Viele Früchte und viel Gemüse am Erntedankaltar
International

Landlust und Landfrust – Das Erntedankfest hat viele Aspekte

Ernährung ist politisch geworden. In Zeiten des Klimawandels und des Krieges bekommt das Erntedankfest eine völlig andere Note. Die Zahl der Hungernden bleibt hoch.

Christoph Arens

(KNA) Volle Brotkörbe, Sonnenblumen, mit Weintrauben gefüllte Butten. Pure Landlust: Zum Erntedankfest am Sonntag bieten viele ländliche Regionen ein Stückchen heile Welt.

Höhere Getreideernte

Auch in vielen Kirchen lassen sich bei den Sonntagsgottesdiensten farbenprächtige Bilder sammeln: mit Früchten geschmückte Altäre, mit Ähren, Stroh und Blumen gewundene Erntekränze.

Aber der Dank für die Ernte und die Bitte ums tägliche Brot, die zum Erntedankfest dazugehören, sind in Zeiten von Klimawandel, Krieg und massenhaftem Hunger nicht unbeschwert.

Für die Ernte gilt eine Ausnahme
Für die Ernte gilt eine Ausnahme

Dabei klingt die Erntebilanz der deutschen Bauern in diesem Jahr nicht schlecht: eine höhere Getreideernte als in den vergangenen zwei – schlechten – Jahren, rekordverdächtige Ergebnisse bei Kartoffeln, die Apfelernte zurück auf über eine Million Tonnen. Und viele Winzer erwarten qualitativ einen Top-Jahrgang mit früh reifen, aromatischen Trauben.

Schlechte Marktsituation, schlechte Preise

Doch zugleich beklagt Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied eine schlechte Marktsituation für die deutschen Bauern. Schlechte Preise für Getreide, stark gestiegene Betriebsmittelkosten und eine Vielzahl an politischen und gesetzlichen Vorgaben: Bei vielen Bauern herrscht eher Landfrust.

Dazu kommt, dass Brüssel ab 2028 das milliardenschwere Agrar-Budget reformieren und den Landwirten im Rahmen des neuen mehrjährigen Finanzrahmens weniger direkte Hilfen zukommen lassen will.

Eine Züchterin von Saatgut auf den Philippinen
Eine Züchterin von Saatgut auf den Philippinen

Auch in Zeiten des Klimawandels und des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine ist die Ernährung wieder politisch geworden. Für die Rinderzucht in Deutschland wird der Amazonas-Regenwald zerstört. Dem Agrarsektor wird ein hoher Anteil am Klimawandel und Artenschwund zugesprochen.

Gefährdetes Saatgut

Auch die Rolle grosser Agrarkonzerne sorgt für Bedenken: Vor wenigen Tagen haben kirchliche Entwicklungsorganisationen und Vertreter von Landwirten zum Erntedankfest von der Bundesregierung mehr Einsatz für den Schutz von Saatgut gefordert.

Grosse Agrarkonzerne gewännen durch Patente immer mehr Kontrolle über den Markt, kritisierten unter anderen die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Brot für die Welt, das katholische Entwicklungs-Hilfswerk Misereor, die Katholische Landvolkbewegung und die Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten in der Evangelischen Kirche.

Hunger und Armut in der Welt
Hunger und Armut in der Welt

Vielfältiges und lokal angepasstes Saatgut stehe immer weniger zur Verfügung. Ausserdem befürchtet das Bündnis, dass durch eine mögliche Aufweichung des EU-Gentechnikrechts eine gentechnikfreie Saatgut- und Lebensmittelerzeugung nicht mehr möglich sein werde.

673 Millionen hungernde Menschen

Zugleich ist die weltweite Ernährungssituation durch massive Widersprüche gekennzeichnet: Einerseits schätzt die Welternährungsorganisation FAO die Zahl der hungernden und unterernährten Menschen auf 673 Millionen.

Auf der anderen Seite landen in Deutschland jedes Jahr fast elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll – 60 Prozent davon in privaten Haushalten. Eine Vernichtung wertvoller Nahrungsmittel, die die Bundesregierung und die Initiative «Zu gut für die Tonne» dringend vermindern wollen.

Mehr fettleibige als unterernährte Kinder

Zur Unterernährung kommt mittlerweile eine weltweite Fehlernährung: Anfang September teilte das UN-Kinderhilfswerk Unicef mit, dass in diesem Jahr erstmals mehr Kinder und Jugendliche weltweit fettleibig als untergewichtig seien.

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Untergewicht sei bei Kindern im Alter von fünf bis 19 Jahren seit 2000 von rund 13 Prozent auf 9,2 Prozent zurückgegangen, während Fettleibigkeit von drei Prozent auf 9,4 Prozent gestiegen sei. Sie tritt erstmals in den meisten Regionen der Welt häufiger auf als Untergewicht – mit Ausnahme von Subsahara-Afrika und Südasien.


Viele Früchte und viel Gemüse am Erntedankaltar | © zVg
3. Oktober 2025 | 09:00
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