«Biotope des Glaubens wichtiger denn je»: Hundert Jahre Schönstätter Schwestern
Man musste die Schönstätter Marienschwestern dieser Tage eigentlich nur beobachten, um zu wissen: Hier steht ein grosses Jubiläum an. Für 750 Gäste wurde an zwei Tagen ein Familienfest ausgerichtet. Im Rückblick: 100 Jahre Wirkungsgeschichte – und im Zentrum das Marienheiligtum der Schönstattbewegung.
Sabine Zgraggen
100 Jahre Schönstätter Marienschwestern und 50 Jahre Zentrum Neu-Schönstatt wurden am Wochenende in Quarten gross gefeiert. Bereits am Samstagabend war der grosse Saal übervoll. Bischof Beat Grögli reiste eigens an, um das Wirken der Schwestern zu ehren und sich mit den Jugendlichen zu treffen.
Danach pilgerten Hunderte mit Kerzen zum Schönstatt-Heiligtum, einer gepflegten Kapelle auf dem Areal. Gäste waren aus der Schweiz und aus dem Ausland angereist – darunter die aus den USA stammende Generaloberin Schwester Joanna Buckley, die seit 2022 die Geschicke der Gemeinschaften in 120 Ländern lenkt.
Rund 20 junge Frauen befinden sich derzeit in der Schönstatt-Zentrale in Deutschland auf dem Weg zur «feierlichen Einkleidung». Aus den deutschsprachigen Ländern kommen allerdings kaum Berufungen. An diesem Anlass stand die Dankbarkeit für das Gewachsene im Mittelpunkt.
Von Quarten aus nach Afrika
Der Blick richtet sich von Quarten aus nach Afrika. Schwester Gloria, Provinzoberin für die Schweiz und Burundi (Zentralafrika), zeigt sich erfüllt vom Aufbruch dort. Dass die Schweizer Provinz diese Entwicklung mitträgt und fördert, wurde am Festwochenende immer wieder spürbar: Friedensarbeit über Grenzen hinweg.
Schwester Alessandra gab am Samstagabend zur Einstimmung ein Zeugnis ab. Maria ist für sie gerade deshalb Vorbild, weil ihr Leben «alles andere als romantisch und ruhig gewesen sei». Immer wieder taucht in den Zeugnissen der Gäste von Quarten die Herzlichkeit der Schwestern auf, die in der Mutter Jesu ihr Vorbild sehen.
«Solche Begegnungen sind in einer Leistungsgesellschaft entscheidend.»
Glaubt man den Erzählungen, wächst aus dieser inneren Verbundenheit und Zuneigung zur Mutter Jesu eine besondere Herzlichkeit gegenüber den Menschen mit ihren Sorgen. «Solche Begegnungen sind in einer Leistungsgesellschaft entscheidend», ergänzt Schwester Alessandra an diesem Abend: «Wach bleiben, für andere da sein, ein Lächeln, eine kleine Geste.» Für sie kommt diese Kraft aus dem «Liebesbündnis mit Maria».
Warum Maria? An diesem Wochenende wurde auch auf die Beziehungsfähigkeit der Mutter Jesu verwiesen. Sie erzog Jesus, und als er gestorben war, tröstete sie die zurückgebliebenen Jünger. Eine Szene im Jugendtheater am Abend fing diesen Moment im Abendmahlssaal ein.
Emeritierter Bischof Markus Büchel zugegen
Für den Festgottesdienst am Sonntag reiste der emeritierte Bischof Markus Büchel an. Charmant entschuldigte er seinen jüngeren Nachfolger mit dem augenzwinkernden Hinweis, sein modernes liturgisches Gewand lasse ihn jetzt wenigstens etwas jünger aussehen.
Er hatte aber auch einige Bezüge zu Quarten im Gepäck: Hier oben sei sein «am häufigsten besuchtes Hotel», und zeitgleich mit dem Neubau 1976 sei er Priester geworden. Ernster führte er aus: «Solche Biotope des Glaubens wie in Schönstatt braucht es dringend.» Aus ihnen gingen viele Berufungen hervor, zeigte er sich überzeugt.
In der Messe am Sonntagmorgen blieben die Glaubenszeugnisse zentral. Die Festpredigt hielt Pater Raffael Rieger, Provinzial der Schönstatt-Patres. Er wich auch vor heiklen Themen nicht zurück. Die aufgekommenen Vorwürfe gegenüber dem Gründervater Josef Kentenich wurden untersucht: «Nach dem heutigen Wissensstand hat kein sexueller Missbrauch stattgefunden.» Gleichwohl müssten alle Reflexionen selbstkritisch erfolgen und Verletzungen benannt werden. Ein neues Schutzkonzept für die ganze Bewegung werde auch hier aufgebaut.
Seine Predigt unterbrach er bewusst: Eine Frau und ein Ehepaar erzählten, wie die Gemeinschaft in Quarten ihren Glauben und ihr Leben für immer positiv verändert habe.
«Als junge Frau fragte ich nach dem Sinn meines Lebens; das Elend anderer Menschen liess mich nicht los.»
Schwester Nicolette: «Als junge Frau fragte ich nach dem Sinn meines Lebens; das Elend anderer Menschen liess mich nicht los.» Eher zufällig nahm sie eine Arbeit in Quarten an. In der Kapelle kam ihre aufgewühlte Seele endlich zur Ruhe. Sie habe sich hier, sagt sie, «schlicht verliebt». Später kehrte sie zurück und entschied sich für das Leben in der Gemeinschaft.
Ehepaar ging ebenfalls zum Ambo
Ein Ehepaar ging ebenfalls zum Ambo: «Man fühlt sich hier immer willkommen.» Viele Menschen hätten in Quarten Hilfe gefunden; einige seien deshalb nicht aus der Kirche ausgetreten, andere hätten sich hier im Nachhinein kirchlich trauen lassen.
Dass diese Spiritualität keineswegs weltfern verstanden wird, zog sich durch das gesamte Programm der Tage. Gerade diese Offenheit zu allen Menschen hin gehört zur spirituellen DNA der Marienschwestern. Die Schwestern sah man überall aktiv im Kontakt mit Menschen, Kindern und Familien.
Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein
Die Gästeliste unterstrich die Bedeutung der Schwestern für die ganze Region: Erbprinzessin Sophie von und zu Liechtenstein war eigens angereist. Ebenso Abt Emmanuel Rutz OSB von der Abtei St. Otmarsberg in Uznach, der St. Galler Regierungsrat Beat Tinner und Gemeindepräsident Albin Gätzi. Tinner brachte den Charakter von Neu-Schönstatt nach dem Schlusssegen auf den Punkt: «Das Schönstatt-Haus hat eine geistige Mitte und steht gleichzeitig inmitten der Welt.»
Vielleicht ist genau das die treffendste Beschreibung dieses Wochenendes: kein abgeschlossener frommer Kreis, sondern ein Ort, von dem Menschen gestärkt und hoffnungsvoll wieder hinausgehen, um selbst ein Licht der Hoffnung zu sein. Zum Abschluss wurden die zahlreichen Gruppen wieder in ihren Alltag ausgesandt. Die Kopien des Marienbildes nehmen sie dafür in blauen Stofftaschen mit. Die Provinzoberin brachte es noch schlichter auf den Punkt: «Wir sind nicht die Hauptdarsteller dieser 100-jährigen Geschichte. Es ist letztlich Gott.»
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