Katholische Youtube-Stars bewirken mit kleinen Taten Grosses

Zürich, 1.9.18 (kath.ch) Mit kleinen Taten kann man Grosses bewirken – diese Botschaft vermitteln die drei bestprämierten Youtube-Filme des Wettbewerbs «underkath». In 90 Sekunden mussten die jungen Filmer antworten auf die Frage: «Warum braucht es mich auf der Welt?» Den Hauptpreis gewannen vier Ministranten aus Lachen: Eine Reise an die Jugendsynode in Rom. Der Preis wurde am Freitag vom Katholischen Medienzentrum übergeben.

Sylvia Stam

«Ein ernsthaftes Thema mit einem Sprutz Ironie umgesetzt», so lautet das Urteil der Jury zum erstprämierten Film. In 90 Sekunden antworten vier junge Leute – zwei Mädchen und zwei Jungen – auf witzige Weise auf die Wettbewerbsfrage: «Warum braucht es mich auf der Welt?». Zu sehen sind viele kleine Szenen, in denen Menschen einander helfen, darunter gar ein Stunt, wie Jurypräsidentin Natalie Fritz betonte. Die kreative Umsetzung dieser verschiedenen Szenen hat die Jury besonders beeindruckt. «Man merkt dem Film an, dass die Filmemacher ein Team sind», so Fritz.

«Wir haben den Film aus Spass gemacht.»

Das Team, das sind Diellzo Gojani, Simon Bünter, Benedikt Arndgen und Marina Zuber. Sie sind Ministranten aus Lachen im Kanton Schwyz. Die Ideen zu den einzelnen Szenen stammten allerdings von einer noch grösseren Gruppe von «Minis», verrieten die Sieger bei der Ehrung.

Die Szene mit der Banane und dem Ketchup | © Screenshot Youtube
«Wir sind überrascht, dass wir den ersten Preis gewonnen haben!», sagt Simon Bünter nach der Preisübergabe gegenüber kath.ch. Sie hatten aufgrund des Online-Votings nicht unbedingt damit gerechnet. «Wir haben den Film in erster Linie aus Spass gemacht, nicht mit dem Ziel, einen Preis zu gewinnen», fügt Benedikt Arndgen an, und verrät: «Die Szene mit der Banane und dem Ketchup, auf die bin ich immer noch stolz!»

«Alle haben das Zeug, als Vlogger tätig zu sein.»

Die Ministranten, von denen drei an die Preisverleihung im Katholischen Medienzentrum in Zürich angereist sind, freuen sich über den Gewinn: Eine Reise nach Rom mit dem Auftrag, dort ein Video zu drehen. Dem Wunsch der Organisatoren, dass das Video während der Jugendsynode im Oktober gedreht werden soll, wollen sie nach Möglichkeit nachkommen, zumal ein Teil der Synode in die Schulferien falle. Jugend- und Medienbischof Alain de Raemy, der die Schweiz an der Synode vertreten wird, steht jedenfalls als Darsteller zur Verfügung, wie er an der Preisverleihung verriet.

Auf dem 1. Platz: Simon Bünter, Marina Zuber und Benedikt Arndgen, mit Medienbischof Alain de Raemy | © Sylvia Stam

Auch weiterfilmen werden die drei Jungfilmer «garantiert», wie Benedikt Arndgen sagt – und es klingt überzeugend. Dass dies durchaus erwünscht ist, hat Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums, in seiner Begrüssungsrede deutlich gemacht: Ziel des Wettbewerbs war es, junge Video-Blogger (kurz: Vlogger) zu gewinnen, die ab Herbst regelmässig den Youtube-Kanal «underkath» mit Videos aus ihrem Alltag bespielen. Dabei sollen die Vlogger in Storytelling und Videoproduktion gecoacht werden, so Martig. Er zeigte sich sehr zufrieden über die eingegangenen Filme, denn «alle Teilnehmer des Wettbewerbs haben das Zeug, auf unserem Videokanal als Vlogger tätig zu sein», so Martig.

«Es braucht mich, um Musik und Freude zu verbreiten.»

Das Video von Rebecca Weickhardt, Christof Weickhardt und Muriel Frauenfelder aus Zofingen AG, das den zweiten Platz erreichte, stellt die Wichtigkeit und Einzigartigkeit jedes einzelnen Menschen ins Zentrum: «Es braucht mich, damit ich andere Menschen glücklich machen kann. Damit meine Familie komplett ist. Um Musik und Freude zu verbreiten», sagen die beiden jungen Frauen im Video. «Es braucht jeden Menschen auf dieser Welt, weil es jeden nur einmal gibt und alle etwas Gutes bewirken können», so das Fazit.

 

 

Auf dem dritten Platz landeten die Schwestern Sarah und Elena Cristallo aus Kleindöttingen AG. Die beiden Frauen zeigen anhand kurzer Szenen auf, was jeder Einzelne für einen kleinen Beitrag leisten kann, damit die Welt besser wird – sei es durch Aufmerksamkeit dem Mitmenschen gegenüber oder durch einen achtsamen Umgang mit der Natur.

