle: Kloster Fahr
Allerdings fällt die Kräuterweihe dieses Jahr bescheidener aus als sonst, teilt Priorin Irene Gassmann kath.ch mit: «Wir machen jeweils Sträusschen zum Mitnehmen. Da es aktuell sehr trocken ist, werden die Sträusschen leider eher klein sein.»
Vertuschung in Ruggell
In Liechtenstein ist heute Nationalfeiertag. Erwartet werden unter anderem das Diplomatische Corps. Schon länger kein Thema mehr ist das Pontifikalamt, das früher Erzbischof Wolfgang Haas zum Nationalfeiertag mit der Fürstenfamilie feierte.
Nähme man den 15. August für eine Anamnese des Erzbistums Vaduz zum Anlass – sie fiele nicht gut aus. Erzbischof Wolfgang Haas verweigert sich dem synodalen Prozess und macht auch bei der Aufklärung des Missbrauchsskandals von Ruggell keine gute Figur.
Wie lange will die Theologische Hochschule Chur Markus Walser als Dozenten?
Sein Generalvikar Markus Walser agiert wie ein mutmasslicher Vertuscher. Während Papst Franziskus Journalistinnen und Journalisten lobt, die zur Aufklärung von Missbrauchsfällen beitragen, blockiert Markus Walser Medienanfragen und lobt einen kleinbürgerlichen Hilfsscheriff, der das «Rundschau»-Kamerateam in Ruggell wegjagte.
Bleibt die Frage, wie lange die Theologische Hochschule Chur einen mutmasslichen Vertuscher als Dozent halten will. Vielleicht erledigt sich das Problem Markus Walser aber auch von selbst: Er könnte, weil er den Verhaltenskodex des Bistums Chur nicht unterschreiben will, von sich aus auf seinen Lehrauftrag im Fach Kirchenrecht verzichten.
Synodaler Prozess
Nach der nationalen synodalen Versammlung Ende Mai in Einsiedeln war eine Gruppe mit der Redaktion des Schlussberichts beschäftigt. Arnd Bünker, Sekretär der Pastoralkommission der Schweizer Bischofskonferenz, hat für die nächsten Tage die Veröffentlichung des Berichts angekündigt.
Mit Spannung wird erwartet, wie deutlich die Bischöfe den Ruf nach Reformen formulieren. Der Bericht geht nach Rom und landet dort zunächst bei den Gremien der europäischen Bischofskonferenz – und schliesslich bei der Weltsynode im Herbst 2023.
Quartierzentrum Wesemlin
Am Freitag lädt die Kirchgemeinde Luzern ins Quartierzentrum Wesemlin zu einer Medienkonferenz ein. Dabei wird der Neubau vorgestellt. Das Quartierzentrum Wesemlin ist nicht mit dem Projekt «Oase-W» zu verwechseln. Die liegt zwar ebenfalls in Wesemlin, wird allerdings von den Kapuzinern verantwortet.
Die «Oase-W» ist bislang nicht so richtig in Fahrt gekommen. Engagierte Exponenten wie Fridolin Schwitter haben die Segel gestrichen. Auch sonst kam es zu vielen Abgängen. Das Quartierzentrum Wesemlin hingegen scheint zu blühen: Es wurde von der Katholischen Kirchgemeinde Luzern gebaut – und liefert alles, was ein Quartier so braucht: Wohnungen, eine Migrosfiliale, eine Bäckerei und eine Drogerie. Auch die Spitex und Vicino – Unterstützung im Alter – sind anwesend.
Apropos Luzern: Am 25. September stimmen die Luzernerinnen und Luzerner darüber ab, ob der Kanton 400’000 Franken für einen Kasernenneubau im Vatikan bezahlt oder nicht. Wir machen diese Woche den Luzerner Abstimmungskampf zum Thema – auch mit einem Interview mit der beliebtesten Politikerin der letzten Jahre, Altbundesrätin Doris Leuthard.
Priester aus dem Kongo seit 40 Jahren in der Schweiz
Am Samstag, 20. August, gibt es um 18 Uhr in St. Anton in Wettingen eine Eucharistiefeier zum 40. Priesterjubiläum von Joseph Kalamba Mutanga. Er dürfte der dienstälteste Priester aus dem Kongo in der Schweiz sein.
Joseph Kalamba Mutanga blickt mit Sorgen in seine Heimat: Die Gewalt nimmt zu, die Flüchtlingszahlen ebenso. Ein Hoffnungsschimmer wäre die Reise von Papst Franziskus in den Kongo und nach Südsudan gewesen – doch daraus wurde kniebedingt erst einmal nichts.
