Manuel Dürr, figurativer Kunstmaler aus Biel
Schweiz

Manuel Dürr: «Ich hätte den Kreuzweg für den Petersdom in Rom auch gratis gemalt»

Ein Kunstwettbewerb hat den jungen Bieler in den Vatikan katapultiert. Ab Aschermittwoch werden die 14 Ölgemälde seines Kreuzweges im Petersdom zu sehen sein. Was es heisst, einen solchen Auftrag zu erfüllen, erzählt Manuel Dürr im Podcast «Laut + Leis».

Sandra Leis

Ausgerechnet im bedeutendsten christlichen Gotteshaus gibt es keinen Kreuzweg. Zum 400. Geburtstag des Petersdoms wollte der Vatikan dies ändern und hat einen anonymen Kunstwettbewerb ausgeschrieben. Ausschlaggebend war also allein die Kunst. 

Einzige Bedingung für die Teilnahme am Wettbewerb: ein makelloser Auszug aus dem Strafregister. Um diesen prestigeträchtigen Auftrag beworben haben sich rund tausend Künstlerinnen und Künstler aus achtzig Ländern.

Gewonnen hat Manuel Dürr, ein bislang unbekannter Künstler aus Biel. «Ich war überwältigt und empfinde es bis heute als grosse Ehre, diesen Auftrag ausführen zu dürfen.»

Bei den Meistern lernen

Eines war für ihn von Anfang an klar: «Mein Kreuzweg soll sich einfügen in die grossartige Kunst im Petersdom. Ich möchte nicht, dass meine Ölgemälde als Intervention oder als Fremdkörper gelesen werden.» 

Konkret: «Ich habe Jesus so gemalt, wie er im Petersdom bereits präsent ist. Das heisst, ich habe versucht, auf den Kontext einzugehen, ohne sklavisch Formeln zu wiederholen.»

Meisterwerke wie die Pietà von Michelangelo schmücken den Petersdom in Rom. Neu hinzu kommt der Kreuzweg von Manuel Dürr.
Meisterwerke wie die Pietà von Michelangelo schmücken den Petersdom in Rom. Neu hinzu kommt der Kreuzweg von Manuel Dürr.

Dürr ist ein Italien- und Renaissance-Fan und hat das Handwerk von der Pike auf gelernt in einer privaten russischen Kunstakademie in Florenz, wo auch ukrainische Künstler unterrichtet haben.

«Der Fokus lag auf den grossen Meistern», sagt Dürr. Es sei nicht in erster Linie darum gegangen, der Welt einen neuen kreativen Wurf zu präsentieren, sondern zu schauen, wie machen’s eigentlich die Besten? «Zuerst kommt die Nachahmung, dann, darauf aufbauend, der eigene künstlerische Ausdruck.»

Enorm arbeitsintensiv

Im Dezember 2024 hat der Vatikan publik gemacht, dass Manuel Dürr für den Petersdom einen Kreuzweg malen wird. Ende August 2025 mussten die 14 grossformatigen Ölgemälde (Format 1.30 x 1.30 Meter) gemalt sein, weil Ölfarbe nur langsam trocknet.  

Auf die Frage, ob er auch mal Zweifel gehabt habe, es zeitlich zu schaffen und qualitativ top zu sein, sagt der 36-Jährige im Podcast «Laut + Leis»: «Der Auftrag war enorm arbeitsintensiv. Ich bin ausser sonntags jeden Tag im Atelier gestanden und habe sechs bis acht Stunden gemalt.»

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Er ist Vater von drei kleinen Kindern und hat es seither noch nie erlebt, acht Monate am Stück gesund zu sein. «Es ist ein Glück und eine Gnade, dass ich alles nach Plan absolvieren konnte», sagt der gläubige Christ.

Der Lohn des Vatikans

Öffentlich bekannt ist der Lohn, den der Vatikan bezahlt: 120’000 Euro. Das ist mit Blick auf boomende Kunstmärkte nicht sonderlich viel. Doch Dürr sieht es so: «Ich war jetzt ein Jahr lang von der Dombauhütte St. Peter angestellt als Kunsthandwerker. Das ist für italienische Verhältnisse kein schlechter Lohn.»

Mit der Ausschreibung des Kunstwettbewerbs hat der Vatikan auch die Entlöhnung publik gemacht.
Mit der Ausschreibung des Kunstwettbewerbs hat der Vatikan auch die Entlöhnung publik gemacht.

Das Monetäre sei sekundär gewesen. «Ich hätte es auch gratis gemacht. Denn es war die schönste Aufgabe überhaupt und eine riesengrosse Ehre.»

Antisemitische Stereotype

Gross waren auch die Herausforderungen. Wie vermeidet man beispielsweise antisemitische Stereotype? «Ich habe die römischen Soldaten und sogar Pilatus selbst etwas anonymisiert. Die Gesichter sind weniger nuanciert festgehalten, weil es nicht darum geht, spezifischen Individuen die Schuld zu geben.»

Als Maler rapportiere er nicht historisch. «Meine Bilder sind keine Zeitmaschinen, mit denen man 2000 Jahre zurückreisen kann. Es sind Bilder, die an eine Bildtradition anknüpfen und einen kritischen und respektvollen Umgang suchen.»

Die grösste Schwierigkeit

Manuel Dürr ist ein exzellenter figurativer Maler, doch auch er weiss: Man kann alles noch besser machen. Genau darin habe die grösste Schwierigkeit bestanden. «Änderungen in Ölgemälden sind komplex, denn man kann die Arbeit von Wochen in einer halben Stunde vernichten.»

Manuel Dürr: «Verbessern oder nicht? Das braucht Weisheit, die ich nicht immer gehabt habe.»
Manuel Dürr: «Verbessern oder nicht? Das braucht Weisheit, die ich nicht immer gehabt habe.»

Deshalb müsse man strategisch denken und pragmatisch sein. «Es könnte sein, dass ich das noch besser hinkriege. Aber lohnt sich das mit Blick auf alle 14 Bilder und mit Blick auf die Uhr? Denn am Ende müssen die Bilder einheitlich und souverän daherkommen.»

Verbessern oder nicht? Das brauche Weisheit, die er nicht immer gehabt habe, sagt Dürr.

«Nicht der Reformierteste unter den Reformierten»

Spirituell gehören Manuel Dürr und seine Familie zur Gemeinschaft Jahu in Biel. Diese versteht sich der evangelisch-reformierten Kirche zugehörig und pflegt gleichzeitig orthodoxe und evangelikale Traditionen.

«Ich bin nicht der Reformierteste unter den Reformierten», sagt Dürr über sich. Damit meint er: «Ich habe keine antikatholischen Reflexe.» Ganz im Gegenteil: Seine Aufenthalte in Rom hätten seinen Blick geweitet. «Die römisch-katholische Kirche ist eine Kirche, die mit der ganzen Welt zu tun hat, auch mit den Ärmsten der Armen. Das hat mich nochmals neu am Christentum begeistert.»

Sämtliche Rechte am Kreuzweg von Manuel Dürr sind beim Vatikan. Erstmals aufgehängt werden die Ölgemälde im Petersdom am Aschermittwoch. Bis dann gilt Geheimhaltung; auch Fotos stehen bis zum Beginn der Passionszeit keine zur Verfügung. Künftig werden die Ölgemälde jährlich während der Fasten- und Osterzeit zu sehen sein. 


Manuel Dürr, figurativer Kunstmaler aus Biel | © Sandra Leis
13. Februar 2026 | 07:00
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