Es sei ihnen nicht leicht gefallen, die zwölf eingegangenen Filme zu prämieren und damit in eine Reihenfolge zu bringen, sagte Jurypräsidentin und Filmwissenschaftlerin Natalie Fritz vor den Anwesenden, denn alle hätten sich ins Zeug gelegt, wie die Resultate zeigten.

Alle Kanäle nutzen

Auch Medienbischof Alain de Raemy ist sehr zufrieden über die entstandenen Filme, wie er gegenüber kath.ch sagte. In seiner Begrüssungsrede hatte er auf die Bedeutung der Medien für die Kirche hingewiesen: «Wir haben eine gute Nachricht zu verkünden. Dazu sollen wir alle Kanäle nutzen», sagte der Jugendbischof aus dem Bistum Lausanne, Genf und Freiburg in fliessendem Schweizerdeutsch.

 

 

Rund vierzig Personen, die Hälfte von ihnen unter zwanzig, waren am Freitagabend an die Preisverleihung im Katholischen Medienzentrum in Zürich gekommen: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Wettbewerbs, Angehörige und Freunde sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der kirchlichen Organisationen, die den Wettbewerb unterstützt haben. Zur Jury gehörten nebst Natalie Fritz die Filmwissenschaftlerinnen Marie-Therese Mäder und Corina Schwingruber.

Einblicke in das Leben junger Katholiken geben

Das Katholische Medienzentrum lancierte den Wettbewerb im Januar dieses Jahres. Jugendliche im Alter von 14 ­bis 22 Jahren waren eingeladen, mit ihren Smartphones ein 90-Sekunden-Video zu erstellen zur Frage: «Warum braucht es mich auf der Welt?» Mit dem Wettbewerb möchte das Medienzentrum Vlogger für einen Video-Kanal gewinnen, «auf dem die Vlogger beispielhaft Einblicke in die Lebenswelt junger Katholikinnen und Katholiken geben», hiess es in der Medienmitteilung vom 26. Januar.

Ziel des Projekts, das im Zusammenhang mit der Bischofssynode vom Oktober in Rom steht, sei es, die Bindung von Jugendlichen an die katholische Kirche zu stärken. Dies vor dem Hintergrund, dass Youtube die wichtigste Social-Media-Plattform von jungen Menschen in der Schweiz ist.

Unterstützung aus der katholischen Kirche

Der Begriff «underkath» setzt sich zusammen aus «undercut» – damit wird eine bestimmte Frisur bezeichnet – und der Abkürzung «kath.ch» für die Website des katholischen Medienzentrums.

Das Projekt wird finanziell unterstützt vom Fastenopfer, der Inländischen Mission, der Jugendkollekte, der Stiftung Agape und von der katholischen Kirche in der Schweiz.

Hinweis: Alle zwölf Videos sind zu sehen auf underkath.ch.


Katholisches Projekt «Underkath» sucht die besten jungen Video-Blogger

Auf dem 2. Platz: Christof Weickhardt | © Sylvia Stam
Auf dem 2. Platz: Christof Weickhardt | © Sylvia Stam
Auf dem 2. Platz: Rebecca Weickhardt | © Sylvia Stam
Auf dem 2. Platz: Rebecca Weickhardt | © Sylvia Stam
Auf dem 3. Platz: Sarah Cristallo | © Sylvia Stam
Auf dem 3. Platz: Sarah Cristallo | © Sylvia Stam
Medien- und Jugendbischof Alain de Raemy | © Sylvia Stam
Medien- und Jugendbischof Alain de Raemy | © Sylvia Stam

Die Kirche hat das Potential

Drei Fragen an Jugendbischof de Raemy zum Wettbewerb:

Sylvia Stam

Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Videos anschauten?

Die Jugendlichen haben viel Phantasie und besitzen die Gabe zu inszenieren. Man merkt, dass sie Freude am Produzieren der Videos hatten. Diese innere Freude spüre ich auch, wenn sie ernste Themen angehen.

Welche christlichen Werte werden durch diese Videos vermittelt?

Ganz klar die Nächstenliebe. Die Aufmerksamkeit für den Nächsten und den Beitrag, den sie für die Natur leisten können im Sinne der Bewahrung der Schöpfung.

Das Christentum ist eine Religion des Wortes. Welche Rolle können Bild und Film bei der Verbreitung der guten Nachricht spielen?

Der Mensch besitzt fünf Sinne. Was der Mensch aufnehmen kann, geht über diese fünf Sinne. Darum ist es sehr wichtig, dass all diese Sinne einbezogen werden, wenn man etwas über Gott und das Christentum sagen will. Auch Musik und Gefühle gehören dazu. Ich habe in Freiburg erlebt, wie Ministranten ihre Freunde, für welche der Katholizismus exotisch war, mit in den Gottesdienst genommen haben. Danach haben sie besprochen, was sie erlebt haben. Dabei sprachen sie nicht nur von den Worten, also was gesagt worden war, sondern auch von der ganzen Inszenierung. Diese hat die Jugendlichen, die erstmals eine Kirche betraten, sehr beeindruckt. Die Kirche hat also das Potential, sich ins Bild zu setzen.

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