Schweiz

Klosterschliessung Brig ist noch nicht das Ende

Brig-Glis VS, 11.5.17 (kath.ch) Nicht nur aus dem Oberwallis werden sich die Kapuziner dieses Jahr zurückziehen. Auch die Niederlassungen in Andermatt und am Wallfahrtsort Heiligkreuz im Entlebuch werden aufgebgeben, wie am Mittwoch an der Medienkonferenz zur Schliessung des Klosters Brig bekanntgegeben wurde. Die Altersstruktur der Brüder erfordert jetzt schon ein Weiterdenken.

Ab 2018 wird der Orden noch an den sechs Klosterstandorten Luzern, Mels, Olten, Rapperswil, Schwyz und Wil mit ihrer jahrhundertealten Geschichte vertreten sein, ausserdem gibt es eine Niederlassung in Zürich. Für den Leiter der Schweizer Kapuziner-Provinz, Bruder Agostino Del Pietro, steht fest, dass auch mit diesen kommenden Schliessungen die Veränderungen im Orden noch nicht abgeschlossen sind.

Über die Landesgrenzen hinaus diskutieren

Del Pietro verweist im Gespräch mit kath.ch auf Frankreich, wo fünf Provinzen zu einer zusammengelegt wurde. Auch die deutschsprachigen Kapuziner sind zusammengerückt: In Deutschland und Österreich wurden Provinzen zusammengelegt und zusammen mit der Schweizer Provinz wird in Österreich eine gemeinsame Ausbildungsstätte, das Noviziat, geführt. Dazu gelte es, so der Schweizer Provinzvorsteher, auch über die Landesgrenzen hinaus zu diskutieren, wie, wo und welche Schwerpunkte der Orden in Zukunft setzen könne.

Gemeinschaften müssen funktionieren können.

Klosterschliessungen sind zuerst wegen der Überalterung eines grossen Teils der Ordensmitglieder notwendig. Die Priesterbrüder, darauf wurde bei der Information zur Aufhebung der Gemeinschaft in Brig-Glis mehrmals hingewiesen, leisten auch im hohen Alter noch grosse Arbeit. «Wo sonst stehen 80-jährige Männer noch mitten im Arbeitsleben, statt sich an der AHV zu freuen?», fragte etwa der Informationsverantwortliche der Katholischen Kirche im Oberwallis, Paul Martone. Dass die betagten Brüder nun in einem anderen Kloster den wohlverdienten Ruhestand geniessen dürfen, sei ihnen zu gönnen.

Die Altersstruktur in einem Kloster sei immer ein wichtiges Thema für die Ordensgemeinschaft, hält Agostino Del Pietro fest. Die Kapuziner wechseln – im Unterschied beispielsweise zu den Benediktinern – für ihr Wirken mehrmals das Kloster. Für einen jungen Ordensmann wäre es aber eine schwierige Situation, sich neu in einer Gemeinschaft mit mehreren sehr alten Mitbrüdern zu finden. «Eine Situation wie in Brig ermöglicht keine funktionierende Gemeinschaft mehr», musste Del Pietro deshalb feststellen.

Grosse Zusammenschlüsse sind nicht spruchreif

Die jüngeren Kapuziner, die noch voll und ganz im Arbeitsalltag stehen, werden im Orden deshalb dort eingesetzt, wo ihre Fähigkeiten und Kompetenzen am stärksten gebraucht werden. Das findet momentan nach wie vor innerhalb einer Provinz statt. Auf die Frage, ob künftig auch Provinzen über die Landesgrenzen hinaus vorgesehen sind, reagierte Agostino Del Pietro zurückhaltend.

Die Verbundenheit mit der Heimatprovinz ist stark.

Die Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinaus ist auf Ebene der Provinzleitung in Gange, wie beispielsweise der gemeinsame Ausbildungsort (Noviziat) der deutschsprachigen Kapuziner in Salzburg in Österreich zeige. Aber gerade für ältere Ordensmitglieder sei die Verbundenheit mit der eigenen Provinz noch sehr stark, so dass die Zusammenlegung von Gemeinschaften über die Landesgrenzen nicht zur Diskussion stehe, sagt der Schweizer Provinzial. – Die älteren Kapuzinerbrüder, die Anfang 2018 Brig verlassen müssen, werden denn auch in ein Kloster nach ihrem Wunsch ziehen können. (ms)

Bruder Agostino Del-Pietro | © Martin Spilker
11. Mai 2017 | 15:09
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Schwieriges Feld für Neueintritte

Nicht zuletzt durch ihre Inseratekampagne hatten die Kapuziner in den letzten Jahren gegen 20 Ordenseintritte verzeichnen können. Nur ein Viertel davon sind allerdings dauerhaft in der Gemeinschaft geblieben, erklärt Damian Keller, Vorsteher des Kapuzinerklosters Luzern und Personal- oder Brüderverantwortlicher des Ordens. Er erklärt dies vor allem damit, dass die interessierten Männer – oft im Alter über 40 Jahren – mit einem ganz anderen Erfahrungshintergrund das Klosterleben versucht hätten. Die persönliche Geschichte, die Frage der geforderten Ehelosigkeit oder auch die fehlenden beruflichen Perspektiven hätten jeweils wieder zum Austritt geführt.

Als Damian Keller vor 30 Jahren in den Orden eingetreten ist, gab es in der Deutschschweiz 320 Kapuziner, die in 15 Klöstern und 16 anderen Niederlassungen lebten. Heute zählt die Kapuzinerprovinz Schweiz 94 Ordensmitglieder mit einem Altersdurchschnitt von gut 75 Jahren. Elf Brüder sind noch nicht im Pensionsalter, ein Mann befindet sich im Noviziat und eine Person interessiert sich für die Mitgliedschaft im Orden. (ms)