Lara Allegri, Präsidentin der Tessiner Organisation "Azione cattolica"
Schweiz

Lara Allegri: Verhaftung des Priesters «war ein Schlag in die Magengrube»

Die Präsidentin der katholischen Organisation «Azione cattolica» im Tessin äussert sich erstmals zum Fall D.L. – und erklärt das bisherige Schweigen. Der Priester sei ein beliebter Mitarbeiter im Jugendbereich ihrer Organisation gewesen.

Regula Pfeifer

«Am 7. August erreichte uns die Nachricht von der Verhaftung von D.L.*, einem Priester, der seit Jahren ein beliebter Mitarbeiter im Jugendbereich unserer Organisation ‹Azione cattolica› war», schreibt Lara Allegri im Leitartikel von «Spighe», der Zeitschrift der Tessiner Organisation «Azione cattolica». «Die Anklage gegen ihn lautet auf sexuelle Handlungen mit Kindern.» Der Priester befindet sich in Haft. Für den Betreffenden gilt die Unschuldsvermutung.

Keine Anzeichen

«Die Nachricht war ein Schlag in die Magengrube», so Allegri. Sofort hätten sich Vereinsmitglieder gemeldet, die ebenfalls bestürzt waren und sich fragten, wie dies möglich sei. «Keiner von uns hatte irgendwelche Anzeichen, irgendwelche Hinweise wahrgenommen, die auf so etwas hindeuten könnten», so Allegri.

Allegri nahm Kontakt auf mit dem apostolischen Administrator des Bistums Lugano, Alain de Raemy. Sie wollte mit ihm über die Jugendlichen reden, welche das Sommerlager besucht hatten, an dem der Priester D.L. zeitweise präsent war. Dies kurz vor seiner Verhaftung.

Schweigen vereinbart

Bei dem Gespräch schlug Bischof de Raemy der Präsidentin der «Azione cattolica» vor, keine eigene Presseerklärung abzugeben, sondern sich der Stellungnahme der Kurie anzuschliessen. «Ich habe diesem Vorschlag sofort zugestimmt, denn in dieser Situation hatten wir keine Worte», schreibt Allegri. Insgeheim stellte sie dieses Schweigen aber bald in Frage. «Ich befürchtete, dass einige denken könnten, wir wollten die Nachricht vertuschen, ‹alles unter den Teppich kehren›», schreibt sie.

Und schliesslich verteidigt sie das Schweigen wieder. Es handle sich hier weder um Gleichgültigkeit noch um «Omertà», also mafiaähnlichen Schweigezwang. «Wer schweigt, hört zu», betont sie. «Wenn wir Christinnen und Christen zuhören, fragen wir uns: ‹Was will Gott mir in dieser Situation sagen?›»

Vereint in der Bestürzung

Sie habe sich mit ihr bekannten und unbekannten Menschen ausgetauscht, berichtet Allegri weiter. «Wir waren sofort ‹Brüdern und Schwestern›, vereint in unserer Bestürzung, was geschehen war und begierig, einander zu sagen, was schön war und begierig nach einem kohärenten kirchlichen Leben.» Es sei darum gegangen, die Hoffnung wiederherzustellen.

Laufende Präventionskampagne

Die Frage «wie weiter» beantwortet die Präsidentin der «Azione cattolica» mit dem Hinweis auf die Sensibilisierungskampagne, die ihre Organisation gestartet hat – dies als Reaktion auf die erschütternden Resultate der Missbrauchsstudie vor einem Jahr. Bereits besprochen worden seien die Tabuthemen Sexualität und Machtmissbrauch, die mit sexuellem Missbrauch einhergingen. Die Kampagne werde zu Leitlinien für die Organisation «Azione cattolica» führen, so Allegri.

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Sie informiert zudem, dass der Internationale Zusammenschluss der katholischen Organisationen – das «Forum internazionale di Azione cattolica» (Fiac) – bereits Leitlinien zur Missbrauchsprävention ausgearbeitet hat. Diese seien aktuell beim Vatikan zur Prüfung eingereicht, konkret beim Dikasterium für Laien, Familie und Leben.

Schliesslich ruft Allegri dazu auf, die aktuelle Last des Kreuzes gemeinsam zu tragen. Und sich nicht unterkriegen lassen, sondern zuversichtlich zu bleiben. Aber auch wachsam zu sein. «Sollte es künftig Situationen geben, die nicht mit dem Stil unserer ‹Azione cattolica› übereinstimmen, lade ich Sie ein, diese zu melden, so wie es (mutig) eben geschehen ist.» (mit Infos von catt.ch)

*Der Name ist der Redaktion bekannt. Der hier zitierte Leitartikel ist in voller Länge auf catt.ch nachlesbar.


Lara Allegri, Präsidentin der Tessiner Organisation «Azione cattolica» | © zVg
21. September 2024 | 16:00
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