Monika Schmid kritisiert Roland Trauffer
Bestimmte katholische Reflexe funktionieren auch während des Sommerlochs. Nachdem Monika Schmid, Gemeindeleiterin von Effretikon, dem «Landboten» gesagt hatte, warum sie nicht um Erlaubnis frage, das Abendmahl zu feiern, schäumte die reaktionäre Front von kath.net und verschickte auf «Telegram» die Eilmeldung: «Tohuwabohu im Bistum Chur: Liturgiemissbrauch und Messsimulationen durch Gemeindeleiterin». Dabei hatte Monika Schmid nie behauptet, eine Messe zu simulieren.
Am Samstag gab Monika Schmid ein weiteres Interview, dieses Mal dem «Zürcher Oberländer». Darin berichtet sie von einem Brief des ehemaligen Generalvikars des Bistums Basel, Roland Trauffer: «Ich solle aufhören, solches Zeug zu erzählen, das mache die Kirche kaputt, schrieb er mir damals. Und er unterstellte mir, die Unwahrheit zu sagen, obwohl sich alles, was ich sagte, mehr als bewahrheitet hat», sagt Monika Schmid.
«Einschüchterungsversuche von Kirchenmännern»
Wie immer spricht die Herbert-Haag-Preisträgerin Klartext: «Diese Einschüchterungsversuche von Kirchenmännern, wenn jemand den Mut hat, gewisse Dinge aufzudecken, sind unglaublich. Aber mir ist meine Kirche wichtig, es ist mir ein Anliegen, dass diese Kirche gross rauskommt – im Sinn von Wahrheit, im Sinn der Botschaft der Liebe. Wenn man meinen Einsatz dafür als Ketzertum und Nestbeschmutzertum abtut, ist das reine Dummheit.»
Trotzdem gefällt Monika Schmid das Etikett «Kirchenkritikerin» nicht: «Und zwar wenn man gar nicht mehr danach fragt, was hinter meiner Kritik steckt, sondern es nur noch heisst, ist ja sowieso klar, dass die so redet. Meine spirituelle oder fromme Seite, die interessiert dann nicht. Ich bin ganz tief verwurzelt in meinem Glauben. Das merken die Leute hier in der Pfarrei.»
Eine Abschiedswoche für Monika Schmid
Monika Schmid geht nun nach 37 Jahren in den Ruhestand, ihr Nachfolger wird der Priester Felix Hunger. Wer selbst den Machtmissbrauch in der katholischen Kirche anprangert, kann es eigentlich nicht gutheissen, 37 Jahre lang in derselben Pfarrei geblieben zu sein. Doch Monika Schmid hatte keine Wahl: «Unter Bischof Huonder hätte ich in all dieser Zeit gar nirgends eine neue Missio erhalten. Darum war immer klar, dass ich hier in dieser tollen Pfarrei bleibe.»
Der Monika-Schmid-Abschiedsreigen beginnt diesen Sonntag und geht bis zum 28. August: Während einer Abschiedswoche gibt es in der katholischen Kirche St. Martin in Effretikon verschiedene Veranstaltungen und Gottesdienste.
«Pussy Riot» kommt in die Schweiz
Die Frauen von «Pussy Riot» zählen zu den mutigsten Russinnen. Schon vor zehn Jahren haben sie die unheilige Allianz zwischen Putin und Patriarch Kyrill angeprangert. Nach dem Auftritt während der «Art Basel» ist «Pussy Riot» erneut in der Schweiz. Am Sonntag, 21.August, treten sie um 20 Uhr am Zürcher Theaterspektakel auf.
Am Montag, 22.August, diskutieren sie um 21 Uhr am Stammtisch über «Punk als Protest». Eine weitere Performance folgt am Dienstag, 30.August, um 19 Uhr in der Mühle Hunziken in Rubigen BE.
Was wird nächste Woche wichtig – ausser den neuen Kardinälen in Rom? Ich freue mich über Ihren Input an rauchzeichen@kath.ch.
Einen guten Start in die Woche wünscht Ihnen, verbunden mit einem fröhlichen Mariä-Himmelfahrt-Fest,
Ihr
Raphael Rauch
15.08., 15.45 Uhr: In einer ersten Version hatten wir das Quartierzentrum mit der «Oase-W» verwechselt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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